Fit für die Schule: Jungen richtig fördern

Jungen in der Schule, was Eltern wissen müssen: 

Die Gleichberechtigung beginnt nicht erst bei Frau und Mann, sondern bereits bei Mädchen und Jungen. Sie sollen die gleichen Voraussetzungen für das Leben bekommen und unabhängig vom Geschlecht die beste, individuelle Förderung bekommen. Dabei zeigt sich in der Praxis allerdings häufig, dass Jungen richtig zu fördern, vielleicht nicht schwieriger, aber anders ist. Wer auf die Bedürfnisse nicht gut eingehen kann, erschwert den Kindern ihren Start ins (Schul-)Leben.

Jungen richtig fördern

Jungen sind besonders, Copyright: nata_zhekova, bigstockphoto

 

Das richtige Alter für die Einschulung

In Deutschland wird ein Kind entweder mit sechs oder sieben Jahren in die Grundschule geschickt. Welches Lebensjahr besser geeignet ist, entscheiden die Eltern unter Berücksichtigung eines Stichtages. Den Stichtag legt jedes Bundesland fest und sieht gemäß der deutschen Schulpflicht vor, dass ein Kind in diesem Jahr eingeschult wird, wenn es am Stichtag sechs Jahre alt ist.

Liegt der Stichtag also beispielsweise am 30. Juni, sollte ein Kind, das im Frühling sechs wurde, zu Beginn des Schuljahres zum ersten Mal den Ranzen schultern. Wird es dagegen erst im Juli sechs Jahre, erfolgt die Einschulung im Jahr darauf, wenn es bereits ein/e 7-Jährige/r ist.

Soweit die graue Theorie. Allerdings haben in der Praxis sowohl die Eltern als auch Kinderärzte die Möglichkeit, die Einschulung zurückstellen zu lassen. Ebenso wie eine Früheinschulung mit fünf Jahren möglich ist, kann der erste Schultag auch um ein Jahr nach hinten verschoben werden. Letzteres bedeutet nicht, dass das Kind dümmer ist! Es erhält so zusätzliche körperliche und geistige Entwicklungszeit. Da Jungen im Kindesalter langsamer als Mädchen reifen, ist eine späte Einschulung für sie oft die bessere Wahl.

 

Dein Junge will ein kleiner Mann sein

Trotz aller Bemühungen der Gleichberechtigung entwickeln Mädchen und Jungen sich nun mal rein biologisch anders. Das bemerken bereits die Jüngsten und fangen spätestens in der Grundschule an, sich den Freundeskreis aus Kindern des gleichen Geschlechts aufzubauen. Mit anderen Worten: Für deinen Sohn sind Mädchen doof. Diese Entwicklungsphase ist völlig normal. Sie bringt aber auch ein weiteres Phänomen mit sich: Jungs wollen als kleine Männer lieber toben und ruhige Tätigkeiten wie Malen und Lesen sind uncool.

Das führt dazu, dass die geforderte Lernbereitschaft im Kindergarten und die Disziplin in der Schule den „männlichen Verhaltensweisen“ entgegenstehen. Statt Kräftemessen wird gemeinsames Spielen verlangt und statt Herumrennen das Sitzen und ruhig zuhören. Damit du deinen Jungen richtig fördern kannst, muss dir dieser Widerspruch in seiner jungen Welt klar sein.

 

Die gefürchtete Kernkompetenz: Lesen

Natürlich haben nicht alle Jungen eine Abneigung gegen das Lesen, doch tendenziell finden sie das Erlernen der Schrift und das stundenlange Lesen anstrengend und ermüdend. Doch Lesen (und später Schreiben) ist eine Kernkompetenz in der Schule. Selbst im Mathematikunterricht müssen Textaufgaben erst einmal gelesen werden.

Jungen richtig zu fördern, ist daher an dieser Stelle ganz besonders wichtig. Damit sie das Lesen lernen können, müssen sie:

  1. ruhiges Sitzen und
  2. Phasen der Konzentration

lernen.

Beides geht Hand in Hand, wenn beispielsweise bereits im Kindergartenalter regelmäßig eine „Märchenstunde“ abgehalten wird. Während der Vorlesezeit sollen die Kinder ruhig sitzen und am Ende das Gehörte zusammenfassen. So kannst du deinem Jungen spielerisch eine große Hürde bei der Einschulung nehmen.

 

Auf die Zeit der Hausaufgaben vorbereiten

Du kennst es selbst noch aus deiner Schulzeit. Nach dem Unterricht ist Fußballspielen und Co. angesagt und nicht das langweilige Sitzen im Wohnzimmer, damit die Hausaufgaben für den nächsten Schultag fertig werden. Um deinen Jungen richtig zu fördern, musst du ihm helfen, diese Schulpflicht immer wieder aufs Neue anzugehen.

Ein guter Trick: Bereits im Kindergarten kleine Pflichten verteilen. Es kann zum Beispiel gefordert sein, dass erst ein Bild fertig ausgemalt wird, bevor es zum Spielen nach draußen geht. Auf diese Weise lernen Jungen, dass die eher ruhige, sitzende Tätigkeit erst abgeschlossen wird, bevor es zur Belohnung ans Toben geht.

 

„Kampfeslust“ in gesunde Bahnen lenken

Viele Jungen und auch so manche Mädchen haben mehr „Kampfgeist“ als andere. In ihnen brodelt die Lust auf Wettbewerb mit Gleichaltrigen und nicht selten äußert sich das durch kleine Kämpfe auf dem Spielplatz und Mutproben. Du erlebst diese Impulsivität als Problem für das Lernen? Das ist verständlich, doch statt diese Charaktereigenschaft zu bemängeln, kannst du sie auch nutzen, um deinen Jungen richtig zu fördern:

– Mach bei Hausaufgaben einfach mit und verwandle sie in einen konstruktiven Wettstreit. Besser als ein Rennen gegen die Zeit (wo sich schnell Flüchtigkeitsfehler einschleichen) sind Punktvergaben für richtige Antworten.

– Lass deinen Sohn eine Sportart für sich entdecken, bei der er sich regelmäßig auspowern und mit anderen messen kann. Neben Teamsportarten kann auch Kampfsport sehr gut passen.

 

Fazit: Jungs sind anders, du bist gefragt

Natürlich sollten Kindergärtner/innen und Lehrer/innen jeden Tag bemüht sein, die Mädchen und Jungen richtig zu fördern und die meisten versuchen es auch nach besten Möglichkeiten. Was in der Kita durch Projekttage und Waldausflüge oft umgesetzt wird, scheitert aber spätestens in der Grundschule an der Realität der Rechtslage: Es gibt vorgegebene Unterrichtsziele in Deutschland und die sollen erreicht werden. Fixe Vorschriften und wenig Luft für alternative Unterrichtsmethoden holen vor allem Jungen nicht auf ihrem Entwicklungsstand ab.

Neben der Möglichkeit zum Toben in der Freizeit, dem Angebot von Sportvereinen und Abenteuerausflügen am Wochenende hilft gemeinsames Lesen, damit die ruhigen Tätigkeiten geübt werden. Statt des langweiligen Schulbuches kann es auch ein Comic sein, oder ein Musikmagazin. Passt du die Lektüre auf die Interessen deines Sohnes an, wird er sich besser zum Lesen überwinden können und wie nebenbei flüssigeres Lesen lernen.

Übrigens: Oft haben Jungen auch eher als Mädchen ihre Probleme mit der Feinmotorik. Das schlägt sich schnell im Schriftbild nieder. In diesem Fall übst du am besten durch Dinge wie gemeinsames Spielen mit Bastelbausätzen oder Alltagsaufgaben wie Schleifenbinden der Feinmotorik auf die Sprünge.

 

wer wir sind

Mario, vom Netpapa Team

Als begeisterter Vater und Herausgeber von Netpapa.de eines der größten deutschsprachigen Vätermagazine, freue ich mich, Dir gemeinsam mit anderen Autoren viele hilfreiche Themen vorstellen zu können. Unsere Redaktion besteht aus Journalisten, Erziehern, Pädagogen und Mediziner aber vorallem sind wir Väter.


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