Pseudokrupp Anfall beim Baby oder Kind: Das sagt der Kinderarzt:

Pseudokrupp Anfall
Was Eltern bei einem Pseudokrupp Anfall tun können - Copyright: Sushytska bigstockphoto

Was Eltern bei einem Pseudokrupp Anfall tun können

Der Notfall in der Nacht: Wie Du Deinem Kind bei einem Pseudokrupp Anfall helfen kannst.

Mitten in der Nacht hörst Du plötzlich, wie sich Dein Kind im Kinderzimmer in seinem Bettchen herum wälzt. Es hustet laut und bellend und ruft nach Dir. Als Du durch die Tür gespurtet kommst, bemerkst Du ein eigenartiges Geräusch, das Dein Kind beim Einatmen von sich gibt. Es klingt pfeifend und macht einen bedrohlichen Eindruck auf Dich.

Was ist hier los? Gestern hatte Dein Nachwuchs nur einen leichten Schnupfen, sonst war alles in Ordnung. So oder so ähnlich spielt sich typischerweise ein Pseudokrupp Anfall beim Baby oder Kind ab.

Unsere Kinderärztin erklärt Dir die Ursachen für einen Pseudokrupp Anfall und macht Dich mit den wichtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen vertraut.

Was ist ein Pseudokrupp Anfall?

Ärzte bezeichnen die Erkrankung Pseudokrupp auch als Laryngitis subglottica oder als Krupp-Syndrom. Sie repräsentiert die häufigste Form einer Kehlkopfentzündung.

Im Rahmen der Entzündung, häufig ausgelöst von Viren und Bakterien, schwellen die Schleimhaut des Kehlkopfes und die Stimmbänder stark an. Die Schwellung engt die Atemwege ein, sodass der typische bellende Husten und das Strömungsgeräusch bei der Einatmung entsteht.

Euer Kinderarzt nennt dieses auffällige Geräusch auch Stridor. Im schlimmsten Fall tritt eine akute Atemnot auf. Häufig erkranken Säuglinge und Kleinkinder zwischen 10 und 48 Monaten an einem Pseudokrupp Anfall, da ihre Atemwege noch sehr eng sind und schnell zuschwellen können.

Jungen sind eher gefährdet als Mädchen. Die Hauptsaison der Erkrankung liegt im Herbst und Winter. Erkältungsviren sind eine typische Ursache für Pseudokrupp.

Ursachen: Was einen Pseudokrupp Anfall beim Baby auslösen kann

Folgende Viren sind häufig die Ursache für ein Krupp-Syndrom:

  • Adenoviren,
  • das Influenza-A-Virus,
  • das RS-Virus,
  • das Herpes-Simplex-Virus,
  • das Masernvirus.

Andere mögliche Ursache sind zum Beispiel bakterielle Infektionen, allergische Reaktionen, Umweltgifte und das passive Rauchen. Ein weiterer guter Grund, Deinen Haushalt rauchfrei zu halten und so die Gesundheit Deiner Kinder zu schützen.

Woran Du einen Pseudokrupp Anfall erkennst

Wie anfangs schon erwähnt, fällt Dir ein bellender Husten und ein pfeifendes Geräusch bei der Einatmung auf, wenn Dein Kind einen Pseudokrupp Anfall hat. Die meisten Episoden ereignen sich in der Nacht, wenn es draußen kalt ist.

Viele Kinder sind im Vorfeld leicht erkältet, aber nicht auffällig krank. Ganz plötzlich schreckt Dein Baby aus dem Schlaf hoch und präsentiert Dir seine Symptome. Den meisten Kindern macht die ungewohnte Situation Angst, was die Gefahr für eine Atemnot erhöht.

Beim ersten Anfall sind auch viele Eltern hilflos und regen ihr Baby zusätzlich auf, anstatt es zu beruhigen und seine Atmung zu stabilisieren. Es wird Dir helfen zu hören, dass sich aus einem Pseudokrupp Anfall nur sehr selten ein ernsthafter Notfall entwickelt, der das Leben Deines Kindes bedroht.

Je älter Dein Nachwuchs ist, desto größer sind die Atemwege und desto geringer ist die Gefahr. Euer Kinderarzt teilt das Krupp-Syndrom in verschiedene Stadien ein.

  1. Stadium: deutliche Heiserkeit und bellender Husten
  2. Stadium: bellender Husten, Heiserkeit sowie Stridor beim Einatmen
  3. Stadium: zusätzlich Atemnot, beschleunigter Herzschlag, Blässe, Unruhe, Senkung der Sauerstoffsättigung im Blut
  4. Stadium: zusätzlich Stridor beim Ausatmen, verlangsamter Herzschlag, blaue Lippen, Anstieg der Konzentration von Kohlenstoffdioxid im Blut, Bewusstseinsstörung

Die meisten kleinen Patienten kommen nicht über das zweite Stadium hinaus, weil sie sich spontan erholen oder adäquat von den Eltern oder vom Kinderarzt behandelt werden.

