Ein guter Vater sein? Minderwertigkeitskomplexe bei Männern in der Vaterschaft

Schaffe ich es ein guter Vater zu werden?
– Fragen und Ängste die uns Männer bewegen.

Für Frauen sind die Schwangerschaft und die ersten Monate Aufregung pur. Sie besprechen sich mit Ärztinnen, Freundinnen und Hebammen, besuchen Vorbereitungskurse und lesen viel. Dabei treten wie Männer oft in den Hintergrund oder werden maximal als Seelsorger und helfende Hand wahrgenommen. Dass jedoch auch wir als werdende Väter einen teils schweren Weg in die Vaterschaft gehen, wird häufig übersehen. Dabei kann schnell mal das Selbstwertgefühl ins Schwanken kommen und so mancher werdende Vater entwickelt einen regelrechten Minderwertigkeitskomplex.

Minderwertigkeitskomplex durch die Vaterschaft

Schaffe ich es Vater zu sein? Minderwertigkeitskomplex beim Mann durch die Vaterschaft – Copyright: romrodinka, Bigstockphoto

 

Minderwertigkeitskomplexe in der Vaterschaft

Viele Männer empfinden die Schwangerschaft ihrer Partnerin als anstrengende Zeit. Diese Anstrengung ist natürlich eine andere als die der werdenden Mutter, denn die körperlichen Veränderungen fallen aus den Gründen der Biologie schlicht der Frau zu. Genau hier entsteht für manchen Mann das erste Problem mit dem eigenen Selbstwertgefühl: Der werdende Vater fühlt sich wenig gebraucht und damit hilflos. Er entwickelt häufig große Ängste rund um Frau und Kind, spricht aber selten darüber.

 

Ängste die Minderwertigkeitskomplexe bei Männern hervorrufen

Eine der größten Ängste:

Der Mann glaubt, er könne vielleicht keine Bindung zu seinem Kind aufbauen. Viele sprechen nicht darüber, da sie glauben, sich direkt als Rabenvater zu outen. Fakt ist jedoch, dass Mütter es im Allgemeinen leichter haben, eine Bindung zum Kind aufzubauen, da sie es bereits vor der Geburt als Teil ihres Körpers spüren durften. Es ist daher kein Zeichen für eine fehlende Bereitschaft zu lieben, oder gar einer seelischen Störung, wenn du Angst hast. Es ist eine natürliche Reaktion.

Damit kein Minderwertigkeitskomplex entsteht, beziehungsweise ein bestehender Komplex abgebaut werden kann, solltest du nach Möglichkeit die Vorsorgetermine und auch Geburtsvorbereitungskurse mit besuchen. So wirst du von Anfang an in alle Entscheidungen einbezogen. Sehr hilfreich sind intime Gespräche, in denen deine Partnerin von ihren Gedanken und Ängsten spricht und dann deine Perspektive anhört. So entsteht ein konstruktives Gespräch unter Gleichberechtigten.

 

Bei der Entbindung

Früher blieben Väter oft der Entbindung fern, heute hat sich dieses Bild komplett gewandelt. Wann immer es möglich ist, sollen die Männer gemeinsam mit ihrer Frau die Geburt erleben. Viele Krankenhäuser bieten auch Elternzimmer, in denen die junge Familie sowohl die Entbindung als auch die ersten Tage danach vereint erlebt.

Das gemeinsame Geburtserlebnis beugt einem Minderwertigkeitskomplex in vielen Fällen vor. Der Mann ist als Vater unmittelbar bei Frau und Kind, durchtrennt häufig die Nabelschnur und bekommt den Nachwuchs ebenso wie die Mutter sofort in den Arm gelegt. Das stärkt das Bindungsgefühl zum eigenen Kind nachhaltig.

