Wie lernt mein Kind, sich durchzusetzen?

Ein gesundes Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen bei Kindern und Jugendlichen

Ein gesundes Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen gehören zu den Basics, um geradewegs und möglichst komplikationsfrei durchs Leben zu kommen. Dementsprechend gehört die Fähigkeit, sich durchzusetzen, ebenso zum Erwachsenwerden. Wir Eltern sollten uns von Anfang an damit auseinandersetzen. Aus diesem Grund wollen wir für Sie Tipps zusammenstellen. Wie lernt mein Kind sich durchzusetzen? Kann sich Ihr Kind gegen seine Schulkameraden, gegen Freunde oder das nähere Umfeld nicht behaupten, sollten Sie schnellstmöglich handeln.

 

Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen bei Kindern und Jugendlichen

Selbstbewusstsein bei Kindern Urheber: kadmy / 123RF.com

Durchsetzungsvermögen beim Kind

Wir haben bisher weder mit einer bestimmten Fertigkeit, noch mit einer Technik zu tun, sondern vielmehr mit einem Merkmal der Persönlichkeit Ihres Kindes. Die Voraussetzung, um diese Persönlichkeitsmerkmale zu entwickeln und auszubauen, bildet ein Kind, das sich in seiner Umgebung sicher, angenommen und geliebt fühlt. Doch keine Sorge, ist Ihr Kind Ihr ein und alles und müssen Sie dennoch vorstellen, dass es sich eigentlich nur schwerlich gegen seine Umwelt durchsetzen kann, müssen wir ihnen nicht den schwarzen Pater reichen.

Es gibt von Natur aus Kinder, die lieber zurückstehen, um die bestehende Harmonie in ihrem Umkreis zu wahren. Sie scheuen Konfrontation und gehen lieber jeder Form von Diskussion aus Angst vor negativen Erlebnissen aus dem Weg. Doch sollten Kinder lernen, das mit Kompromissen negative Erlebnisse verbunden sind, die zum Leben gehören.

 

Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte?

Finden Sie sich auch in dieser Situation wieder: Ihr Kind streitet sich lauthals mit dem besten Freund oder der besten Freundin. Sie stürmen ins Zimmer und stellen beide zur Rede. Sie wollen den Vermittler spielen, um den Konflikt schnellstmöglich zu beseitigen.

  • Vertragt euch doch beide wieder!
  • Ihr werdet euch doch einigen?

Was von uns Eltern in dieser Situation gut gemeint ist, scheint aber vollkommen destruktiv zu sein. Gerade Streitigkeiten und Diskussionen unter Kindern, mögen sie oftmals doch recht laut zugange sein, gehören dazu und schulen einen Lernprozess, der in direktem Zusammenhang mit dem Selbstbewusstsein und dem Durchsetzungsvermögen steht. Ihr Kind muss lernen, sich eben genau in solch schwierigen Situationen durchzusetzen und wird ein erhebliches Stück Selbstbewusstsein aufbauen, wenn es einmal Oberhand behält.

 

Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass Sie seelenruhig eine totale Eskalation und einen Wutausbruch beobachten sollten. Achten Sie einfach darauf, dass der Streit sich in einem ausgewogenen Verhältnis auch unter Geschwistern abspielt. Gibt es hier einen ständigen Sieger und zieht eines der Kinder immer wieder den Kürzeren? Dann ist es für uns Eltern an der Zeit, zu reglementieren und einzugreifen. Schließlich sollte auch das andere Kind lernen, dass es sinnvoll ist, sich auf die Seite der Schwächeren zu stellen.

 

Durchsetzungsvermögen versus Aggression

 

Auf keinen Fall sollten wir aggressives Verhalten mit Durchsetzungsvermögen verwechseln. Es hat nichts damit zu tun, die Hand zu erheben, sich auf dem Schulhof zu prügeln und von sich zu behaupten, man könne sich besonders gut durchsetzen. Versucht Ihr Kind zum Beispiel mit Gewalt und Handgreiflichkeiten, die eigene Meinung durchzusetzen, sollten Sie sich aufgefordert fühlen, die Situation aufzuklären und nicht gewalttätige Schritte einzuleiten.

Gerade wenn Kinder Probleme mit Aggression und Gewalt in der Schule erfahren, sollten Sie lernen, dass Sie sich immer Hilfe bei Erwachsenen und Eltern suchen können. Hier sollten Sie das nötige Fingerspitzengefühl beweisen, um Kindern zu zeigen, dass es sich hierbei nicht um Petzen handelt.

