Leichte Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern im Haushalt

Thermische Verletzungen zählen zu den häufigsten Unfällen im Kindesalter. Kleinkinder zwischen zwei und vier Jahren betrifft es vorrangig. Das Ausmaß der Verbrennungen bei Kindern ist abhängig von der Art des heißen Stoffes, seiner Einwirkungsdauer und Temperatur. Der Mediziner unterscheidet drei Schweregrade bei thermischen Verletzungen, die jeweils andere Ersthilfe-Maßnahmen erfordern. Wir erörtern an dieser Stelle, was bei Verbrennungen zu tun ist und wie Du leichte Verletzungen bei Deinem Kind behandelst.

Leichte Verbrennungen
Leichte Verbrennungen bei Kindern behandeln © ChiccoDodiFC – Fotolia.com

 

Was tun bei thermischen Verletzungen?

Bei kleinen thermischen Verletzungen hilft das 15-minütige Kühlen mit Wasser. Entferne verbrannte Kleidung. Ist diese mit der Haut verschmolzen, ziehe sie auf keinen Fall ab. Bei Kleinkindern und Babys suchst Du generell einen Arzt auf. Bereits ab einer lädierten Körperstelle von mehr als acht Prozent besteht Lebensgefahr. Zum Vergleich: Die Handfläche des Betroffenen entspricht ein Prozent seiner Körperoberfläche.

Kleine Verbrennungen bei Kindern von geringem Grad lässt Du an der Luft heilen. Versorge die Wunde mit einem Wundheilgel oder Verband, welcher die feuchte Wundheilung unterstützt. Für größere Verbrennungen bei Deinem Kind ist ein Arzt-Besuch unerlässlich. Bei großflächigen thermischen Verletzungen rufst Du sofort einen Rettungswagen. Es besteht die Gefahr eines Schocks oder einer Unterkühlung. Halte Dein Kind mit einer Rettungsdecke warm.

 

Verbrennungen sind häufig bei Kleinkindern

Laut Paulinchen e.V., einer Initiative für brandverletzte Kinder, behandeln Ärzte in Deutschland jährlich mehr als 30.000 Kinder unter 15 Jahren aufgrund von thermischen Verletzungen. 6.000 kleine Patienten davon stationär. Über die Hälfte der brandverletzten Kinder sind unter drei Jahren. Die Unfälle ereignen sich zumeist im häuslichen Umfeld unter Aufsicht. Am häufigsten sind mit 60 bis 85 Prozent Verbrühungen mit heißen Flüssigkeiten sowie Kontakt-Verbrennungen der Hände bei Kleinkindern. Mit fortschreitendem Alter stehen Starkstrom-Verletzungen sowie Verbrennungen durch Spiel mit Feuer, Gebrauch von Brandbeschleunigern und Feuerwerks-Körpern im Vordergrund.

In der Querschnitts-Studie „Patterns of burns and scalds in children“ von Prof. Dr. Alison Mary Kemp et al. untersuchten Wissenschaftler unbeabsichtigte Verbrennungen bei 1.215 Kindern unter 16 Jahren. Sie fanden heraus, dass sich Kinder überwiegend verbrühen (58 Prozent). Kontakt-Verbrennungen waren in 38 Prozent der Fälle der Grund für eine stationäre Behandlung. 72 Prozent der Patienten waren unter fünf Jahren. Sie verbrühten sich meistens durch ein herabfallendes Heißgetränk. Verbrennungen zogen sich 81 Prozent durch Glätt-und Bügeleisen oder das Kochfeld zu.

 

weitere Verbrennungs- und Verbrühungsmöglichkeiten für Kinder:

  • Verbrennungen am Küchenherd und Backofen
  • Verbrennungen am Toaster
  • Verbrühungen am Wasser aus dem Wasserkocher
  • Verbrennungen am Grill
  • Verbrennungen am Öl aus Pfanne oder Friteuse

Präventive Maßnahmen der Eltern und Betreuer minimieren die Wahrscheinlichkeit einer thermischen Verletzung enorm. Der AXA Kindersicherheitsreport 2015 zeigt, dass viele Eltern die Gefahren von Hitze und Feuer unterschätzen und nur wenige Schutzmaßnahmen treffen.

 

Erste Hilfe bei Verbrennungen bei Kindern

Dr. med. Andrea Schmelz, Ärztin und ehemalige Chefredakteurin des Elternratgebers Gesundheit & Erziehung für mein Kind, gibt einen kurzen Überblick über das Verfahren im Notfall:

  • Brand löschen,
  • Kleiderbrand durch Wälzen auf dem Boden oder unter einer Decke ersticken,
  • Kreislauffunktion und Bewusstsein Deines Kindes überprüfen,
  • Kleidung sofort entfernen! Mit der Haut verklebte Kleidungsstücke nicht abreißen,
  • sind weniger als zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen, Körperstelle sofort mit kaltem Wasser (ca. 15 – 20 °C) kühlen, nicht länger als fünf bis zehn Minuten. Bei Kindern unter drei Jahren maximal zwei bis drei Minuten, um den Körper nicht auszukühlen. Bei beginnendem Frösteln den Vorgang sofort beenden, abtrocknen und zudecken!
  • Kleinflächige Verbrennungen zur Schmerzlinderung 15 bis 20 Minuten lang kühlen.
  • Sind mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen, erfolgt keine Kühlung. Ruf sofort den Notarzt! Der Erhalt der Körperwärme ist wichtig. Decke Dein Kind mit der Rettungsdecke mit der goldenen Seite zum Körper zu.
  • Verwende keine Hausmittel auf offenen Brandwunden!
  • Stich Brandblasen niemals auf!
  • Lass Dein Kind wegen der Gefahr eines Verbrennungs-Schocks nicht allein. Bei schweren Verbrennungen in kurzen Abständen Atmung, Bewusstsein und Puls prüfen, wenn notwendig: Schock-Lagerung.

