Mein Verwöhntes Kind: Auswirkungen und Entgegenwirken

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Vater und Tochter
Mein verwöhntes Kind - jackf / 123RF Lizenzfreie Bilder

Welche Auswirkungen hat das Verwöhnen von Kindern und wie wirken Väter dem entgegen?

Meine Frau Tanja liest unserem kleinen Max jeden Wunsch von den Augen ab. Hier ein neues Spielzeug, da ein Stückchen Schokolade – Max bekommt alles, was er sich wünscht. Hätten wir Geld für ein Pony, stünde das im Vorgarten, zusammen mit der Hüpfburg und dem Kleintierzoo. Das Entgegenwirken beim Verwöhnen des Kindes erscheint mir sinnvoll. Ich mache mir Sorgen, ob es für Max gesund ist, ihn überzubehüten. Hat das später, wenn er groß ist, Folgen? Welche Auswirkungen hat das Verwöhnen unseres Kindes?

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Unsere Kinder sind zu verwöhnt, was sie über kurz oder lang lebensuntüchtig macht. Hinter dem Verwöhnen steckt ein Mangel mit Folgen. Dieser manifestiert sich darin, dass solche Kinder unbeliebt sind. Laut einer Infratest-Umfrage des Magazins „FAMILIE&CO“ (Ausgabe 19. September 2001) glauben 75 Prozent der deutschen Bevölkerung, dass Eltern ihre Kinder zu sehr verwöhnen. Sie denken, dass das folgenreiche Auswirkungen mit sich bringt. Die Sprösslinge entwickeln sich möglicherweise zu egoistischen Personen.

Verwöhnung als eine Form der Vernachlässigung

Im Buchhandel erhalten Eltern zahlreiche Ratgeber mit Titeln wie „Die Droge Verwöhnung“ oder „Die Verwöhnungsfalle“ – ein erstes Anzeichen dafür, dass solches Handeln allgemein überhandnimmt. Verwöhnte Kinder stoßen bei ihrer Umwelt auf Antipathie, Aggression und Ablehnung. Sie sind selten beliebt. Dabei steckt hinter dem Tun der Eltern guter Wille. Vor allem im materiellen Bereich lassen sie sich einen zufriedenen Sprössling etwas kosten.

Verwöhnen weist auf einen Mangel hin

Pädagogen betrachteten diese Fehl-Erziehung kritischer. Sie entdeckten, dass das Verwöhnen eher einen Mangel beschreibt. Jürgen F. Detering, Pädagoge, Psychoanalytiker und Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche, bezeichnet die Verwöhnung als eine Form der Vernachlässigung. Grundsätzlich bemängelt er bei dieser Form der Erziehung die geringe Auseinandersetzung mit dem Kind. Ihm fehlt ein gewisses Maß an Anleitung, Förderung und Forderung, um Alltagsaufgaben zu bewältigen. Er weist darauf hin, dass die verwöhnenden Eltern überwiegend zu wenig kritisch hinterfragen.

Was fehlt verwöhnten Kindern?

Eltern, die ihr Kind verwöhnen, erfüllen ihm jeden materiellen Wunsch. Das deutet daraufhin, dass sie sich mit dem Konsum nicht kritisch auseinandersetzen. Dinge bewerten sie über. Oftmals verbirgt sich dahinter der fehlende Mut der Eltern, „Nein“ zu sagen. Sie wissen nicht, mit dem Protest des Zöglings umzugehen. Doch nicht nur hinter materiellen Dingen verbirgt sich eine Verwöhnfalle.

Häufig beseitigen Eltern jedwede Schwierigkeit, sodass das Kind keinerlei Pflichten übernimmt. Weder das Aufräumen, das Tischdecken noch das Bettenmachen erweist sich für den verwöhnten Liebling als Notwendigkeit, wenn die Eltern Konflikte scheuen. Dahinter steckt ebenso ein mangelndes Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes. Es fehlt die Anleitung durch einen Elternpart, um ihm die Möglichkeit zu geben, Alltagsaufgaben selbst zu übernehmen. Ursächlich ist oft ein Mangel an Zeit.

Das Verwöhnen von Kindern nimt die Chance, sich als vollwertiges Familienmitglied zu integrieren

Der Wiener Therapeut und Psychiater Rudolf Dreikurs weist in seinem Erziehungsklassiker „Kinder fordern uns heraus“ darauf hin, dass es für Kinder entmutigend ist, wenn sie alle Dinge abgenommen bekommen. Diese führen sie in der Regel durch Anleitung der Eltern selbstständig aus. Fehlt ihnen die Möglichkeit, erleben sie ihre eigene Stärke niemals selbst. Dreikurs betonte den tiefen Wunsch der Kinder, ihren Platz in der Familie zu finden.

Um ihre Zugehörigkeit zu stärken, und um sich als vollwertiges Familienmitglied zu fühlen, gilt es für sie, Aufgaben zu übernehmen. Laut Dreikurs erledigen Kinder diese Pflichten nicht unter Zwang, sondern aus freien Stücken, da sie sich danach sehnen, sich als ernst zu nehmendes Familienmitglied nützlich zu machen.

