Mein Kind hat Verstopfung. Wie kann ich ihm helfen und wann müssen wir zum Arzt?

Kinder und ihre Verdauung ist ein Thema für sich. Du liest viel über gesunde Ernährung, Ihr geht regelmäßig an die frische Luft und das Trampolin im Garten tut sein übriges und trotzdem kommt Dein Kind manchmal mit einem vollen Schokoladenbauch vom Kindergeburtstag.

Verstopfung
Verstopfung und was ihr als Eltern tun könnt – Copyright: yaoinlove bigstockphoto

Ab und zu folgt dann eine Verstopfung, die sich einfach nicht lösen will und der Nachwuchs weint fast vor Bauchschmerzen. Was nun? Musst Du deswegen sofort zum Kinderarzt oder kannst Du selbst etwas tun?

Mein Kind hat Verstopfung. Kann ich ihm helfen oder müssen wir zum Arzt?

Einen Säugling mit Verstopfung sollte sich immer der Kinderarzt ansehen. Ein älteres Kind, das außer Verstopfung auch starke Bauchschmerzen und Fieber oder ähnliche Symptome präsentiert, gehört ebenfalls zur Abklärung in die Sprechstunde. Geht es Deinem Kind aber gut und es quält sich nur nahrungsbedingt etwas mit festem Stuhlgang, kannst Du zunächst selbst versuchen, ihm zu helfen.

Jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus beim großen Geschäft

Du kennst Dein Kind gut und weißt, wie oft und zu welcher Tageszeit es für gewöhnlich für das große Geschäft auf die Toilette geht oder wann die Windel voll ist. Gerät es aus dem Rhythmus, achtest Du am besten darauf, ob es Bauchschmerzen bekommt oder sich sonst auffällig verhält. Vielleicht nimmt sich Deine Tochter oder Dein Sohn auch einfach nicht genug Zeit auf der Toilette, ist zu beschäftigt und ungeduldig. In diesem Fall kann ein Buch, das Tablet mit einem Spiel oder einfach Deine Gesellschaft im Badezimmer helfen, den Darm genug zu entspannen, um den Stuhlgang herzugeben.

Fünf Fakten zu Verstopfung bei Kindern

  1. Jedes Kind hat seinen ganz eigenen Verdauungsrhythmus.
  2. An eine Verstopfung solltest Du denken, wenn Dein Kind Schmerzen beim Absetzen von Stuhl hat und dieser ganz hart und bröckelig ist.
  3. Achte darauf, dass Dein Kind ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee trinkt.
  4. Bewegung ist sehr wichtig, um die Verdauung in Schwung zu halten.
  5. Der Kinderarzt kann Deinem Kind Polyethylenglykol verschreiben. Der Wirkstoff kann Verstopfung bei Kindern und Kleinkindern ohne negative Nebenwirkungen sanft lösen.

Hausmittel gegen Verstopfung, die sich auch für Kinder eignen

Am besten fängst Du gleich am Morgen an und servierst Deinem verstopften Nachwuchs ein Glas warmes Wasser oder Apfelsaftschorle vor dem Frühstück. Eventuell reicht diese Maßnahme schon, um den Reiz für den Stuhlgang auszulösen.

Der nächste Schritt

Wenn nicht, geht es mit einer Bauchmassage weiter. Warmes Babyöl oder Kümmelöl eignet sich besonders gut für diesen Zweck. Leg Dein Kind entspannt auf den Wickeltisch oder auf die Couch und massiere dann vorsichtig im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel herum. Folge dabei dem Dickdarm von rechts unten (rechts aus der Sicht Deines Kindes) nach oben am Rippenbogen entlang, nach links unten. So streichst Du den Stuhl in Richtung Ausgang.

Süß kann auch gesund sein

Ist Dein Kind ein Süßigkeitenliebhaber und handelt sich durch Schokolade und Co. gelegentlich eine Verstopfung ein, tausche doch mal die Gummibärchen gegen Trockenpflaumen aus. Ungezuckertes Apfelmus ist ebenfalls eine gute Idee und bei vielen Kindern sehr beliebt. Beide Nahrungsmittel können abführend wirken.

Schon fast geschafft

Steckt der harte Stuhlgang auf den letzten Zentimetern des Darmausgangs fest, kannst Du Deinem Baby oder Kleinkind mit einer Massage des Anus helfen. Ältere Kinder machen bei dieser Therapie eher nicht mehr mit. Reibe Deinen sauberen Zeigefinger mit Babyöl ein und massiere den Schließmuskel vorsichtig von außen. So kannst Du den Reflex auslösen, der den Enddarm entleert.

Medikamente aus der Hausapotheke

Es ist sinnvoll, eine Packung Glycerinzäpfchen oder Mini-Klistiere in der Hausapotheke vorrätig zu haben. Das gewählte Medikament führst Du vorsichtig in den After Deines Kindes ein, wo es seine Wirkung im Darm entfaltet. Nach ein paar Minuten ist der harte Stuhl eingeweicht und Dein Kind kann wieder auf die Toilette oder aufs Töpfchen gehen. Bitte gehe mit diesen Medikamenten sehr sparsam um.

Viele Kinder mögen es nicht, wenn an ihrem Darmausgang manipuliert wird und halten eventuell später den Stuhlgang absichtlich ein, was zu einer weiteren Verstopfung führen kann. Außerdem kannst Du so auf die Dauer den natürlichen Vorgang der Darmentleerung durcheinander bringen.

Quellenangaben:

  • Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005
  • Schönau et al., Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie, Urban & Fischer, München 2005
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