Mentaltraining für Kinder » Anwendung im Alltag

Rituale welche die mentale Stärke bei Kindern fördern!

Am Abend vor einer wichtigen Klassenarbeit siehst Du Deinem Kind an, dass er sich unwohl fühlt. Vor Nervosität leidet es unter Appetitlosigkeit und Problemen beim Einschlafen. Körperliche Symptome wie Bauch- und Kopfschmerzen resultieren aus starkem Stress. Wir zeigen Eltern wie Mentaltraining für Kinder im Alltag helfen kann.

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Damit Dein Kind mit Leistungsdruck entspannt umgeht, hilft das mentale Training. Dieses stärkt es geistig und seelisch. Auf lange Sicht kann sich dieses positiv auf die Gesundheit auswirken. Durch eine ausgeglichene Psyche verringern sich Stresssymptome wie Bluthochdruck und Konzentrationsschwäche.

Welche Rituale unterstützen die mentale Stärke?

Mentale Stärke hilft den Kindern, sich den Herausforderungen des Alltags zu stellen. Dabei unterscheidet sich das Stressempfinden individuell. Teilweise fühlen sich die Sprösslinge beim Kontakt mit Fremden überfordert. Alternativ setzt eine Prüfung in der Schule sie unter Druck. Eine Stress-Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2015 zeigt, dass jedes sechste Kind unter psychischem Stress leidet [Prof. Dr. Holger Ziegler: Stress-Studie 2015 – Burn-Out im Kinderzimmer: Wie gestresst sind Kinder und Jugendliche in Deutschland? (2015), URL: https://kinderförderung.bepanthen.de/static/documents/03_Abstract_Ziegler.pdf (letzter Zugriff: 03.07.2019)]. Hauptfaktoren für das negative Empfinden bestehen in der Versagensangst und elterlichem Druck.

Dauerstress löst bei den Sprösslingen körperliche Symptome aus. Dazu gehören:

  • Schwindelgefühle,
  • Herzrasen,
  • Atembeschwerden,
  • Magen-Darm-Erkrankungen wie Durchfall und Sodbrennen,
  • Erschöpfung und chronische Müdigkeit.

Um Deinem Nachwuchs zu helfen, bietest Du ihm eine beruhigende Atmosphäre. Durch ein entspanntes Umfeld profitieren Kinder von mentaler Stärke. Zu dem Zweck empfiehlt es sich, ihnen durch einen geregelten Alltag Routine zu geben. Rituale wie ein gemeinsames Abendessen oder eine Geschichte zur Schlafenszeit gehen mit positiven Aspekten einher. Sie stärken die Bindung zwischen dem Nachwuchs und den Bezugspersonen.

Gleichzeitig wirken gleichbleibende Handlungen im Alltag entschleunigend. Sie entspannen die Psyche des Kindes. Gleiches gilt für feste Regeln, die dem Kind ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Für das Mentaltraining empfiehlt sich eine gemeinsame Eltern-Kind-Zeit am Tag.

Sie findet beim Abendessen oder vor dem Zubettgehen statt. In diesen Momenten erhält Dein Sprössling die Möglichkeit, sich mit Dir auszutauschen. Sprichst Du mit ihm über seine Sorgen und Ängste, schenkst Du ihm Aufmerksamkeit und gleichzeitigen Rückhalt. Beides wirkt beruhigend. Auch Kuscheln eignet sich zum Stressabbau. Der Grund: Das Gehirn setzt beim Schmusen das „Kuschelhormon“ Oxytocin frei.

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Lob und Vertrauen als Bestandteil des Mentaltrainings

Während der gemeinsamen Zeit erhältst Du Gelegenheit, Dein Kind zu loben. Erzähle ihm, auf welche seiner Handlungsweisen Du Stolz empfindest. Half der Sprössling beispielsweise einem Geschwisterkind, lobst Du seine Hilfsbereitschaft. Vermittle ihm eine ganzheitliche und bedingungslose Liebe. Auf diese Weise nimmst Du Deinem Zögling den unterbewussten Leistungsdruck, sich vor Dir beweisen zu müssen. Beachte, dass allgemeines oder überschwängliches Lob negative Folgen nach sich zieht. Sinnvoller ist es, die Leistung des Sprösslings oder sein Verhalten in einer spezifischen Situation positiv zu bewerten.

Stellst Du dagegen die Fähigkeit – beispielsweise die Intelligenz – Deines Kindes in den Vordergrund, setzt Du es indirekt unter Druck. Unter Umständen fühlt es sich in der Folge verpflichtet, stetig gute Leistungen abzuliefern und dafür zu schummeln. Das belegt die Studie „Praising Young Children for Being Smart Promotes Cheating“. Die Publikation von Li Zhao et al. erschien im September 2017.

Neben einem ehrlichen Lob stärkst Du Deine Kinder mental, indem Du ihnen Vertrauen schenkst. Übergib ihnen Verantwortung, damit sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Sinnvolle Aufgaben integrierst Du in den Alltag. Als Beispiel erhält der Nachwuchs die Pflicht, den Abendbrottisch zu decken, den Hund zu füttern und einmal in der Woche sein Zimmer aufzuräumen. Vermeide es, Dein Kind mit übermäßigen Verpflichtungen zu überfordern. Erhält es ein gesundes Maß an Regeln und Normen, profitiert es von der alltäglichen Routine.

Des Weiteren entwickelt Dein Sprössling mentale Stärke, indem Du ihm Lösungsfindungskompetenzen beibringst. Klärst Du für Dein Kind aufkommende Probleme, nimmst Du ihm die Chance, eigene Entscheidungen zu treffen. In der Folge bleibt es in Stresssituationen verunsichert. Es hofft auf die Hilfe anderer. Ein selbstbestimmtes Leben führt der Nachwuchs, wenn Du zeigst, dass Du ihm Eigenständigkeit zutraust. Bemerkst Du, dass das Kind eine Situation allein nicht klären kann, greifst Du ein. Entwickelt es selbst eine Lösung, lobst Du sein Engagement.

Die Entscheidungsfreiheit bringt eine weitere Komponente mit sich. Sie führt dazu, dass der Sprössling die Verantwortung für sein Handeln übernimmt. Zieht eine schlechte Entscheidung negative Konsequenzen nach sich, lehrst Du den Nachwuchs, damit umzugehen. Spende ihm beispielsweise Trost. Allerdings solltest Du ihm diese Verantwortung nicht abnehmen. Ausschließlich die Konsequenzen nach einer Entscheidung vermitteln ihm den Zusammenhang von Aktion und Reaktion.

Positive Formulierungen ermöglichen mentale Stärke

Lobst Du Deinen Nachwuchs, achte auf positive Formulierungen. Nutzt Du Sätze wie „Nicht schlecht“, implizieren diese ein unausgesprochenes „Aber“. Hierbei handelt es sich um eingeschränkte Anerkennung, die das Selbstbewusstsein des Kindes in Mitleidenschaft zieht. Bessere Formulierungen bestehen in:

  • „Das hast Du gut gemacht.“
  • „Das war eine starke Leistung.“
  • „Ich bin stolz auf Dich, dass Du das Problem gut gelöst hast.“

Durch negatives oder eingeschränktes Lob lenkst Du die Aufmerksamkeit des Sprösslings auf seine Defizite. Gleiches geschieht, wenn Eltern ihre Kinder in Gegenwart Dritter kritisieren oder beurteilen. Das Verhalten wirkt degradierend und wirkt sich langfristig auf die Psyche der Schützlinge aus. Speziell demütigende Situationen bleiben ihnen bis im Erwachsenenalter im Gedächtnis.

Fühlen sie sich blamiert oder ausgelacht, ziehen sie sich unter Umständen von ihren Mitmenschen zurück. In der Folge entwickeln die Kinder eine starke Schüchternheit, die sie im späteren Alltag beeinträchtigt. Es fällt ihnen beispielsweise schwer, andere Menschen anzusprechen und neue Freundschaften zu schließen.

Hilf Deinem Kind, sich negativen Gefühlen zu stellen

Negative Gefühle wie Angst, Frustration und Wut gehören zum Leben. Es hilft Deinem Kind nicht, wenn Du diese Emotionen von ihm fernhältst oder sie zu überdecken versuchst. Fühlt es sich frustriert, solltest Du den Grund in Erfahrung bringen. Versuche nicht, Deinen Nachwuchs mit Geschenken oder Aktivitäten abzulenken. Dadurch schiebst Du das Problem auf, löst es jedoch nicht. Sinnvoller ist es, mit dem Sprössling ein offenes Gespräch zu führen. Höre Dir seine Sorgen an – selbst wenn Du sie nicht nachvollziehen kannst. Zwischenmenschliche Schwierigkeiten wirken sich auf Kinder intensiver aus als auf Erwachsene.

