Wie erkläre ich Kindern die Zeit – Das Zeitgefühl bei Kindern:

Zeitgefühl bei Kindern – Sie haben Ihr eigenes Zeitempfinden!

Kinder haben Ihre eigene Zeit – „In fünf Minuten fahren wir los“ – ein typischer Elternsatz der eine Zeitvorgabe beinhaltet – Aber verstehen Kinder bis 6-7 Jahre diese Zeitvorgabe überhaupt.  Wie weit ist das kindliche Zeitverständnis in diesem Alter ausgeprägt und Welche Wege gibt es meinem Kind den Begriff Zeit und das Verständnis dafür zu vermitteln?

Mädchen spielen

Kinder haben ihr eigenes Zeitempfinden © altanaka – Fotolia.com

Der Zeitbegriff ist etwas Abstraktes, wenig Greifbares. Es gelingt Dir nicht, die Zeit anzufassen und sie Deinem Kind zu zeigen. Zeit veranschaulichst Du mit einer Uhr, einem Kalender, mit Begriffen wie Tag, Jahr, gleich, sofort, mit morgen, übermorgen, in zwei Wochen und vielen weiteren Bezeichnungen. Da Deinem Kind noch nicht klar ist, wie lange die erwähnten fünf Minuten dauern, beeilt es sich nicht. Es weiß nicht, wie lange es benötigt, um sich Jacke und Schuhe anzuziehen. Du als Vater fragst Dich, ob Du Deinem Kind die Zeit mit einer Uhr näher bringst.

 

Zeit ist für Kinder etwas Abstraktes

Maria-Eleonora Karsten ist als Professorin für Sozialpädagogik an der Leuphana-Universität in Lüneburg tätig. Ihrer Ansicht nach versteht ein Kind im Vorschulalter, wenn Du ihm sagst, dass eine Stunde um ist, wenn der Glockenschlag ertönt oder der Kuckuck ruft. Ebenso gelingt es Dir, einem Vorschulkind das Lesen einer Uhr beizubringen. Was Du nicht zu schaffen vermagst, ist, dass Dein Sohn oder Deine Tochter wirklich versteht, was Zeit ist. Das von Experten bezeichnete „Zeitwissen“, erlangt es erst in späteren Jahren.

 

Das kindliche Zeitverständnis und seine Entwicklung

Wie und wann Kinder eine Vorstellung von Zeit entwickeln, interessierte bisher eine Reihe von Wissenschaftlern. Entwicklungs-Psychologen fanden heraus, dass Kleinkinder kein Gefühl für die Zeit besitzen und nicht wie die Erwachsenen Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit zu unterscheiden in der Lage sind. Sie leben jetzt und hier.

Jean Piaget beschäftigte sich schon in den 1950er-Jahren mit dem kindlichen Zeitverständnis. Er sah es als seine Aufgabe an, mit kniffligen Fragen, Experimenten und indem er Kinder beobachtete, das Verständnis der Kinder für die Zeit zu erforschen.

Die Entwicklung des kindlichen Zeitverständnisses erfolgt nach Piaget in vier Stufen:

  1. der sensomotorischen
  2. der anschaulichen
  3. der operativen und
  4. der metrischen.

 

Der sensomotorische Zeitbegriff von Kindern im Alter von null bis drei Jahren

Bei null bis drei Jahre alten Kindern sprechen die Wissenschaftler vom sensomotorischen Zeitbegriff des Kindes. In diesem Alter ist es noch nicht in der Lage, die Zeit so zu empfinden, wie ein Erwachsener. Es besitzt jedoch erste Ahnungen von Zeitabfolgen. Der Säugling führt seinen Daumen zum Mund und den Mund zum Daumen. Ein einjähriges Kind sieht zu, wie ein Erwachsener eine Puppe unter eine Decke legt. Kurze Zeit später findet es das Spielzeug ohne Probleme wieder. Piaget folgert aus seinen Beobachtungen, dass ein Kind von null bis drei Jahren es versteht, Handlungsabläufe zu ordnen aber noch keine Vorstellung von der Zeitdauer besitzt.

