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Erziehung und die verschiedene Erziehungsstile:

Für einen Vater gehört es zu den elementare Aufgaben, das Kind zu erziehen – die Vermittlung von Werten und die Vorbereitung auf das spätere Leben können dabei eine wichtige Rolle spielen. Zu Erziehungsstilen und Erziehungsproblemen gibt es unendlich viel Literatur und vielfältige Ansichten.

Welcher Erziehungsstil ist der richtige? Was sollten Eltern zulassen und was nicht? Was ist eigentlich Erziehung? Lesen Sie hier einen kleinen Überblick über verschiedene Erziehungsstile und pädagogische Ansichten.

Was bedeutet Erziehung?

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Motiv © solovyova – Fotolia.com

Der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Brezinka definiert den Begriff „Erziehung“ folgendermaßen:

„Unter Erziehung werden Handlungen verstanden, durch die Menschen versuchen, das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht zu verbessern oder seine als wertvoll beurteilten Bestandteile dauerhaft zu erhalten oder die Entstehung von Dispositionen, die als schlecht bewertet werden, zu verhüten.“

In diesem Zitat stecken die Schlüsselwörter „Bewertung“ und „Beurteilung“ und genau das ist auch der Grund, warum es so viele verschiedene Erziehungsstile gibt. Jeder Mensch hat sein eigenes Wertesystem und seine eigenen Moralvorstellungen.

Hier kommt es auch auf den jeweiligen Kulturkreis mit den unterschiedlichen religiösen und sozialen Aspekten an. Jedes Elternpaar hat andere Norm- und Wertvorstellungen. Der Erziehungsstil selber ist also eine Grundhaltung, die die Eltern an ihre Kinder weitergeben.

Eltern könnte man salopp gesehen fast mit Gärtnern vergleichen: Lassen wir Wildwuchs zu und ernten damit absolute Individualität, beschneiden wir hier und da, um eine gewisse Ordnung zu erreichen oder kürzen wir neue Triebe radikal ein? Dies beschreibt eigentlich schon die Grundhaltung der verschiedenen Erziehungsstile: Wachsen lassen oder radikal beschneiden.

Die verschiedenen Erziehungsstile im Überblick

Früher unterteilte man die Erziehungsstile nur grob in drei Richtungen: autoritär, antiautoritär und laissez-faire. Mittlerweile wurde dies weiter kategorisiert und verfeinert.

Antiautoritären Erziehungsstil

Die Grundhaltung des antiautoritären Erziehungsstil ist es, Erziehung ohne Zwänge ablaufen zu lassen. „Nein“ wird den Kindern gegenüber nur selten gesagt.

Autoritäre Erziehung

Der Nachwuchs bekommt völlig freie Hand, um sich individuell und kreativ entfalten zu können und seine Persönlichkeit zu entwickeln. Dieser Erziehungsstil soll der Gegenpol zur autoritären Erziehung sein. Autoritäre Erziehung ist nämlich gekennzeichnet durch viele Regeln, hohe Erwartungen, Bestrafung und Belohnung.

Das Kind wird komplett nach den Ansichten der Erwachsenen gelenkt. Bei diesem Erziehungsstil geht es streng hierarchisch zu, die Kinder sind den Ansichten der Eltern untergeordnet.

Autokratischen Erziehung

Eine Steigerung des antiautoritären Erziehungsstils stellt die Form der autokratischen Erziehung dar. Erzogen wird nach strengen Regeln und ohne jegliche Kompromisse. Die Meinung des Kindes ist hierbei absolut bedeutungslos und uninteressant für die Eltern.

Demokratische Erziehungsstil

Vornehmliches Ziel ist das Akzeptieren und Befolgen von strikt vorgegebenen Regeln. Im Gegensatz dazu steht der demokratische Erziehungsstil. Sämtliche Entscheidungen werden zusammen mit den Kindern besprochen und diskutiert. Wünsche und Bedürfnisse der Kinder werden beachtet und berücksichtigt.

Egalitäre Erziehungsstil

Der egalitäre Erziehungsstil arbeitet komplett ohne hierarchische Strukturen. Die Meinung des Kindes wird zu sämtlichen Fragen eingeholt, auch an den jeweilien Entscheidungen werden die Kinder gleichberechtigt beteiligt.

Bekannt ist der Begriff des laissez-faire in der Erziehung, zu Deutsch und salopp ausgedrückt: Lass sie einfach machen, was sie wollen! Regeln und Grenzen gibt es gar nicht, die Eltern verhalten sich eher passiv.

Negierende Erziehungsstil

Eine Steigerung des laissez-faire ist der sogenannte negierende Erziehungsstil. Hier verhalten sich Eltern völlig uninteressiert dem Kind gegenüber und es findet von Elternseite im Grunde gar keine Erziehung statt. Diese erfolgt höchstens dann durch das soziale Umfeld des Kindes.

Permissive Erziehungsstil

Der permissive Erziehungsstil hingegen kann als gemäßigte Form des laissez-faire bezeichnet werden. Die Eltern halten sich in der Erziehung eher zurück, das Kind selber hat viel Entscheidungsfreiheit.  Unterschied zum laissez-faire jedoch ist, dass hier trotzdem immer wieder auch einmal Grenzen gesetzt werden.

Wo befinden Sie sich mit Ihrer Ansicht?

Natürlich ist es wichtig, in der Theorie einmal Bescheid zu wissen, welche Erziehungsansichten es überhaupt gibt. Klar ist aber auch, dass es sich meist um eher extreme Richtungen handelt. „Flexibler Erziehungsstil“, so könnte vielleicht eine neue Kategorie lauten: Erziehung ist natürlich wichtig, Hauptanliegen sollte es sein, die Kinder zu glücklichen, selbstbewussten und verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen. Das kann nicht funktionieren, wenn man nur den Prinzipien einer Richtung nachgeht.

Eine gesunde Mischung aus den verschiedenen Erziehungsstilen wird Eltern am besten dabei helfen. Das meiste wird jedoch auch bei Ihnen aus dem gesunden Menschenverstand heraus passieren und nach ihrem Bauchgefühl. Handeln und erziehen Sie mit Liebe und Herzenswärme, dann wird sich das meiste von selber ergeben. Dazu gehören natürlich auch einmal Tränen und Protest der Zwerge, wenn es nicht nach ihrem Kopf geht!

Lesen Sie auch: In der heutigen Zeit setzen viele Eltern auf ein demokratisches Miteinander: Demokratische Erziehung

Quellen und Literatur

Elterlicher Erziehungsstil und Sozialverhalten von Kindern im
Kindergartenalter – Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf vorgelegt von Christine Saemisch weiterlesen

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