Was passiert nach einer Verbrennung?

Thermische Verletzungen verlaufen in verschiedenen Schweregraden. Je schwerwiegender umso mehr Zellgewebe stirbt ab. Eine Verbrennung wirkt sich auf den gesamten Organismus Deines Kindes aus. Nach dem Kühlen ist zwar die Hitze aus der Wunde verschwunden, die Verletzung breitet sich allerdings weiter in tiefere Hautschichten aus. Der Vorgang setzt aggressive Enzyme frei, die im Gewebe gesunde Zellen zerstören. Kälte isoliert die Enzyme, daher ist die Dauer der Kühlung entscheidend.

 

Wann musst Du bei Verbrennungen mit Deinem Kind zum Arzt?

Ausschlaggebend für die Schwere einer thermischen Verletzung sind die Größe der betroffenen Körperoberfläche sowie der Grad der Verbrennung. Versorge nur kleine Verbrennungen selbst! Bei Verbrennungen ab dem zweiten Grad, welche mehr als zwei bis fünf Prozent der Körperoberfläche Deines Kindes betreffen, gehst Du sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus! Sind mehr als acht Prozent der Körperoberfläche schwer verbrannt, besteht laut Dr. med. Andrea Schmelz Lebensgefahr für Dein Kind. Als Maß dient die Handfläche Deines Kindes, sie entspricht einem Prozent.

 

Verbrennungen unterscheidet der Mediziner in drei Schweregrade

  • Verbrennung ersten Grades: Rötung, Schwellung, Schmerzen. Verursacht durch Sonnenbrand und Hitze, die nur kurz einwirkt.
  • Verbrennung zweiten Grades: Rötung, Blasenbildung und Schmerzen. Bei Verbrennungen und Verbrühungen mit heißem Wasser.
  • Verbrennung dritten Grades: Zerstörung des Gewebes, Haut verkohlt, keine Sensibilität für Schmerzen. Verursacht durch Feuer, Hitze, die lange einwirkt. Die thermische Verletzung zerstört die Haut komplett, Transplantation notwendig.

 

Leichte Verbrennungen bei Kindern behandeln

Laut Dr. med. Carolina Toepfer, Fachärztin für Kinderheilkunde in Murnau, lässt Du leichte Verbrennungen geringen Grades an der Luft heilen. Versorge die Wunde mit einem Wundheilgel oder Verband, welcher die feuchte Wundheilung unterstützt.

Nach dem Kühlen lindern folgende natürliche Mittel die Schmerzen und fördern die Heilung von Verbrennungen bei Kindern:

  • Brennnessel: In der Apotheke erhältst Du Combudoron-Gel. Der Hauptbestandteil Brennnesselessenz ist das beste Mittel zur Behandlung von leichten Verbrennungen.
  • Aloe Vera: Die Aloe Vera hilft hervorragend bei thermischen Verletzungen. Die Pflanze liefert sofort anwendbaren, frischen Saft. Schneide ein Stück von einem der Blätter ab und streiche damit über die verbrannte Haut Deines Kindes.
  • Essig: Hilft bei einer verbrühten Zunge und gegen Sonnenbrand. Bei Verbrennungen ersten Grades reibst du mit Apfelessig die betroffenen Hautstellen ein. Bei Verbrühungen der Zungenspitze lindert ein Schluck Essig, Balsamico, Balsamessig oder Zitronensaft den Schmerz. Diesen behält dein Kind fünf Minuten im Mund. Die Beschwerden verschwinden nach kurzer Zeit.
  • Ein Umschlag mit Quark, Joghurt oder Buttermilch wirkt schmerzlindernd. Wende ihn nur an, wenn die Haut keine offenen Wunden zeigt. Du streichst kühlschrank-kalten Naturjoghurt oder Quark messerrückendick auf die Haut oder legst ein mit Buttermilch getränktes Baumwolltuch auf.

 

Bei schweren Verbrennungen Deines Kindes den Arzt aufsuchen

Als schwere Verbrennung gelten zweit- und drittgradige thermische Verletzungen. Letztere führen zu einer kompletten Zerstörung der betroffenen Hautschichten. Sie sind infektions-gefährdet. Salben, Essenzen und Puder darfst Du nicht verwenden.

In jedem Fall deckst Du offene Verbrennungen mit einem sterilen Verbandstuch oder der Rettungsdecke aus dem Verbandskasten ab. Die goldene Beschichtung zeigt zum Körper Deines Kindes. Sie verhindert ein Auskühlen und ist keimfrei.

Alarmiere den Rettungsdienst bei Verbrennungen im Gesicht oder im Genitalbereich. Ebenso bei Verbrennungen dritten Grades oder bei thermischen Verletzungen zweiten Grades, die mehr als fünf Prozent der Körperoberfläche betreffen. Vorsorglich gehst Du bei allen Verbrennungen, die größer als die Handfläche Deines Kindes sind, zum Arzt. Durch die zerstörte Haut verliert Dein Kind viel Flüssigkeit. Bei Kleinkindern birgt bereits eine fünfprozentige Verbrennung der Körperoberfläche Schock-Gefahr.

 

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