Störungen in der Sprachentwicklung bei Kindern mit 3 Jahren

Es ist für Eltern nicht leicht eine Störung in der Sprachentwicklung bei einem 3 Jahre altem Kind festzustellen. Das liegt daran, dass sich die Fähigkeit zu sprechen bei Kindern unterschiedlich schnell entwickelt. Manche Kleinkinder lassen sich Zeit, sich verbal zu artikulieren, während anderen schon Monate vorher losplappern und kaum zu bremsen sind.

Sprachentwicklung
Sprachentwicklung bei Kindern Copyright: LiaKoltyrina

Individuelle Sprachentwicklung beachten und nicht vergleichen

Solltest du der Meinung sein, dass dein Kind in der Sprachentwicklung weit hinter Gleichaltrigen zurückliegt, kannst du natürlich einen Arzt aufsuchen. Dieser kann durch gezielte Tests feststellen, ob dein Sprössling lediglich sprechfaul ist, oder tatsächlich eine Entwicklungsstörung vorliegt. Bevor du diesen Schritt gehst, solltest du jedoch wissen,

1. dass Aussprachefehler zunächst normal sind.
2. welche Auffälligkeiten auf eine Sprachentwicklungsstörung hinweisen können.
3. wie eine Sprachentwicklungsstörung festgestellt wird.
4. welche Arten der Sprachstörung es gibt.
5. welche Therapiemöglichkeiten es gibt.

Aussprachefehler sind normal!

Die Sprachentwicklung ist bei Kindern mit 3 Jahren ganz individuell ausgeprägt, deshalb solltest du dein Kind nicht mit anderen Kindern vergleichen. Akzeptiere, dass manche Kleinkinder einfach etwas länger brauchen, um sich zu artikulieren. So ist es zum Beispiel normal, wenn Kinder

  •  Worte zusammenziehen (Bohramine statt Bohrmaschine).
  •  Laute auslassen ( Bume statt Blume).
  •  Laute ersetzen ( Luppe statt Suppe).
  •  Worte falsch reihen (spizaren statt spazieren).
  •  beim Sprechen Zischlaute von sich geben (Lispeln).

Selbst ein zeitweiliges Stottern bedeutet nicht, dass es sich um Störungen in der Sprachentwicklung handelt. Ein Stocken beim Sprechen, oder das mehrmalige Ansetzen, bis ein Wort flüssig hervorgegeben wird, ist bei Kindern zwischen 2 und 4 Jahren durchaus gängig.

Wann eine Sprachentwicklungsstörung vorliegen kann

Zeigt ein dreijähriges Kind an vorgelesenen Geschichten nur wenig Interesse, und findet auch sonst wenig Gefallen an vorgesungenen oder abgespielten Kinderliedern, so könnte das ein Warnsignal sein. Ist die Aussprache noch immer sehr unverständlich und die Zunahme von Wortschatz und Grammatik verbessern sich lediglich langsam, sollte eventuell eine Untersuchung in Betracht gezogen werden.

Allerdings fangen die Alarmzeichen schon früher an. So bleibt bei Babys zwischen 6 und 12 Monaten das Plappern aus und es spricht nicht in Silben, wie beispielsweise „Dada“. Ein Anzeichen für eine zukünftige Sprachstörung kann ebenfalls sein, wenn dem Baby zwischen 12 und 18 Monaten keine Kinderverse gefallen, oder Hand- und Fingerspiele ausbleiben. Können Kleinstkinder zwischen 18 und 24 Monaten keine richtige Betonung der Silben oder weisen keine Ein- und Zweiwortsprache auf, ist da ein zusätzliches Alarmsignal. Um hier die Gefahr von Störungen in der Sprachentwicklung im Alter von 3 Jahren ausschließen zu können, solltest du deine Beobachtungen mit einem Arzt besprechen.

So wird eine Sprachentwicklungsstörung festgestellt

In den U-Untersuchungen werden Eltern zu Sprachverständnis und dem Sprechen selbst befragt. Danach nimmt der Arzt gezielte Tests vor, die Aufschluss über Störungen geben sollen. Ganz ausschlaggebend ist eine hier auffallende Unregelmäßigkeit jedoch nicht. Denn es wird bedacht, dass Kinder teilweise später anfangen zu sprechen, als Andere, oder dass die Kids einfach aufgeregt sind während des Arztbesuchs. Hat der Arzt jedoch Zweifel, wird er dich mit deinem Sprössling zur sogenannten Phoniatrie oder Pädaudiologie, also zu Fachärzten, überweisen. Diese vertiefen dann die Tests, indem sie sowohl Psyche als auch die Entwicklung der Emotionen des Kindes untersuchen. Eventuell wird eine Überweisung zum Ohrenarzt folgen, um ausschließen zu können, dass das Kind durch schlechtes Hören nicht in der Lage ist, sich zu artikulieren.

