Ohrensausen bei Kindern, Eltern sollten Ohrgeräusche nicht leichtfertig abtun

Ursachen von Tinnitus: Wenn es im Ohr piept

Ein bis zum Anschlag aufgedrehter MP3-Player oder ein Besuch auf einem Rockkonzert ist nicht der einzige Grund, warum es im Ohr Deines Kindes plötzlich ständig piept oder rauscht. Ohrensausen kann viele unterschiedliche Ursachen haben.

Ohrengeräusche beim Kind
Ohrengeräusche immer abklären lassen – Copyright: naumoid bigstockphoto

Ohrensausen betrifft Kinder ebenso wie Erwachsene. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt nennt das Phänomen auch Ohrgeräusch oder Tinnitus. In diesem Ratgeber erfährst Du, wie Du Deiner Tochter oder Deinem Sohn am besten helfen kannst, das lästige Ohrensausen wieder loszuwerden.

Was ist Ohrensausen?

Schon Kinder können an Ohrensausen, von Ärzten auch Tinnitus genannt, leiden. Studien in Deutschland berichten von bis zu 37 Prozent betroffenen Schulkindern. Als Erkrankung gilt das Phänomen aber erst wenn die pfeifenden, brummenden oder zischenden Ohrgeräusche zur Belastung werden und über einen längeren Zeitraum bestehen. Ab und zu für wenige Minuten ein Ohrensausen zu verspüren, ist ganz normal. Einen typischen Tinnitus kann nur der Patient selber hören. Nimmt ihn auch die Umwelt wahr, spricht der HNO-Arzt von einem objektiven Tinnitus. Hier kann zum Beispiel ein verengtes Blutgefäß im Kopf-Hals-Bereich die Ursache sein.

Fünf Fakten zum Thema Ohrensausen bei Kindern

  1.  Ohrensausen kann akut oder chronisch auftreten
  2.  Lärmbelastung durch Konzerte oder Kopfhörer kann eine Ursache für einen Tinnitus sein.
  3.  Kinder „überhören“ Ohrensausen viel eher als Erwachsene.
  4.  Ohrensausen kann das erste Anzeichen für eine Hörminderung sein.
  5.  Betroffene Kinder und ihre Eltern haben häufig eine völlig unterschiedliche Sichtweise der Erkrankung. Eltern sollten daher in die Therapie einbezogen werden.

Ursachen für Ohrgeräusche bei Kindern

Ein Tinnitus kann viele unterschiedliche Ursachen haben. Bei Kindern treten Mittelohrentzündungen oder Paukenergüsse relativ häufig auf. Jugendliche leiden eher an einem Lärmtrauma oder einem Hörsturz. Auch eine psychische Komponente kann zu einem Ohrgeräusch beitragen und es dem Patienten schwer machen, mit der Erkrankung umzugehen.

Weitere mögliche Ursachen sind zum Beispiel:

  •  ein Fremdkörper im Gehörgang
  •  nicht erkannter und therapierter Bluthochdruck
  •  Knalltrauma
  •  Entzündungsprozesse im Ohr
  •  virale und bakterielle Infekte
  •  Stoffwechselerkrankungen
  •  Nierenerkrankungen
  •  Kiefergelenksstörungen

Ursachen eines objektiven Tinnitus:

  •  Blutgefäßfehlbildungen
  •  Blutschwämmchen
  •  Störungen der Funktion der Ohrtrompete
  •  Durchblutungsstörungen der Halsvenen
  •  Mittelohrtumore

Wie ein subjektiver Tinnitus bei Kindern und Erwachsenen entsteht

Lange Zeit gingen Mediziner davon aus, dass das Ohrensausen direkt im Innenohr entsteht. Da das Phänomen aber auch nach dem Durchtrennen des Hörnerven bestehen kann, forschten Wissenschaftler weiter nach der Entstehung des Tinnitus. Bildgebende Verfahren haben gezeigt, dass die Aktivität der Nervenzellen in verschiedenen Gehirnbereichen bei Kindern und Erwachsenen mit Tinnitus verändert ist im Vergleich zum Gehirn gesunder Menschen. Das Gleichgewicht zwischen erregenden und hemmenden Nervenaktionen ist gestört. Aktivität im Hörzentrum tritt ohne eine reale Schallquelle auf. Du kannst Dir die Situation ähnlich wie bei Phantomschmerzen in einem amputierten Bein vorstellen.

Wie der HNO-Arzt einen Tinnitus diagnostizieren kann

Je jünger die Kinder sind, desto schwieriger ist es für die Eltern, einen Tinnitus überhaupt zu bemerken. Kleinkinder halten das Ohrgeräusch häufig für normal und können sich noch nicht verständlich genug ausdrücken. Älteren Kindern ist klar, dass sie etwas hören, was ihre Umgebung nicht hört. Sie können dem HNO-Arzt ihr Ohrensausen beschreiben. Der Mediziner nutzt zur Diagnose folgende Untersuchungen:

  •  Ohrmikroskopie von Gehörgang und Trommelfell
  •  klinische Untersuchung von Nase und Rachen
  •  Stimmgabelversuch zur Ermittlung einer Schwerhörigkeit
  •  Messung der Schwingungsfähigkeit des Trommelfells (Tympanometrie)
  •  Bestimmung der Hörkurve (Hörtest)

Mit der Hörkurve kann der Arzt auch die Tonhöhe des Tinnitus, die meist im Bereich eines Hörverlustes liegt, feststellen. Zusätzlich wird er die Lautheit des Ohrensausens bestimmen.

  • Objektive Hörtests wie otoakustische Emissionen und die BERA messen direkt die Aktivität von Innenohr und Hirnstamm. Du kennst eine oder beide Untersuchungen vom Hörscreening Deines Kindes im Neugeborenenalter.
  • Messung des Blutdrucks
  • Abhorchen der großen Blutgefäße am Hals
  • bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Angiografie und MRT
  • psychologische Fragebogen für ältere Kinder oder die Eltern, um Stressbelastungen zu ermitteln

All diese Tests zielen auf die möglichen Ursachen eines Tinnitus ab. Das Ohrensausen selbst objektiv zu diagnostizieren kann sich, besonders bei kleinen Kindern, schwierig gestalten.

Wie der HNO-Arzt Ohrensausen bei Kindern behandelt

Kindern und Jugendlichen fällt es deutlich leichter als Erwachsenen, ein Ohrgeräusch auszublenden. Sie leiden in der Regel weniger unter der Situation. Bei jungen Tinnitus-Patienten steht daher die Abklärung einer eventuellen Hörminderung im Vordergrund, denn ein intaktes Gehör ist für die kindliche Entwicklung enorm wichtig. Leidet der kleine Patient aber unter seinem Ohrensausen, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Auch Eure Einstellung als Eltern ist bei Ohrensausen sehr wichtig.

→ Eine Aufgabe des HNO-Arztes ist es, Euch aufzuklären und Euch die Angst vor der Erkrankung Eures Kindes zu nehmen.

→ Symptomatische Therapien wie Infusionen und Cortison zur Förderung der Durchblutung im Ohr setzt der Mediziner nur bei einer nachweisbaren Innenohrschädigung ein.

→ Kinder reagieren häufig gut auf eine Gehörschulung in Kombination mit Musiktherapie oder eine Tinnitus-Retraining-Therapie. Das sich entwickelnde Gehör kann Fehler in der Hörverarbeitung noch korrigieren.

Quellen:

  •  Gerhard Hesse, Tinnitus, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2015
  •  Olaf Arndt; Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie; Georg Thieme Verlag; Stuttgart 2010
     Schönau et al., Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie, Urban & Fischer, München 2005