Braucht jedes Kind ein eigenes Zimmer?

Wie wichtig ist das eigenes Kinderzimmer?

Viele junge Eltern sind der Meinung, dass jedes Kind ein eigenes Zimmer braucht. Es werden Stichworte wie „Privatsphäre“ und „persönliche Entfaltung“ in den Raum gestellt. Doch ist ein Raum pro Kind wirklich essentiell für die gesunde Entwicklung? Was machen Familien, denen es schlicht an Räumlichkeiten fehlt? Und gibt es eigentlich auch Vorteile eines gemeinsamen Kinderzimmers?

Kinderzimmer Tür zu und ungestört sein

Für die meisten Erwachsenen gehört das „Alleinesein“ zu den wichtigen Entspannungsmomenten des Tages. Die Arbeit ist erledigt, man zieht hinter sich die Wohnungstür zu und taucht in die Ruhe der eigenen Räumlichkeiten ein. Wohnung oder Haus sind ein Rückzugsort, an dem man ungestört man selbst sein und die Batterien wieder aufladen kann. Der Wunsch nach Rückzugsmöglichkeiten entwickelt sich bei den meisten Menschen bereits mit dem Grundschulalter und sollte daher auch bei Kindern ernst genommen werden.

Kinderzimer

Wieviel Kinderzimmer braucht ein Kind? Copyright: nastazia, Bigstockphoto

Es kommt jedoch ganz wesentlich darauf an, wie Rückzugsmöglichkeiten gestaltet werden. Dabei muss es sich nicht um ein eigenes Kinderzimmer handeln. Denkbar sind auch vereinbarte Zeiten, in denen ein Kind beim Sportverein und das Zimmer damit „frei“ ist. Viele Eltern bauen auch Spielhöhlen in das Kinderzimmer ein, in die sich zum Lesen oder Träumen zurückgezogen werden kann.

Ein rechtlicher Fakt am Rande: Zwar ist es in Deutschland inzwischen üblich, dass jedes Kind ein eigenes Zimmer hat, dieser kulturelle Trend war jedoch nicht immer so. Lange Zeit waren zwei oder sogar mehr Kinder pro Kinderzimmer die Norm und bis heute gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf ein eigenes Kinderzimmer.

 

Babys benötigen kein eigenes Zimmer – im Gegenteil

Selbst wenn genügend Wohnraum vorhanden ist und Sie bereits ein Kinderzimmer für Ihren Familienzuwachs vorgesehen haben, sollten Babys noch kein eigenes Zimmer bekommen. Der beste Platz zum Lernen und Schlafen ist in der Nähe der Eltern. Die meisten Mütter und Väter haben ihr Kind daher am Tag immer bei sich und nehmen es des Nachts mit ins elterliche Schlafzimmer.

Allgemein gilt zur Orientierung: In den ersten zwölf Lebensmonaten sind Körperkontakt und Zuwendung das Wichtigste und erst danach sollten Sie beginnen, über den Umzug ins Kinderzimmer nachzudenken. Aus rein psychologischer Sicht benötigen aber auch Kleinkinder noch kein eigenes Zimmer. Es sind im Regelfall die Eltern, die gern wieder mehr Ruhe im eigenen Schlafzimmer suchen.

Bis zu einem Alter von vier bis fünf Jahren ist es prinzipiell möglich, dass Kinder ein Bettchen im Elternschlafzimmer und beispielsweise im Wohnzimmer eine kleine Spielecke für die Tagesstunden haben. Spätestens mit der Einschulung sollte jedoch mindestens ein gesondertes Zimmer für die Kinder bereitgestellt werden.

 

(Gemeinsames) Kinderzimmer ab dem Grundschulalter

Wird Ihr Kind eingeschult, sollte es die Möglichkeiten haben, im eigenen Kinderzimmer am Schreibtisch die Hausaufgaben zu machen und Besuch von Freundinnen und Freunden im „eigenen, kleinen Reich“ zu empfangen. Das ist wichtig für die Entwicklung schulischer und sozialer Kompetenzen.

Haben Sie nur ein Kinderzimmer für zwei Kinder, beginnt nun eine oft schwierige Phase. Sind die Kinder recht unterschiedlich in ihren Persönlichkeiten, kann es zu vielen Streitereien kommen. Dennoch benötigen die Söhne und Töchter nicht zwangsläufig ein eigenes Kinderzimmer. Durch das Teilen des Raumes, das Finden von Kompromissen und Einhalten von Regeln werden im Gegenteil die Social skills trainiert. Davon werden die Kinder im späteren Leben stark profitieren!

Liegen die Kinder vom Alter nur gering auseinander und teilen ähnliche Interessen, kann ein gemeinsames Kinderzimmer sogar zu einem starken Geschwisterzusammenhalt führen. Vor allem Zwillinge wollen sich häufig sogar freiwillig und bis in die Teenagerzeit hinein ein Zimmer teilen.

Ein eigenes Kinderzimmer

Wie wichtig ist das eigenes Kinderzimmer? Copyright: photosvit, Bigstockphoto

Zum Problem wird ein Gemeinschaftszimmer oft in der Pubertät

Sowohl bei Jungen als auch Mädchen ändern sich mit dem Beginn der Pubertät sowohl der Freundeskreis als auch die Interessen. Viele erleben zum ersten Mal ein Schamgefühl für die körperlichen Veränderungen und wollen sich beispielsweise auf keinen Fall im gemeinsamen Kinderzimmer umziehen. Es entstehen Machtkämpfe zwischen den Kindern und lautstarke Auseinandersetzungen sind meist vorprogrammiert.

Da Jugendliche sich in einer (auch für sie) anstrengenden Phase der Selbstfindung befinden, gilt das Alter ab circa 14 Jahren als die Zeit, in der ein eigenes Kinderzimmer zu weniger Familienstress führen kann. Sind die Räumlichkeiten vorhanden, macht es Sinn, jedem Kind ein eigenes Zimmer zu geben. Doch wieder gilt: Die Kinder brauchen es nicht unbedingt! Auch in der Pubertät müssen sie bereit sein, Kompromisse zu finden und diese einzuhalten.

 

Die Vorteile eines gemeinsamen Kinderzimmers auf den Punkt:

1. Kinder lernen von Anfang an, dass auf ein soziales Gefüge Rücksicht genommen werden muss.

2. Ältere Geschwister lernen früh ein Verantwortungsgefühl für jüngere Menschen.

3. Es entsteht im Idealfall ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

 

Die eventuellen Nachteile

Zwar braucht nicht jedes Kind ein eigenes Zimmer, doch es gibt eine Reihe von Faktoren, die schnell zu Nachteilen führen.

  •  Haben die Kinder nicht dasselbe Geschlecht, sind Konflikte häufiger
  •  Stehen vier und mehr Jahre Altersunterschied im Raum, sind Interessen und Schlafenszeiten sehr unterschiedlich
  •  Bei unterschiedlichen Charakteren kommt es häufiger zu Rivalitäten
  •  Ist das Kinderzimmer klein, können nur schwer individuelle Rückzugschancen innerhalb des Raumes geschaffen werden

 

Tipps für eine harmonische Raumteilung

Zwar braucht ein Kind kein eigenes Zimmer, doch in jedem Fall benötigen Sie ein Bett pro Kind. Separate Schlafmöglichkeiten sind sehr wichtig für die gesunde und altersgerechte Entwicklung.

Im Idealfall bieten Sie auch jedem Kind einen eigenen Kleiderschrank. Ist das platztechnisch nicht möglich, sollte im Schrank eine klare Fächertrennung erfolgen.

Ideal für ein gemeinsames Kinderzimmer sind Raumteiler wie Vorhänge oder in der Mitte platzierte Schränke. Sie sorgen für optische Trennung und erlauben den Kindern eine individuelle Gestaltung des Raumes bis zur „Grenze“.

 

Autorin: Cornelia Scherpe

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