Die möglichen Komplikationen bei Pseudokrupp beim Baby

Glücklicherweise treten Komplikationen bei einem Pseudokrupp Anfall selten auf. Es ist möglich, dass sich eine Infektion durch Viren oder Bakterien weiter ausbreitet. Luftröhre, Bronchien, Lunge und Mittelohr können hier betroffen sein. Der Kinderarzt verschreibt bei Bedarf ein Antibiotikum.

Was Du tun kannst, wenn Dein Kind an einem Kruppanfall leidet

Das allerwichtigste ist, Dich selbst und damit auch Deine Tochter oder Deinen Sohn zu beruhigen. Es ist ganz normal, dass es Dir Angst macht, wenn Dein Kind nicht richtig Luft bekommt.

Es hilft Euch aber nicht weiter. In der Regel steht Deinem Kind trotz Stridor und Husten genügend Sauerstoff zur Verfügung. Die erste sinnvolle Maßnahme ist das Öffnen des Fensters, um frische kalte Luft ins Zimmer zu lassen.

Feuchte kalte Luft lässt die Schleimhaut abschwellen. Wickel Dein Baby in eine Decke und stell Dich mit ihm ans offene Fenster oder auf den Balkon. Alternativ kannst Du im Badezimmer die heiße Dusche voll aufdrehen und feuchten Wasserdampf erzeugen oder Dich mit Deinem Kind dicht vor den geöffneten Kühlschrank setzen. Lenke den kleinen Patienten mit leiser Musik oder einer ruhigen Geschichte ab.

Wie der Kinderarzt Deinem Kind helfen kann

Besonders beim ersten Pseudokrupp Anfall gehst Du am besten mit Deinem Kind zum Arzt. Nachts steht Euch dafür auch die Notfallambulanz einer Kinderklinik offen. Dort kennen sich Kinderärzte und Pflegepersonal mit der Erkrankung aus, können Deinem Kind rasch helfen und Dich umfassend beraten.

Ein Notfallzäpfchen, das Prednisolon (ein Kortisonpräparat) enthält sowie die Inhalation mit Epinephrin (Adrenalin) bringt schnelle Besserung. Beide Medikamente wirken abschwellend auf die gereizte Schleimhaut und beenden den bellenden Husten sowie das Geräusch bei der Einatmung.

Langfristige Nebenwirkungen hast Du für Dein Kind nicht zu befürchten. Nachdem der Arzt all Deine Fragen beantwortet hat, verschreibt er Euch auch Notfallmedikamente für zu Hause.

Einige Kinder haben in der Folgenacht einen erneuten Pseudokrupp Anfall. Spätestens bis zum Grundschulalter verwächst sich das Problem.

Fragen zum Thema Pseudokrupp Anfall beim Baby

Was kann ich für mein Kind tun, wenn der Anfall vorbei ist?

Am besten stabilisierst Du die Atmung Deines Babys mit einem kühlen Getränk und gehst eine Runde um den Block. Warm eingepackt schlafen die meisten Kinder im Kinderwagen oder Buggy ein und Du hast die Gelegenheit, den Level der Stresshormone in Deinem Blut zu senken.

Wann sollte ich einen Notarzt rufen?

Hast Du den Eindruck, dass es Deinem Kind schlecht geht, es nicht mehr richtig ansprechbar ist und schon blaue Lippen von der Atemnot bekommt, rufst Du am besten den Notarzt. Er kann dem kleinen Patienten sofort bei Euch zu Hause Medikamente geben und Euch ins Kinderkrankenhaus bringen. Dort werdet Ihr dann wahrscheinlich für mindestens zwei Nächte stationär bleiben, bis sich die Situation stabilisiert hat.

Kann ich dem nächsten Pseudokrupp Anfall vorbeugen?

Du kannst Dich gut informieren, um für den nächsten Anfall vorbereitet zu sein. Direkt vorzubeugen ist schwer. Achte auf kühle, feuchte Luft im Kinderzimmer und geh viel mit Deinem Kind an die frische Luft. Inhaliert regelmäßig mit Kochsalzlösung, wenn Dein Baby eine Erkältung hat.

Quellen:

  • Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005
  • Schönau et.al., Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie, Urban&Fischer München, 2005
  • Stroud RH, Friedman NR. An update on inflammatory disorders of the pediatric airway: epiglottitis, croup and tracheitis. Am J Otolaryngol 2001; 22: 268 – 275