Warum verwöhnen Eltern ihr Kind?

Jürgen F. Detering unterscheidet verschiedene Verwöhn-Konzepte. Zunächst tritt das Verwöhnen in Form einer Ausstattung mit vielen Süßigkeiten oder materiellen Gütern in Augenschein. Das Gewähren von Ausnahmen zu Ordnungen und Regeln kommt hinzu. Weiterhin gilt als Verwöhnen ebenso das Unterstützen mit unnötigen Hilfestellungen bei Handlungen, die das Kind bereits selbstständig erledigt.

Dazu gehört die Befreiung von Aufgaben, Pflichten und Mitarbeit in der Familie. Eltern rauben dem Kind die Chance, Mitverantwortung zu zeigen. Begründet sind diese Formen des Verwöhnens durch einen Mangel an Zeit, Anleitung und an der Auseinandersetzung der Eltern mit dem Kind. Zwar geschieht das unter dem Augenschein der Zuwendung, jedoch befriedigt das Verwöhnen des Kindes ebenso die Eltern. Sie gehen Konflikt-Situationen aus dem Weg, indem sie selbst Abwaschen. Sie sparen dadurch Zeit, dass sie dem Nachwuchs die Schnürsenkel binden und decken den Tisch, da das Kind es nicht so perfekt macht. Dies entlastet die Eltern zwar für den Moment, langfristig hat das Verwöhnen der Sprösslinge jedoch Auswirkungen auf dessen Entwicklung.

Das Selbstbewusstsein des Kindes leidet unter dem Verwöhnzwang der Eltern

Kinder, die keine Anleitung erhalten, um selbst zu agieren, leiden unter einem schwachen Selbstbewusstsein und einem unrealistischen Selbstbild. Wer jeden Stein in seiner Kindheit aus dem Weg geräumt bekam, findet sich schwer in der Erwachsenenwelt zurecht, denn das Leben richtet sich nicht mehr nach seinen Wünschen.

Detering beschreibt die Auswirkungen des Verwöhnens beim Kind: Sie sind entmutigend, verhindern den Aufbau eines Selbstwirksamkeits-Erlebens und halten dem Nachwuchs Entwicklungsreize vor. Es nimmt dem jungen Spross die Möglichkeit, Verhaltensweisen und das Arbeiten zu üben. Das führt im Umkehrschluss dazu, dass das Kind wenig Durchhalte-Vermögen aufweist und keine Option sieht, Aufgaben zu übernehmen. Es fühlt sich nicht ernst genommen als Person. Eltern machen das Kind von sich abhängig und erscheinen oftmals eher wie Freunde, denn wie die benötigten Elternfiguren.

Dem Verwöhnen des Kindes entgegenwirken

Bist Du auf dem Pfad der „Verwöhnung“, erscheint Dir der Ausstieg schwierig. Psychologen und Pädagogen bestätigen, dass eine Änderung des Verhaltens möglich ist. Die Entscheidung ist bindend, wenn Du das Verwöhnen abstellen willst. Wichtig ist, dass das Kind täglich mehr Handlungen selbst übernimmt. Dazu leitest Du es nach Detering an, beobachtest, forderst und förderst. Übernimm keine Aufgaben, die Dein Nachwuchs selbst zu erledigen vermag.

Achte darauf, nicht zu viel auf einmal zu verlangen. Fang mit dem für Dich wichtigsten Punkt an. Formuliere es nicht als Bitte, sondern zeige Deinem Kind notfalls die Konsequenzen bei Zuwiderhandlung. Weigert es sich, den Schlafanzug auszuziehen, schicke Deinen Nachwuchs so zur Schule. Isst er zu den geregelten Mahlzeiten nicht, erhält Dein Kind keine Zwischenmahlzeiten. Weigere Dich fortan, unnötige Hilfestellung zu leisten, gib jedoch eine sinnvolle Anleitung zum Bewältigen der Aufgabe.

Fazit: Das Verwöhnen bleibt nicht folgenfrei

Die Auswirkungen beim Verwöhnen von Kindern sind vielfältig. Oftmals sind diese Kinder wenig begehrt, unselbstständig und haben ein geringes Selbstbewusstsein. Das Verwöhnen hat den Anschein des guten Willens, trägt jedoch ausschließlich der Bequemlichkeit der Eltern bei. Sie scheuen Konflikte, haben zu wenig Zeit oder geben keine Anleitung zum Handeln. Dadurch fühlt sich das Kind in der Familie nicht als vollwertiges Mitglied. Aufgaben übernimmt es nach Belieben und bekommt diese abgenommen.

Das Entgegenwirken beim Verwöhnen des Kindes ist wichtig für weitere Entwicklungsphasen. Der Prozess beginnt mit einer stringenten Anleitung des Kindes, um dessen Übernahme von Tätigkeiten im Familienkreis zu fordern und zu fördern.

 

weiterführend:

http://www.praxis-jugendarbeit.de/jugend-probleme-themen/13-Verwoehnung-Folgen-verwoehnter-Jugendlicher.html

http://www.urbia.de/magazin/familienleben/erziehung/sind-unsere-kinder-zu-verwoehnt

 

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