 

Die ersten Tage

Hat ein Mann die Schwangerschaft und/oder Entbindung mit Ängsten erlebt, leidet das Selbstwertgefühl oft auch in den ersten Tagen nach der Geburt. Andersherum können die neun Monate und die Geburt als schöne Zeit erlebt werden und erst jetzt baut sich ein Minderwertigkeitskomplex auf. Beide Fälle sind kein Grund zur Panik, sondern gut verständlich. Nun hat das Stillen die oberste Priorität im Leben des Kindes und die Biologie weist damit erneut der Mutter die zentrale Rolle zu.

Als Mann musst du diese Rolle akzeptieren und gleichzeitig bedenken, dass Nahrungsaufnahme für das Kind nicht alles ist. Ebenso wichtig sind Körperkontakt durch Halten und Streicheln sowie das Hören der Stimme. Und hier sind Mutter und Vater gleichermaßen gefragt.

 

Gut für das Selbstwertgefühl: Da Mütter für das Stillen körperlich nahezu permanent in der Nähe des Kindes sein müssen, sollten Väter wichtige Behördengänge und Einkäufe erledigen. Du übernimmst in dieser Phase ganz aktiv die Rolle des Beschützers und Versorgers und darfst darauf auch stolz sein.

 

Minderwertigkeitskomplex in der Kleinkindzeit

Probleme mit dem Selbstwertgefühl legen sich bei vielen Männern, wenn die Aufregung der ersten Wochen abnimmt. Schreit das Kind viel oder kommt es zu Komplikationen, können jedoch auch die ersten Lebensmonate zur Belastungsprobe werden. Zwar zweifeln auch viele Frauen in dieser Zeit daran, ob sie eine gute Mutter sind, doch ein Mann entwickelt schneller einen Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem Kind.

Der Grund für ein schwankendes Selbstwertgefühl als frischer Vater ist unter anderem die gesellschaftliche Norm. Auch im 21. Jahrhundert werden viele Männer etwas misstrauisch angeschaut, wenn sie Elternzeit nehmen und die Partnerin bereits wieder auf Arbeit ist. Während den Frauen unterstellt wird, von der Natur für die Mutterrolle gemacht zu sein, wird den Männern schlicht nichts zugetraut. Beides ist ein Klischee!

 

Auf den Punkt: Tipps, um als Vater ohne Minderwertigkeitskomplex zu bestehen

Die erste und für viele Männer heilsame Erkenntnis: Ein Mann, der sich Sorgen um seine Qualitäten als Papa macht, ist bereits auf dem richtigen Weg, ein guter Vater zu sein. Wer über einen glücklichen und sicheren Alltag für das Baby nachdenkt, zeigt Verantwortungsgefühl und den Wunsch, aus jeder Situation das Beste zu machen.

Folgende Tipps helfen dir, die Vaterschaft gut zu gestalten:

  1.  Führe ehrliche Gespräche über Ängste und Sorgen mit deiner Frau und/oder einem guten Freund (der im Idealfall bereits selbst Vater ist).
  2.  Vergiss falschen Stolz und nutze Angebote wie Väterzentren oder schließe dich einer Vater-Kind-Gruppe in deiner Stadt an.
  3.  Erarbeite dir mit der gesamten Familie eine faire Arbeitsteilung für den Haushalt und Besorgungen.
  4.  Bring dich in den Babyalltag ein, indem du den Nachwuchs häufig trägst, wickelst und ins Bett bringst.
  5.  Kämpfe gegen Diskriminierung, bei der Männer aus einem veralteten Weltbild heraus immer noch als schwächeres Elternteil wahrgenommen werden.

 

Minderwertigkeitskomplexe bei Männern durch das häufig verschwiegene Thema Sex

Der Familiennachwuchs verändert den Alltag einer Beziehung auf Jahrzehnte. Die meisten Paare sind sich dieser Tatsache wohl bewusst und doch stellt vor allem das erste Lebensjahr des Kindes die partnerschaftliche Liebe auf die Probe. Die meisten Frauen verlieren zunächst das Interesse an Sex komplett, was für den Mann frustrierend und verletzend ist.

