Multiresistente Keime bei Kindern » MRSA, Das sagt der Kinderarzt:

Ansteckung mit Multiresistenten Keime bei Kindern

Als Vater lernst Du nie aus und besonders in der Medizin gibt es Phänomene, von denen Du wahrscheinlich noch nie etwas gehört hast, bevor sie plötzlich Dein eigenes Kind betreffen. Multiresistente Keime bei Kindern gehören in diese Kategorie.

Autorin: Jessica Kilonzo, Fachärztin für Kinderheilkunde

MRSA Keime sind keine „Killerkeime“ aus einemHorrorfilm, sondern bestimmte Bakterien, die viele gesunde Menschen auf der Haut oder den Schleimhäuten begleiten, ohne sie jemals krank zu machen. Multiresistente Keime können nur mit wenigen Antibiotika behandelt werden, sind aber nicht unbesiegbar. Ein paar Hygienerituale können Dein Kind und seine Umgebung wirksam schützen.

Multiresistente Keime bei Kindern

Bacteria methicillin-resistant Staphylococcus aureus MRSA, multidrug resistant bacteria, MRSA Keime – Copyright: Kateryna Kon, bigstockphoto

Was Du zu MRSA wissen musst:

Worum es sich bei MRSA handelt

Ein wichtiger Teil unseres Immunsystems besteht aus Millionen von Bakterien. Außen auf der Haut und auf den Schleimhäuten im Inneren des Körpers sorgen sie dafür, dass wir gesund bleiben. Bestimmt hast Du in diesem Zusammenhang von der Darmflora gehört. Ein Keim, der bei jedem dritten Menschen in Deutschland in der Nase, dem Rachen oder auf der Haut lebt, ist der Staphylococcus aureus.

Im Normalfall besiedelt das Bakterium den Menschen nur und macht ihn nicht krank. Eine Gefahr besteht für Patienten mit einer Immunschwäche oder im Rahmen einer Operation. Hier kann der Keim akute Wundinfektionen, Lungenentzündungen und Blutvergiftungen verursachen. Ärzte setzen Antibiotika ein, um Infektionen durch Staphylokokken zu behandeln. Multiresistente Keime bei Kindern und Erwachsenen reagieren nicht auf das Antibiotikum Methicillin und auf verschiedene andere Antibiotika.

Euer Kinderarzt spricht von einem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA). Circa drei Prozent dieser Bakterien besitzen einen zusätzlichen Giftstoff, das Panton-Valentine Leukozidin (PVL). Es greift wichtige Zellen des Immunsystems an und kann zu langwierigen Infektionen der Haut und der Weichteile führen.

Fünf Fakten zum Thema multiresistente Keime bei Kindern

  1. MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylokokkus aureus. Der Keim ist aber auch gegen andere Antibiotika resistent.
  2. Multiresistente Keime bei Kindern können trotzdem behandelt werden.
  3. Ansteckend sind sowohl MRSA-Träger als auch erkrankte Patienten.
  4. Kinder, die an einer Schwäche des Immunsystems leiden, sind besonders gefährdet an einer Infektion durch MRSA zu
    erkranken.
  5. Regelmäßiges Händewaschen mit Seife kann Dein Kind und Dich vor MRSA schützen.

 

Wie der Kinderarzt den MRSA findet

Abstriche der Haut und der Schleimhäute mit einem sterilen Watteträger sind schnell durchgeführt und tun Deinem Kind nicht weh. Eventuell wird auch der Stuhl untersucht. Im Labor werden die Keime zunächst angezüchtet und dann auf ihre Sensibilität gegenüber verschiedener Antibiotika getestet. Relativ schnell ist klar, ob Ihr es mit einem MRSA zu tun habt. Ist Dein Kind gesund, ist es nur besiedelt und ein sogenannter MRSA-Träger. Zeigt es Symptome wie

  • Hautinfektionen,
  • eine Lungenentzündung,
  • eine Wundinfektion nach einer Operation oder
  • eine Blutvergiftung,

ist es wahrscheinlich mit dem Bakterium infiziert.