 

Warum manche Kinder keine Nachhilfe im Durchsetzungsvermögen benötigen?

Tatsächlich gibt es auch diejenigen, die auf den ersten Blick

  • Toleranz,
  • Kooperationsfähigkeit und
  • ein sanftes Gemüt mit auf die Welt bekommen haben.

 

Hier ist es doch recht desaströs, auf Biegen und Brechen Durchsetzungsvermögen zu trainieren. Diese Kinder werden Ihr Bemühen als vollkommen unnatürlich und zwanghaft erleben. Sie werden hier keinerlei befriedigende Ergebnisse erzielen. Hier liegt der Fokus auf Kompromissen und auf der Harmonie. Belassen wir es dabei und bleiben Sie weiterhin Stolz auf Ihr Kind.

 

Wenn du geschlagen wirst, schlag zurück?!

Wehr ich doch, wenn er dich ärgert.

Lass dir nicht alles gefallen.

 

All diejenigen, die ihren Kindern raten, Gewalt und Aggression eben genau mit demselben Verhalten zu beantworten, bewegen sich vollkommen auf dem Holzweg. Sie werden Ihre Kinder so niemals sozial kompetent und individuell erziehen, sondern zu Menschen, die stigmatisiert wie Roboter auf andere Menschen reagieren. Dies hat nichts mit Selbstbewusstsein, Individualität, Kreativität und Querdenken zu tun.

 

Mein Kind kann sich nicht durchsetzen, wie Eltern verbale Hilfe leisten

Im Prinzip ist es vollkommen natürlich, wenn Kinder und Jugendliche auf Ungerechtigkeiten wütend reagieren. Doch sollten wir in diesen Situationen als Vorbilder agieren. Können Sie sich noch an Ihren letzten Streit mit Ihrem Partner erinnern? Haben Sie in jeder Situation besonnen und kompromissbereit reagiert? Auch wenn Sie an dieser Stelle jetzt betreten nach unten blicken, ist dies nicht der Weltuntergang.

Es ist viel wichtiger, auch in der Familie dem Kind vorzuleben, dass ein Streit vollkommen natürlich ist, dass man aber gemeinsam verbal eine Lösung findet und sich auch gegen ein starkes Gegenüber so durchsetzen kann. Geben Sie Ihrem Kind klare, verbale Stoppschilder mit in die Schule und in den Kindergarten. Gerade wenn die Kinder auf dem Pausenhof unbeobachtet von den Lehrern und Pädagogen schikaniert und geärgert werden, gilt es, mit klaren Aussagen reagieren. Es stellt sich der Situation mutig und aufrecht entgegen und sagt: „Ich will das nicht“. „Ich will nicht, dass du so etwas zu mir sagst“. „Hör sofort auf damit“.

 

Die gewalttätigen Routinen brechen: Raus aus der Opferrolle!

 

Im Nachhinein ist es sinnvoll, sich direkt aus der Situation zu entfernen. Betroffene Kinder laufen dann ganz unbewusst an einer Gruppe Erwachsener und Pädagogen vorbei, um sich auf keinen Fall in eine Opferrolle zu begeben. Der natürliche Reflex von angegriffenen Jugendlichen und Kindern in der Schule ist das Zurückziehen in das eigene Schneckenhaus.

Das brauchen wiederum die Aggressoren, um eine Situation weiter antreiben zu können. Echte Opfertypen nehmen die schlechte Behandlung ohne Gegenwehr hin. Sie wehren sich nicht und finden sich mit ihrer Position ab. Wenn man diese Routinen einfach bricht und klar und deutlich die eigene Meinung offenkundig ausspricht, kann man den Strudel von aggressiven und negativen Verhalten unter Kindern und Jugendlichen schnell unterbinden.

 

Praktische Tipps für alle Eltern:

  1. Kindern verbale Lösungswege aus Streitigkeiten aufzeigen.
  2. Mein Kind kann sich nicht durchsetzen: verbale Stoppschilder mit in die Schule geben.
  3. Aggression nicht mit Aggression beantworten.
  4. Bei sozialen und psychischen Problemen an Erwachsene wenden, heißt nicht Petzen.

 

wer wir sind

Mario, vom Netpapa Team

Als begeisterter Vater und Herausgeber von Netpapa.de einem der größten deutschsprachigen Vätermagazinen, freue ich mich, Dir gemeinsam mit anderen Autoren viele hilfreiche Themen vorstellen zu können. Unsere Redaktion besteht aus Journalisten, Erziehern, Pädagogen und Mediziner aber vorallem sind wir Väter.


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