Wie Du Nasenbluten beim Kind schnell stoppen kannst

Autorin: Jessica Kilonzo, Fachärztin für Kinderheilkunde

Hast Du Kinder? Dann kennst Du sicher auch die vielen kleinen und großen Notfälle, die das Elternsein so mit sich bringt. Besonders Nasenbluten beim Kind jagt allen neuen Eltern einen gehörigen Schrecken ein. Wie aus dem Nichts läuft auf einmal das Blut aus der kleinen Nase oder Dein Kind steht nach einem Sturz wieder auf und sieht aus wie nach einem Profiboxkampf. Wie Du das Nasenbluten schnell stoppen kannst und was es sonst noch so zu beachten gibt bei diesem Thema, findest Du in diesem Ratgeber.

Nasenbluten beim Kind stoppen
Nasenbluten beim Kind, Copyright: jhandersen bigstockphoto, Netpapa.de

Warum bekommt mein Kind Nasenbluten?

Die Nase ist innen von einer sehr stark durchbluteten Schleimhaut überzogen. Feinste Blutgefäße treffen sich in der vorderen Nasenhöhle und bilden hier ein weitläufiges Geflecht. Mediziner sprechen vom Locus Kiesselbachi. An dieser Stelle findet sich in circa 90 Prozent der Fälle die Blutung. Besonders bei Verletzungen durch einen Sturz auf das Gesicht oder aufgrund von Bohren in der Nase platzen hier die empfindlichen Blutgefäße.

Kleinkinder und Kindergartenkinder leiden regelmäßig an Erkältungen, die die Schleimhaut der Atemwege angreifen können. Trockene Heizungsluft im Winter kann die Schleimhaut ebenfalls schwächen. Vielleicht hat Dein Kind auch schon mal eine Perle oder ein Steinchen in einem Nasenloch verschwinden lassen und so Nasenbluten ausgelöst. Teenager leiden aufgrund von Wachstumsschüben immer mal wieder an Nasenbluten. All diese Ursachen sind akut und harmlos. Das Nasenbluten lässt sich rasch stoppen und kommt nur selten vor. Gravierende Ursachen für Nasenbluten beim Kind wie eine angeborene Blutgerinnungsstörung, eine Leukämie oder eine chronische Gefäßerkrankung , kommen nur in sehr wenigen Fällen vor.

 

Wie kann ich Nasenbluten beim Kind stoppen?

In den meisten Fällen ist Nasenbluten nicht gefährlich. Atme also einmal tief durch und beruhige auch Dein Kind.

Nimm den kleinen Patienten auf den Schoß oder setz ihn vor Dich hin und hilf ihm, den Kopf nach vorne zu beugen und einen kalten Waschlappen unter die Nase zu halten.

Leg ein Coolpack oder einen kalten feuchten Waschlappen in den Nacken Deines Kindes. Durch die plötzliche Kälteeinwirkung ziehen sich die Blutgefäße zusammen und senken den Blutfluss aus der Nase.

Die letzte Erste-Hilfe-Maßnahme bei Nasenbluten: ist das Zusammendrücken der Nasenflügel.

 

 

Bitte sei ganz vorsichtig und leite Dein Kind an, wie es so selbst das Nasenbluten stoppen kann. Es ist nicht sinnvoll, Deinem Kind ein Taschentuch, Watte oder ähnliche Materialien in die Nase zu stecken. Dieser provisorische Verband trocknet an der verletzten Schleimhaut an und reißt das frisch verheilte Blutgefäß bei der Entfernung häufig gleich wieder auf. Eine richtige Tamponade kann der HNO-Arzt im Notfall legen. Konntest Du die Blutung nach zehn bis fünfzehn Minuten noch nicht stoppen, liegt so ein kleiner Notfall vor. Bitte geh in diesem Fall mit Deiner Tochter oder Deinem Sohn direkt zum Kinderarzt oder zum HNO-Arzt.

Gibt es etwas, das ich gegen Nasenbluten beim Kind nicht tun sollte?

Früher gaben Ärzte bei Nasenbluten den Ratschlag, den Kopf in den Nacken zu legen, um die Blutung zu stoppen. Das ist keine gute Idee, weil das Blut auf diesem Weg durch den Rachen und die Speiseröhre in den Magen gelangen kann. Dort löst es bei vielen Menschen Übelkeit und Erbrechen aus. Eventuell fließt das Blut sogar in die Lunge und verursacht Atemnot bei Deinem Kind. Später kann eine Lungenentzündung folgen, weil der Körper versucht, das eingeatmete Blut wieder abzubauen.