 

Der MRSA wandert von Mensch zu Mensch

Ansteckend sind sowohl infizierte Kinder als auch MRSA-Träger. Bei engem körperlichem Kontakt können die Bakterien von Mensch zu Mensch übertragen werden. Selten nehmen die Keime den Umweg über Türklinken, Handtücher, Spielzeug oder Nutztiere vom Bauernhof. Wie bei anderen Keimen auch kann daher das gründliche Waschen der Hände mit Seife vor einer Ansteckung mit MRSA schützen.

Risikofaktoren für eine Besiedelung mit multiresistenten Keimen bei Kindern

  • regelmäßige Aufenthalte im Krankenhaus
  • chronische Erkrankungen
  • akute Wunden
  • Behandlung mit Antibiotika über einen längeren Zeitraum
  • Anlage eines Katheters in Harnblase oder Blutgefäßen
  • zu wenige gesunde Bakterien auf der Haut

 

Was ist eine Dekolonisationsbehandlung?

Mit sorgfältigen desinfizierenden sowie antibiotischen Maßnahmen ist es möglich, multiresistente Keime bei besiedelten Kindern von der Haut und den Schleimhäuten zu entfernen. In welchem Fall die sogenannte Dekolonisationsbehandlung zum Einsatz kommt, entscheiden die behandelnden Kinderärzte für jeden Patienten individuell.

Eine sorgfältige Abwägung der Risiken, denen das Kind und sein familiäres Umfeld ausgesetzt ist, trägt zur Entscheidung bei. Nicht jedes besiedelte Kind muss behandelt werden.

 

Händewaschen, aber richtig!

Bring Deinen Kindern schon im Kleinkindalter bei, sich sorgfältig die Hände zu waschen. Gehe mit gutem Beispiel voran und übt zusammen am Waschbecken. Zuerst haltet Ihr die Hände kurz unter fließendes Wasser. Dann seift Ihr circa eine halbe Minute lang Eure Hände sehr gründlich bis auf Höhe der Handgelenke ein. Vergesst die Fingerspitzen, die Daumen und die Zwischenräume der Finger nicht.

Nach dem Einseifen spült Ihr Eure Hände gründlich unter fließendem Wasser ab und trocknet sie dann mit einem sauberen Handtuch ab. Jedes Familienmitglied hat sein eigenes Handtuch. Wasche Handtücher am besten bei mindestens 60 Grad Celsius in der Waschmaschine. Diese Hygienemaßnahmen sind besonders wichtig, wenn Dein Kind oder ein anderes Familienmitglied Träger von MRSA ist.

Insbesondere das Händewaschen wurde von Wissenschaftlern gründlich untersucht und als sehr wirksam eingestuft. Die Weitergabe der problematischen Keime kann so häufig verhindert werden.

 

Informationen für betroffene Familien

Wenn bei Deinem Kind eine Besiedlung mit MRSA festgestellt wurde, bist Du sicherlich immer auf der Suche nach den neuesten Informationen. Die Universitätsklinik Bonn hat das Kompetenznetzwerk MRSA bei Kindern gegründet und online veröffentlicht. Unter www.mrsa-kinder.net findest Du weitere Fakten zum Thema und Materialien für die Schule oder die Kita Deiner Tochter oder Deines Sohnes.

Quellen & Literatur:

  • Thomas Baumann, Atlas der Entwicklungsgeschichte: Vorsorgeuntersuchung von U1 bis U10/J1, Thieme Verlag
  • Online Ratgeber des Robert Koch Instituts (www.rki.de)
  • Kompetenznetzwerk MRSA bei Kindern des Universitätsklinikums Bonn (www.mrsa-kinder.net)

auf Netpapa® schreibt

Jessica Kilonzo, Fachärztin für Kinderheilkunde

Jessica Kilonzo, Fachärztin für Kinderheilkunde

Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Sie schreibt als Autorin und Experte über die Gesundheit von Kindern und kann komplexe medizinische Sachverhalte klar und verständlich für unsere Leser darstellen.


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