Nach Abschluss aller Tests werden die Eltern darüber aufgeklärt, welche Art der Störungen in der Sprachentwicklung vorliegt. Es liegen dann gesicherte Erkenntnisse vor, ob ein Kind einfach später mit dem Sprechen beginnen wird oder ob Handlungsbedarf besteht. Übrigens sind erst ab dem dritten Lebensjahr zuverlässige Diagnosen über eventuelle Störungen möglich.

Ist eine Sprachstörung gleich Sprachstörung?

Es gibt zwei Arten der Störungen in der Sprachentwicklung. Kurz erklärt geht es um Probleme des Sprachausdrucks und des Sprachverständnisses.

Zeigt das Kind Auffälligkeiten beim Sprachausdruck, wird von einer expressiven Störung gesprochen. Das Kind weist einen vergleichsweise kleinen Wortschatz auf, verwendet Worte in einem falschen Zusammenhang und hat generell Probleme damit, sich auszudrücken. Die Grammatik fehlt komplett, Satzteile werden ständig vertauscht und falsch angereiht. Mit der expressiven Störung geht meist die Unfähigkeit einher, einzelne Laute auszusprechen.

Bei einer Störung des Sprachverständnisses, der sogenannten rezeptiven Sprachstörung, scheint das Kind nicht zu verstehen, was zu ihm gesagt wird. Eine Folge daraus ist, dass es nicht reagiert, wenn es zu etwas aufgefordert wird. Es kann auch sein, dass Reaktionen unangemessen ausfallen, weil Kinder mit dieser Sprachentwicklungsstörung einfach nicht wissen, was von ihnen verlangt wird.

Therapie bei Sprachentwicklungsstörungen von Kleinkindern

Es gibt Störungen, die sich im Laufe der Zeit selbst beheben werden. Es bedarf dafür aber ein wenig Hilfe der Eltern und der Familie. So hilft häufiges Vorlesen und Singen dabei, das Kind für die Sprache zu sensibilisieren. Zudem solltest du dich viel mit deinem Kind unterhalten. Es ist von einem Gespräch in der sogenannten Babysprache abzuraten, sprich so mit deinem Kind, als würdest du mit Freunden sprechen. Erkläre Alltagshandlungen und bemühe dich dabei um eine deutliche Aussprache. Allein durch das Hören von Worten und Sätzen lernt dein Kind bereits, wie Kommunikation funktioniert.

Manche Kindergärten und Tagesstätten bieten gezielte Sprachübungen an. Hier kann dein Sprössling mit Kindern gleichen und ähnlichen Alters spielerisch lernen zu sprechen und sich auszudrücken. Nicht selten fällt es den Kleinen in der Gruppe leichter, sich zu öffnen und einfach mitzumachen.

Bei Störungen in der Sprachentwicklung mit 3 Jahren, die nicht durch eine psychische Krankheit ausgelöst werden, ist eine Behandlung beim Logopäden meist angeraten. Mit zwei und manchmal auch drei Sitzungen wöchentlich wird dem Kind das Sprechen kindgerecht beigebracht. Die Logopädie ist die Lehre der Sprech-, Stimm- und Hörbeeinträchtigung. Die auf diesem Gebiet tätigen Therapeuten arbeiten mit deinem Kind an seiner Artikulierung, helfen, wenn bestimmte Laute nicht ausgesprochen werden können, und stimmen die Therapie auf das Alter des jeweils betroffenen Kindes ab.

Stellen Eltern fest, dass das Kind ungewöhnlich ruhig ist, sollten sie sich auf jeden Fall von einem Arzt beraten lassen. Die sich wiederholenden U-Untersuchungen stellen eine gute Plattform zur Äußerung solcher Sorgen dar. So ist der Doktor bereits im Bilde, und wird sich dem vermeintlichen Problem in jeder Folgeuntersuchung erneut widmen, um sich selbst ein Bild machen zu können.

Gespräche mit anderen Eltern können außerdem helfen, die Sorge vor einzudämmen. Viele andere Familien haben bereits ähnliche Ängste durchgestanden, und festgestellt, dass ihre Kinder einfach nur sprechfaul waren, und eben später mit dem Sprechen anfingen, als Gleichaltrige.

Werden Störungen in der Sprachentwicklung im Alter von 3 Jahren festgestellt, solltest du mit Betreuern in Kindertagesstätten reden, um diesen zu sagen, warum dein Sprössling auf manche Dinge einfach nicht oder nur langsam reagiert. Es ist wichtig, offen mit diesem Problem umzugehen, um Missverständnisse zu vermeiden.

weiter zum Thema: