Maladaptives Tagträumen bei Kindern »

Wenn Träumen zur Störung wird

Tagträumen ist bei Kindern eine vollkommen normale Verhaltensweise, erst wenn aus dem Träumen lang anhaltende Traumphasen werden die eine Flucht aus dem Alltag darstellen, spricht man von einer Störung, dem sogenannten Maladaptiven Tagträumen. Kinder befinden sich dann bevorzugt in Traumwelten, statt sich der Realität zu stellen, sie wenden Tagträume und Fantasien an um mit dem Alltag besser zurechtzukommen.

Maladaptives Tagträume
Daydreaming, Maladaptives Tagträumen, Copyright: Anna Nahabed

Jeder Mensch hat Tagträume. Sie stellen eine Art Ruhepol in einem hektischen Alltag dar. Meist dauern solche Träumereien nur ein paar Sekunden, manchmal ein paar wenige Minuten. Danach fühlt sich der Tagträumer erholt und kehrt zur normalen Tagesordnung zurück. Anders sieht es beim Phänomen „maladaptives Tagträumen“ aus. Auslöser für dieses Verhalten können folgende Ursachen sein:

1.) Traumata wie Missbrauch oder ein persönlicher Schicksalsschlag, bzw. ein schwerer Verlust
2.) Autismus
3.) Depressionen
4.) Das Borderlinesyndrom bzw. andere assoziative Persönlichkeitsstörungen
5.) Diverse Zwangsstörungen

Um das krankhafte Tagträumen in den Griff zu bekommen, muss zunächst einmal die Ursache behandelt werden. Dabei gibt es verschiedene Ansätze. Die Erforschung der Störung steckt quasi noch in den Kinderschuhen, denn erst im Jahr 2002 hat Eliezer Somer, ein Psychiater aus Israel, die Symptome erstmals zusammengefasst. 

Wenn Tagträume zum Albtraum werden

Du bemerkst schnell, wenn Dein Gegenüber nicht ganz bei der Sache ist. Häufig sind diese Personen in Gedanken versunken, oder hängen einem kurzen Traum nach. Schon einen Moment später verläuft die begonnene Unterhaltung normal, der Tagträumer entschuldigt sich für seine Unaufmerksamkeit, und die Sache ist vergessen.

Maladaptives Tagträumen bemerkst Du, wenn ein Mensch ständig abwesend zu sein scheint, und das über längere Zeiträume hinweg. Die Erzählungen dieser Person handeln auch sehr häufig von seinen Erlebnissen in der Traumwelt. Dabei kann der Träumer nur schwer zwischen Realität und Phantasie unterscheiden, und lässt Erlebnisse und Erfahrungen von Träumen mit der Wirklichkeit verschmelzen.

Dies ist nicht mit einer Lüge gleichzusetzen oder zu verwechseln, denn die Person bemerkt es gar nicht. Neben diesen Erzählungen aus der Traumwelt vernachlässigt der Erkrankte seine alltäglichen Pflichten. Er geht nicht mehr oder nur unregelmäßig zum Job, sein Umfeld verwahrlost, und oft vergessen die Betroffenen auch zu essen oder sich selbst zu pflegen.

Ursachenfindung ist enorm wichtig

Wo Du gerne mal einem Kumpel sagst, er solle aufhören zu träumen, versagt dieser häufig im Scherz geäußerte Ratschlag komplett. Hilfe kann nur die Findung der Ursachen bringen. Wenn an diesen gearbeitet wird, sieht der Erkrankte nach einer Weile, dass er die Traumwelt nicht benötigt, um mit seinem Dasein zurechtzukommen. Da die Forschung hier noch intensiv an einheitlichen Lösungen arbeitet, hat Eliezer Schomer eine Richtlinie entwickelt. Die „Maladaptive Dreaming Scale“ hilft mit ihren 14 Punkten dem Psychiater, maladaptives Träumen klar von einer eventuell vorliegenden Schizophrenie abzugrenzen. Das ist wichtig, da die Symptome anfangs ähnlich erscheinen. Ist dies gesichert, fängt die Therapie zur Behandlung der Ursache an. Diese ist abhängig vom Krankheitsbild und hat zunächst nicht das Ziel, maladaptives Tagträumen sofort zu unterbinden.

EMDR als Behandlungsansatz

Die Eye Movement Desentisization and Reprocessing Therapie (EMDR) ist eine 1987 entwicklete Technik. Vor allem bei Traumata zeigt sie eine hohe Wirksamkeit und in der Folge auch einen Rückgang der krankhaften Tagträume. Vereinfacht gesagt nutzt bei dieser Behandlung der Therapeut die Finger, denen Patienten mit den Augen folgen sollen. Dadurch wird die Fähigkeit der Selbstheilung des Gehirns stimuliert. Die Erfolge der Therapie sind messbar und bahnbrechend.

Alternativen zur Heilung

Gute Ansätze, die maladaptives Tagträumen unterdrücken, zeigt die kognitive Verhaltenstherapie. Diese hat folgende Ziele, die Schritt für Schritt angestrebt werden:

  • Integration des Patienten in das alltägliche Leben
  • Förderung von Lebensgewohnheiten
  • Einführung eines geregelten Tagesablaufs
  • Das Finden der Reize, die maladaptive Tagträume stimulieren

Mit Erreichung der einzelnen Ziele soll der Patient wieder in die Realität zurückgebracht, und dort gehalten werden. Letztlich ist die Therapie langwierig und von Rückschlägen geprägt. Unterstützung von Außen ist in jedem Fall angeraten. Einen maladaptiven Träumer allein und ohne professionelle Hilfe zu heilen, ist kaum möglich und gefährlich. Vor allem dann, wenn die Störung durch Depressionen ausgelöst wurde, besteht Lebensgefahr für den Betroffenen.

Quellen und Verweise