Sowohl Männer als auch Frauen trauen sich das Thema Sex nach der Geburt nicht direkt anzusprechen. Dabei gehört es zu einer Partnerschaft dazu und es ist völlig natürlich, sich trotz Kind auch intime Momente zu wünschen. Aus biologischer Sicht kann eine Frau zeitnah nach der Geburt wieder ein aktives Sexualleben beginnen. Aus Hygienegründen raten die meisten Ärzte und Hebammen, den Wochenfluss abzuwarten. Dieser sorgt für das Abfließen des noch vorhandenen Plazentagewebes.

Viele Frauen verspüren allerdings auch Monate nach der Geburt keine sexuelle Lust. Im Gegenzug gibt es Männer, die zwar prinzipiell Sex wünschen, doch sich Sorgen um Schmerzen bei der Partnerin machen. Die beste Lösung für beide Seiten: das offene Gespräch suchen.

Sehr hilfreich ist es, sich nach der Zeit, in denen beide meist zu 100 Prozent in der Elternrolle aufgegangen sind, wieder etwas Freizeit zu schaffen. Freizeit bedeutet in diesem Fall konkrete Stunden ohne das Kind. Großeltern und Freunde helfen meist gern und du kannst dich mit deiner Partnerin in diesen Stunden auf Zweisamkeit konzentrieren. Das muss je nach Stimmung nicht sofort gleichbedeutend mit Sex sein, doch auch ein Zoo- oder Kinobesuch und Küsschen, Händchenhalten und Co. wecken die romantischen Gefühle.

 

Nach der Kleinkindzeit

Allgemein kann man sagen: Je älter dein Kind wird, desto mehr wirst du von deinem Sohn/deiner Tochter haben, denn es beginnt die Zeit des gemeinsamen Spielens, Lernens, aber auch Erziehens. Wie bei den meisten Dingen im Leben gilt es dabei, eine Balance zwischen Spielkamerad und elterlicher Autorität zu finden.

Für alle Kinder ist es wichtig, dass ihr Papa für Spielspaß zu haben ist. Dazu gehört das Toben durch den Garten ebenso wie gemeinsames Basteln oder das Spielen am Puppenhaus. Letzteres ist als Mann oft etwas schwierig, du solltest dem aber eine Chance geben. Kinder schulen im Umgang mit Mutter und Vater auch ihre sozialen Fähigkeiten und „benutzen“ die Mutter als Rollenbeispiel für den Umgang mit Frauen und den Vater entsprechend als Beispiel für den Umgang mit Männern.

Du wirst auch erste Streitereien mit deinem Kind erleben, wenn du ihm Grenzen aufzeigst und Konsequenzen wie Fernsehverbot durchsetzt. Sätze wie „Du bist doof“ werden von Kindern schnell ausgesprochen und können das Selbstwertgefühl verletzen. Versuche, dir diese Momente nicht zu Herzen zu nehmen.

 

Das Wichtigste zum Schluss

Keine Frau wird als Mutter und kein Mann als Vater geboren. In die elterliche Rolle muss jeder erst hineinwachsen. Bedenke das immer, wenn ein stressiger Tag hinter dir liegt. Die Aufgabe als Vater zu bewältigen, gelingt durch das Sammeln von Erfahrungen.

Die Erfahrung unzähliger Generationen vor dir zeigt außerdem etwas sehr Beruhigendes: Die häufig erlebten Selbstzweifel und Unsicherheiten sind beim zweiten Kind bereits deutlich schwächer ausgeprägt. Fragen wie „Wie hält man das Baby?“ stellen sich aufgrund der Erfahrung nicht mehr.

weiter Themen für werdende Väter auf Netpapa.de

zum Thema die BZgA auf familienplanung.de
www.familienplanung.de/schwangerschaft/vater-werden/ich-werde-vater/

wer wir sind

Mario, vom Netpapa Team

Als begeisterter Vater und Herausgeber von Netpapa.de eines der größten deutschsprachigen Vätermagazine, freue ich mich, Dir gemeinsam mit anderen Autoren viele hilfreiche Themen vorstellen zu können. Unsere Redaktion besteht aus Journalisten, Erziehern, Pädagogen und Mediziner aber vorallem sind wir Väter.


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