Männer, Gefühle zeigen erlaubt!

Warum es für Männer so wichtig ist, Gefühle zu zeigen

Was passiert, wenn Väter ihre Gefühle zu Kindern und in der Nähe Ihrer Kinder unterdrücken? Kennst du Freunde, die das machen, oder erlebst du dich selbst manchmal in dieser Situation? Manchen Männer fällt es einfach schwer, ihren Kindern mit offenen Gefühlen zu begegnen. Auch das Ausdrücken anderer Gefühle wird in der Nähe von Kindern oft unterdrückt. Doch genau das ist wichtig: Kinder brauchen eine ausdruckstarke gefühlvolle Bindung zum Vater und schauen sich ebenso den Ausdruck von Gefühle beim Vater ab – deswegen, zeige Gefühle, für dich und für die Entwicklung deines Kindes.

Gefühle Mann und Vater

Vater Kind Gefühle zeigen, Copyright unguryanu, bigstockphoto

 

Warum es schwer fallen kann, Gefühlsregungen zu zeigen

Als Männer liegt es eigentlich in unserer Natur, Gefühle zu erleben und zu zeigen. Nur wurde uns das zeigen von Gefühlen meist wegtrainiert. Bei Jungen im Kindesalter ist alles noch erhalten, die Offenheit und auch das Zeigen von Gefühlen, dass sie Angst und Freude offen zeigen können, dass sie weinen und lächeln.

Doch obwohl Gefühle angeboren sind, werden sie spätestens im Erwachsenenleben oft unterdrückt. Trotz der sich aufweichenden Rollenbilder ist in vielen Köpfen vor allem der Mann immer stark und rational. Das führt dazu, dass Männer ehern als Frauen dazu neigen, Gefühle zu unterdrücken. Du spürst sie natürlich, aber der „coole Typ“ zeigt sie nicht.

Von diesen alten Mustern gilt es, sich besser früher als später zu lösen. Ein Papa darf und soll der ganzen Welt zeigen, wie stolz er auf Sohn oder Tochter ist und wie viel Liebe hinter der Elternschaft steht. Betrachte deine Gefühle für Kinder auch als Antrieb, sie zu beschützen und die besten Entscheidungen für ihr Wohl zu treffen.

 

Warum dein Kind dein ehrliches Lächeln braucht

Wenn Väter die Gefühle zu ihren Kindern unterdrücken, ist das nicht nur ein Verlust für sie selbst. Dein Kind kommt mit einer ganzen Palette an Empfindungen zur Welt und lernt den Umgang mit ihnen vor allem durch die Eltern. Wie reagieren Mama und Papa auf Schreien, Weinen, Lachen und Co.? Mütter und Väter, die Gefühle zu den Kindern unterdrücken, nehmen dem Nachwuchs damit diese Lernmöglichkeit.

Die Kinder lernen aber nicht nur, deine Reaktion auf ihre Gefühlsäußerungen zu deuten (und später teils vorauszusehen), sondern spiegeln das elterliche Verhalten. Wie kleine Affen ihre Artgenossen nachahmen, orientieren sich auch die Kinder an den gezeigten Gefühlen der Eltern. Sie lernen den Umgang damit in einem geschützten, familiären Rahmen. Lacht der Papa, wenn er ein lustiges Bild im Kinderbuch sieht, ahmt das Kleinkind ihn nach. Zeigt er ein erschrockenes Gesicht an einer unheimlichen Stelle im Märchen, wird auch das nachgeahmt.

 

Was geschieht, wenn Väter die Gefühle zu ihren Kindern unterdrücken?

Gelingt es einem Vater nicht, die eigenen Gefühle zu zeigen, wächst das Kind im schlimmsten Fall ohne väterliche Liebe auf. Das hat starke Konsequenzen für die Entwicklung, denn Kinder brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf, Nahrung und erlerntes Wissen. Wird keine Liebe gefühlt, verwahrlost ein junger Mensch auf emotionaler Ebene. Das kann bereits im Kindergarten zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Manche werden extrem ruhig und ziehen sich in eine eigene Fantasiewelt zurück. Andere kompensieren die sozialen Unsicherheiten mit der Neigung zu Gewalt.