Das kindliche Zeitverständnis eines zwei bis dreijährigen Kindes ist so weit fortgeschritten, dass es zu erkennen vermag, dass beispielsweise der Sonntag schön ist, weil die Eltern mit ihrem Kind etwas unternehmen. Es erobert sich die soziale Zeit. Zukunft und Vergangenheit sind ihm in diesem Zeitraum noch fremd.

 

Der anschauliche Zeitbegriff betrifft Kinder von drei bis sieben Jahren

Das kindliche Zeitverständnis erfordert zunächst die Fähigkeit, sich räumlich zu orientieren und erste Kenntnisse über Zahlen, mithilfe dessen es die Zeit einschätzen lernt. Vorschulkinder erahnen, dass es sie gibt. Sie messen die Zeit an dem, was sie sehen. Für ein Vorschulkind ist ein großer Hund älter als ein kleiner, größere Steine älter als kleinere. Auch beim Menschen machen sie das Einschätzen des Alters abhängig von der Größe der Personen.

Deinem Kind im Alter zwischen drei und sieben Jahren erklärst Du die Zeit stets anschaulich. Beispielsweise antwortest Du ihm auf die Frage: „Papa, wann ist morgen?“, dass der neue Tag zu dem Zeitpunkt beginnt, wenn die Sonne aufgeht und es aus seinem Schlaf erwacht. Die Zugfahrt ist dann zu Ende, wenn der Zeiger an einem von Dir zu benennenden Punkt auf der Uhr steht. Die Frage, wann Du Zeit für Dein Kind hast, beantwortest Du nicht mit „in fünf Minuten“. Erkläre ihm, dass Du erst Deine E-Mail zu Ende schreibst und danach mit ihm spielst.

 

Der operative Zeitbegriff entwickelt sich in der Grundschulzeit

Der operative Zeitbegriff beschreibt das kindliche Zeitverständnis eines Grundschulkindes. Das Kind lernt, dass, egal wo es sich befindet, die Zeit überall gilt und Menschen sie dort in gleicher Weise messen. Es beginnt, Zeitabschnitte bezüglich ihrer Dauer zu unterscheiden. Der Grundschüler erlernt die Bedeutung der Zukunft, der Gegenwart und der Vergangenheit.

 

Die Zeit schätzen und vorhersagen – der metrische Zeitbegriff

Gelingt es dem Kind etwa mit neun Jahren, die Handlungsdauer vorherzusagen beziehungsweise zu schätzen, sprechen Wissenschaftler von dem metrischen Zeitbegriff.

 

Das Zeitverständnis des Kindes im Vorschulalter

Das kindliche Zeitverständnis teilt sich laut dem Schweizer Entwicklungs-Psychologen Jean Piaget in vier Phasen auf: der sensomotorischen, der anschaulichen, der operativen und der metrischen. Dein Kind befindet sich in der anschaulichen, das heißt der zweiten Entwicklungsphase des kindlichen Zeitverständnisses. Es misst die Zeit, an dem was es sieht. Bis es im Grundschulalter lernt, Gegenwart, Vergangenheit und die Zukunft richtig zu unterscheiden, erklärst Du ihm geduldig, dass es dreimal abends ins Bett gehen muss, bevor ihr wieder zu Oma und Opa fahrt.

 

 

wer wir sind

Mario, vom Netpapa Team

Als begeisterter Vater und Herausgeber von Netpapa.de eines der größten deutschsprachigen Vätermagazine, freue ich mich, Dir gemeinsam mit anderen Autoren viele hilfreiche Themen vorstellen zu können. Unsere Redaktion besteht aus Journalisten, Erziehern, Pädagogen und Mediziner aber vorallem sind wir Väter.


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