 

Wie oft ist Nasenbluten beim Kind denn normal?

Viele Kinder haben so gut wie nie Nasenbluten, bei anderen tritt es immer wieder auf. Hängt das Ereignis mit einem kleinen Unfall, Heuschnupfen oder einer Erkältung zusammen, gibt es für Dich keinen Grund zur Sorge. Hat Dein Kind ohne eine erkennbare Ursache ständig Nasenbluten, fragst Du am besten erstmal den Kinderarzt um Rat. Er wird Dein Kind untersuchen und Euch bei Bedarf zu einem HNO-Arzt überweisen.

Der Facharzt für Nasenerkrankungen kann mit seinen speziellen Untersuchungsgeräten weiter in die Nasenhöhle hinein schauen. Wenn Du Deinem Kind die Untersuchung genau erklärst und es sich die Instrumente vorher ansehen darf, hast Du gute Chancen, dass die Prozedur schnell hinter Euch liegt. Treten weitere Symptome auf, wie Fieber, Ausschlag, kleine Hauteinblutungen, deutliche blaue Flecken oder starke Abgeschlagenheit, kann der Kinderarzt Blut abnehmen. Am großen Blutbild und den Gerinnungswerten seht Ihr, ob vielleicht eine Infektion oder eine chronische Erkrankung vorliegt.

 

Was kann der HNO-Arzt gegen Nasenbluten tun?

Zunächst konzentriert sich der Arzt natürlich darauf, die Blutung zu stoppen. Er wird Dich und Dein Kind beruhigen und dann nach der Ursache forschen. Kann der Mediziner das Nasenbluten im vorderen Teil der Nasenhöhle lokalisieren, besteht bei einem Kind über vier Jahre die Möglichkeit, das geplatzte Blutgefäß zu veröden. Hier stehen zum Beispiel eine Elektrotherapie, eine Verödung mit einem Laserstrahl oder eine Ätzung mit spezieller Säure zur Verfügung.

Anschließend trägt der HNO-Arzt eine beruhigende und desinfizierende Salbe auf die Nasenschleimhaut auf. Kommt die Blutung trotzdem nicht zum Stehen oder befindet sich das blutende Gefäß weiter hinten in der Nasenhöhle, kann der Mediziner eine Tamponade legen. Sie besteht aus Gaze-Streifen, die mit Salbe vorbehandelt sind oder aus medizinischem Schaumstoff. Wundere Dich nicht, wenn Deinem Kind in beide Nasenlöcher eine Tamponade eingelegt wird.

Der Druck auf die Nasenscheidewand und auf das blutende Gefäß ist so symmetrisch und effektiver als bei einer einseitigen Behandlung.

 

Was können wir tun, um Nasenbluten beim Kind vorzubeugen?

Du hast verschiedene Möglichkeiten, Nasenbluten gar nicht erst aufkommen zu lassen. Versuche zum Beispiel, Dein Kind vom Bohren in der Nase abzuhalten. Besonders im Winter ist eine regelmäßige Pflege der empfindlichen Nasenschleimhaut wichtig.

Mache es Dir zur Gewohnheit, Deinem Kind jeden Abend nach dem Zähneputzen den Naseneingang mit Dexpanthenolsalbe einzucremen. Bei Schnupfen macht die Pflege auch mehrmals am Tag Sinn. Nasentropfen aus Kochsalzlösung können die Nasenschleimhaut reinigen und gründlich befeuchten. Unerwünschte Nebenwirkungen hast Du hier nicht zu befürchten. Je nach Eurer Wohnsituation kannst Du Kaltluftbefeuchter nutzen oder nasse Handtücher über alle Heizkörper verteilen.

Das hält besonders im Winter das Klima im Haus angenehm feucht. Bringe Deinem Kind außerdem bei, ausreichend zu trinken. Mit diesen einfachen Maßnahmen kannst Du Nasenbluten bei Deinem Kind vorbeugen. Und tropft das Blut doch ganz unerwartet mal aus der kleinen Nase, kannst Du ganz entspannt bleiben, weil Du ja jetzt weißt, wie Du die Blutung schnell wieder stoppen kannst. Deinem Kind ist auch bald klar, dass Nasenbluten kein Grund zur Aufregung ist.

Quellen und Literatur:

– Jürgen Strutz, Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie: 275 Tabellen, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2001
– Stephan Illing, Martin Claßen; Klinikleitfaden Pädiatrie, Urban & Fischer, München 2009

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