Spätestens in der Pubertät, wenn die ersten Liebesbande geknüpft werden wollen, fehlt Jungen und Mädchen, deren Väter Gefühle zum Kind unterdrückt haben, die Fähigkeit, selbst Beziehungen aufzubauen. Sie haben zum einen nicht lernen können, Gefühle zu zeigen und können auf der anderen Seite die eines Gegenübers nur schwer einordnen. Intimität macht ihnen daher mehr Angst als Freude.

 

Den Umgang mit Gefühlen lernen

Das menschliche Gefühlsleben ist sehr komplex. Für dein Kind beginnt es aber mit einfachen, klar voneinander zu unterscheidenden Dingen wie Spaß und Angst. Damit die Kinder den Umgang damit lernen können, ist es wichtig, dass du sowohl positive als auch negative Gefühle vorlebst. Auf diese Weise wird die soziale Kompetenz eines Kindes Schritt für Schritt geschult. Dafür gibt es spielerische Lernmöglichkeiten:

  1. Lies ein Märchen mit ausdrucksstarker Stimme vor. Haben die Kinder Angst vor der bösen Hexe, darf die Stimme zittern und es darf gejubelt werden, wenn das Böse besiegt wurde.
  2. Bevor Kinder genügend Wortschatz für genaue Gefühlsäußerungen haben, können sie bereits in selbstgemalten Bildern viele Gefühle ausdrücken. Betrachte die Bilder daher immer aufmerksam.
  3. Frag dein Kind ab dem Kindergartenalter ruhig öfter, wie es sich heute fühlt und welche lustigen, traurigen oder auch unheimlichen Momente es gab.
  4. Ein schönes Gefühlsspiel funktioniert, sobald die Kleinen mit der Schere umgehen können: Schneidet zusammen Gesichter aus der Zeitung, klebt ein Bild und redet darüber, was die Frau gerade so fröhlich oder das Kind so böse gucken lässt.

 

Dein offenes Ohr ist gefragt

Unabhängig vom spielerischen Erlernen ist deine Unterstützung gefragt, wenn Sohn oder Tochter akut traurig sind oder Angst verspüren. Biete deinem Kind immer ein offenes Ohr für Kummer an. Je nach Alter kann das auf andere Weise erfolgen:

  • Bei den Jüngsten hilft es sehr, eine „Stimmungsuhr“ im Kinderzimmer aufzuhängen. Die lässt sich wunderbar gemeinsam basteln und das Kind kann über den Uhrzeiger einstellen, welcher Smiley gerade seiner Stimmung entspricht.
  • Ältere Kinder können und möchten ihre Gefühle komplexer ausdrücken. Eine Idee hier ist der „Kummerkasten“. Die Kinder schreiben auf einen Zettel, was sie bewegt hat oder aktuell sorgt. Das ist oft einfacher für sie als den Eltern die Gefühle ins Gesicht zu sagen.

 

Wichtig: Du musst dich nicht unter Druck setzen

Väter sollten ihre Gefühle zu Kindern nie unterdrücken, doch das bedeutet nicht, dass du ab jetzt jede Gefühlsregung deinerseits auf die Goldwaage legen musst. Du musst nach einem sehr stressigen Arbeitstag auch keinen Freudentaumel beim gemeinsamen Spielen vorspielen, wenn dir einfach nicht danach ist. Auch das gehört zum Lernen für die Kinder: Papa ist heute ruhiger, da er müde ist.

Wie stark Gefühle gezeigt werden, schwankt außerdem je nach Temperament. Zu deiner Vorbildfunktion gehört auch, ein realistisches Bild der Realität zu geben. Diese Ehrlichkeit hilft dir und deinem Kind.

 

wer wir sind

Mario, vom Netpapa Team

Als begeisterter Vater und Herausgeber von Netpapa.de eines der größten deutschsprachigen Vätermagazine, freue ich mich, Dir gemeinsam mit anderen Autoren viele hilfreiche Themen vorstellen zu können. Unsere Redaktion besteht aus Journalisten, Erziehern, Pädagogen und Mediziner aber vorallem sind wir Väter.


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