Dein Baby erbricht Milch schwallartig, was tun?

Unsere Elternfrage an den Kinderarzt: Nach jeder Mahlzeit erbricht mein Baby schwallartig Milch. Was kann ich tun?

Gerade hast Du Deinem drei Wochen alten Baby die Flasche gegeben und nimmst es für sein Bäuerchen auf den Arm, da gluckst es kurz und erbricht die ganze Milch im hohen Bogen über Deine Schulter auf die Couch.

Nach dem ersten Schrecken beruhigst Du Dein Kind und machst erst mal sauber. Wenige Stunden später bei der nächsten Mahlzeit folgt das gleiche Spiel. Können so kleine Babys schon eine Magen-Darm-Grippe haben? Dein Kind scheint sehr hungrig zu sein, wirkt unglücklich und verzweifelt. Du packst es also ein und fährst zum Kinderarzt.

Mein Baby erbricht nach jeder Mahlzeit schwallartig. Was soll ich tun?

Spielt sich diese Situation ohne weitere Symptome in den ersten Lebenswochen ab, leidet Dein Kind wahrscheinlich an einer hypertrophen Pylorusstenose, einer angeborenen Verengung des Magenausgangs. Bitte gehe mit Deinem Baby zum Kinderarzt. Die Erkrankung kann in den meisten Fällen nur mit einer kleinen Operation geheilt werden.

Was ist eine hypertrophe Pylorusstenose?

Am Ausgang des Magens befindet sich der sogenannte Pylorus, der Magenpförtner. Er trennt das Ende des Magens vom folgenden Zwölffingerdarm und wird von Ringmuskeln gebildet. Einige Neugeborene kommen mit einer vergrößerten Ringmuskulatur auf die Welt und leiden dadurch an einem verengten Magenausgang. Trinken sie Milch, vollführt der verärgerte Magen eine Art Wellenbewegung und schickt den ganzen Mageninhalt im Schwall zurück nach draußen. Du findest immer nur Milch im Erbrochenen, keine Galle.

Fünf Fakten zum Thema „Mein Baby erbricht nach jeder Mahlzeit im Schwall“:

  1. Circa 3 von 1000 Säuglingen leiden an einer angeborenen Verengung des Magenausgangs.
  2. Fünfmal mehr Jungen als Mädchen sind betroffen.
  3. Die Erkrankung tritt typischerweise bei Europäern auf. Asiatische und afrikanische Kinder sind sehr selten betroffen.
  4. Meist beginnt das Erbrechen um die dritte Lebenswoche herum.
  5. Der Kinderarzt kann die Diagnose per Ultraschall sichern.

Welche Symptome ein Baby mit einer hypertrophen Pylorusstenose zeigt

Die Problematik wird im Laufe der ersten Lebenswochen deutlich. Plötzlich erbricht Dein zuvor gesundes Kind nach jeder Milchmahlzeit im Schwall. Natürlich hat es dann bald wieder Hunger, ist unglücklich und weint viel.

Dein Baby erbricht immer häufiger und kann relativ schnell Hinweise auf eine Austrocknung zeigen. Es nimmt an Gewicht ab, die große Fontanelle am Oberkopf sinkt ein und die Windeln bleiben trocken. Vielleicht siehst Du sogar die Wellenbewegungen des Magens am Bauch und kannst die vergrößerten Muskeln tasten. Bitte geh jetzt sofort mit Deinem Baby zum Kinderarzt.

Wie der Kinderarzt die Diagnose stellt

Die typischen Symptome bringen den Mediziner rasch auf die richtige Spur. Eventuell sieht er sich einen Fütterungsversuch an. Dann schaut er sich per Ultraschall den Magen an und vermisst den Pylorus in seiner Länge und Dicke. Die Diagnose ist gestellt. In seltenen Fällen ist zur Absicherung eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel notwendig.

Die Therapie der hypertrophen Pylorusstenose

Steht die Diagnose fest, verbringt Ihr einige Tage mit Eurem Baby im Krankenhaus. Der kleine Patient bekommt eine Magensonde, einen kleinen Gummischlauch, der durch die Nase bis in den Magen geschoben wird. So wird der Magen geleert und entlastet. Infusionen versorgen Dein Baby mit Flüssigkeit und gleichen den Elektrolythaushalt aus, falls Dein Kind schon etwas ausgetrocknet war.

Jetzt kann die Operation stattfinden. Durch einen kleinen Bauchschnitt teilt der Operateur die Muskulatur des Magenpförtners der Länge nach. Die Schleimhaut bezieht er nicht mit ein. Dann zieht der Chirurg den Ringmuskel auseinander und öffnet so den Magenausgang weiter. Nach der Operation folgt ein vorsichtiger Nahrungsaufbau, bis Dein Kind bei einer ausreichenden Nahrungsmenge angelangt ist. In den meisten Fällen verläuft die Operation unkompliziert und Ihr könnt rasch wieder nach Hause.

Kann das Erbrechen im Schwall auch eine andere Ursache haben?

Das wiederholte Erbrechen im Schwall nach einer Mahlzeit ohne weitere Beschwerden in den ersten Lebenswochen ist recht typisch für die angeborene Verengung des Magenausgangs. Trotzdem wird der Kinderarzt folgende ähnliche Diagnosen im Hinterkopf haben:

  1. einen erhöhten Hirndruck
  2. das Adrenogenitale Syndrom
  3. eine Nierenbeckenentzündung
  4. eine Sepsis (Blutvergiftung)
  5. eine Verengung des Zwölffingerdarms
  6. eine Darmverdrehung
  7. eine Allergie gegen Kuhmilchprotein

Quellenangaben:

  • Stephan Illing, Martin Claßen; Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer, München 2009
  • Dietrich Schweinitz, Benno Ure; Kinderchirurgie: Viszerale und allgemeine Chirurgie des Kindesalters; Springer Verlag, Heidelberg 2013