Beispielsweise leiden die Schützlinge stark unter einem Streit mit dem besten Freund oder der Freundin. Kinder wünschen sich die Anerkennung ihrer Mitmenschen. Aus dem Grund empfinden sie eine Zurückweisung intensiver als Du. Indem Du Deinem Nachwuchs beim Umgang mit negativen Gefühlen hilfst, setzt er sich mit ihnen auseinander. Gleiches gilt für Ängste, unter denen das Kind leidet. Biete ihm die Möglichkeit, sich diesen zu stellen und eigenständig eine Lösung zu finden. So erlangt es Selbstvertrauen. Dieses bildet die Basis für eine mentale Stärke.

Nimmst Du Deinem Sprössling Negativgefühle ab, stärkst Du dadurch sein Unvermögen. Das trifft ebenfalls zu, wenn der Nachwuchs über Langeweile klagt. Bietest Du ihm augenblicklich Beschäftigung durch ein neues Spielzeug, bleibt seine Kreativität auf der Strecke. In der Folge fehlt Deinem Sohn oder Deiner Tochter die Fähigkeit, sich selbst zu beschäftigen. Mentale Stärke bauen sie auf, indem sie sich erfolgreich ihren Gefühlen stellen.

Beweise mentale Stärke: die Vorbildwirkung der Bezugspersonen

Im Buch „Kinder-Mentaltraining“ beschreiben die Autorinnen Saskia Baisch-Zimmer und Gabriele A. Petrig die Relevanz der Vorbildwirkung. Kinder orientieren sich an ihren Vorbildern. Dabei handelt es sich im Normalfall um die Bezugspersonen wie Eltern, Großeltern und Geschwister. Lebst Du Deinem Nachwuchs vor, was Du von ihm erwartest, imitiert er Dich.

Zusätzlich empfiehlt es sich, den Sprössling über persönliche Ziele und Wünsche aufzuklären. Erzähle ihm, was Du tust, um diese Träume zu erreichen. Bestenfalls nimmt er sich an Dir ein Beispiel. Allerdings vermeidest Du es, Dein Kind unter Druck zu setzen. Sätze wie „Ich in Deinem Alter konnte das schon“ führen ihm die eigene Unfähigkeit schmerzhaft vor Augen. Glaubt Dein Schützling, Dich zu enttäuschen, entwickelt sich aus der Versagensangst erneut anhaltender Stress.

Was bewirkt das Mentaltraining bei Kindern?

Speziell auf Kinder wirkt sich das mentale Training nachhaltig aus. Der Grund: Im Gegensatz zur Mehrzahl der Erwachsenen besitzen die Sprösslinge eine lebhafte Fantasie. Ihre Vorstellungskraft kommt ihnen beim Mentaltraining zugute. Sie überlegen sich Lösungen für Probleme und stärken sich selbst durch positive Gedanken. Unterstützt Du Deinen Nachwuchs durch Lob, alltägliche Rituale und Rückhalt, bleiben die stärkenden Botschaften fest in seinem Unterbewusstsein. Auf diese Weise profitiert Dein Sohn oder Deine Tochter:

  • vom Glauben an eigene Stärken,
  • einem positiven Selbstbild,
  • Selbstsicherheit im Umgang mit Mitmenschen,
  • einer starken Problemlösungskompetenz,
  • einem gesunden Umgang mit negativen Emotionen,
  • vom Überwinden eigener Ängste,
  • Selbstvertrauen, um sich schwierigen Situationen zu stellen.

Gleichzeitig hilft das mentale Training, um sich aktiv zu entspannen. Dadurch baut der Nachwuchs Stress auf gesunde Weise ab. In der Folge fällt es ihm leichter, sich zu konzentrieren und seine Leistungen zu steigern. Zusätzlich bildet das innere Gleichgewicht die Grundlage für eine gefestigte Psyche.

Quellen, Links und Lesetipps: