Schulstress macht immer mehr Kinder krank » Was Eltern tun können

Du kommst aus dem Büro und lässt Dich auf die Couch fallen. Eigentlich könntest Du jetzt direkt einschlafen. Der Tag war hart und Du fühlst Dich gestresst. Wie schön wäre es, wieder in die Schule zu gehen, denkst Du Dir seufzend. Da schlurfen Deine Kinder zur Tür herein und lassen sich neben Dir auf den Teppich sinken. „Boah, Schule ist mega Stress. Ich brauch Urlaub!“, stöhnt Dein Sohn.

Deine Tochter sagt nichts. Sie sieht blass aus und Du fragst Dich, ob sie schon wieder krank wird. Schule scheint doch anstrengender zu sein, als die meisten Eltern denken. Kinderärzte rufen zu mehr Aufmerksamkeit von Lehrern und Erziehungsberechtigten auf, denn Schulstress kann körperlich und seelisch krank machen.

Autorin: Jessica Kilonzo, Fachärztin für Kinderheilkunde

krank wegen schulstressWas sagt der Kinderarzt: Schule prägt 10 Jahre lang den Alltag unserer Kinder

Für Kinder ist die Schule der zentrale Punkt im Alltag. Sie nimmt den Hauptteil der Wochentage ein und übt über Mitschüler, Lehrer und Leistungsanforderungen einen deutlichen Einfluss auf Kinder aus. Wissenschaftler führen Langzeitstudien durch, die sich mit Stress in der Schule und durch die Schule beschäftigen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kinder und Jugendliche immer wieder schon in der Schule unter den vielfältigen Belastungen leiden.

Die Beschwerden können individuell ganz unterschiedlich aussehen und jedes Kind muss einzeln betrachtet werden, um seine Situation verbessern zu können. Wenn Du Deine Kinder fragst, nennen sie als Stressfaktoren wahrscheinlich die hohen Erwartungen an ihre Leistungen und die Angst vor schlechten Noten und Beurteilungen. Wobei diese Erwartungen aus unterschiedlichen Richtungen kommen können. Manche Kinder setzen sich selbst unter Druck, andere bekommen den Druck aus der Familie.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das soziale Miteinander in der Klasse. Hat Dein Kind Freunde oder sind schon Fälle von Mobbing in der Klasse aufgetreten? Weitere mögliche Stressfaktoren sind Leistungsschwächen, Besuch des falschen Schultyps oder persönliche Differenzen mit den Lehrern.

Wie kann sich Schulstress bei meinem Kind körperlich äußern?

Kinder im Grundschulalter sind natürlich häufiger mal krank mit dem einen oder anderen Virus. Ist Dein Kind aber ständig schlapp und lustlos oder klagt wiederholt über Kopfschmerzen und Magenbeschwerden, ist es Zeit für einen Besuch beim Kinderarzt. Auch Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen können auf zu viel Stress in der Schule hinweisen. Jugendliche reagieren oft eher psychisch, bevor sie körperliche Symptome zeigen.

Die Bandbreite geht hier von Antriebslosigkeit und sozialem Rückzug bis hin zu extremer Reizbarkeit und Aggressivität gegenüber Familienmitgliedern und Freunden. Viele betroffene Kinder fühlen sich in den Ferien besser und auch am Wochenende können die Beschwerden eventuell nachlassen.

Soll ich mein Kind darauf ansprechen, wenn ich Schulstress hinter seinem Verhalten vermute?

Natürlich ist es immer wichtig, mit Deinem Kind über seine Probleme zu reden. Hast Du das Gefühl, dass sich Dein Kind verändert oder es ihm nicht gut geht, frag am besten offen nach. Gut ist es außerdem, wenn Du den Klassenlehrer Deines Kindes und seine Klassenkameraden kennst, damit Du die Situation realistisch einschätzen kannst. Stellt sich heraus, dass Stress in der Schule Dein Kind massive belastet, kannst Du ihm auf verschiedene Weise helfen. Besonders im Fall von körperlichen Beschwerden solltest Du aber erst grünes Licht vom Kinderarzt haben, dass auch sicher keine körperliche Erkrankung hinter den Symptomen steckt.

Wie Du Deinem Kind bei Schulstress helfen kannst

Mach Dir zunächst Deine eigenen Erwartungen an Dein Kind klar und versuche, sie auf einem sinnvollen Niveau zu halten. Verschaffe Dir einen Überblick über die Hausaufgaben und die Unterrichtsvorbereitung Deines Kindes. Braucht Dein Sohn oder Deine Tochter Hilfe bei der Strukturierung seiner Zeit? Vielleicht kannst Du auch einen Nachhilfelehrer für ein paar Monate engagieren. Das Ziel sollte aber immer ein effektives selbstbestimmtes Lernen sein. Geht es um Mobbing, sind Klassenlehrer und Vertrauenslehrer wichtige Ansprechpartner.

Feier Erfolge gemeinsam mit Deinem Kind und geht auf die Suche nach Talenten, die außerhalb der Schule liegen. Sport oder Musik ist ein optimaler Ausgleich zum Stress in der Schule. Arbeite an einer guten Beziehung zu Deinem Nachwuchs. Achte auf ausreichend Freizeit, viel frische Luft und eine leckere, gesunde Ernährung für die ganze Familie.

Medikamente sind keine gute Lösung bei Stress in der Schule

Bitte greife nicht beim ersten Problem in der Schule zu Medikamenten, auch nicht zu Naturheilmitteln. Dein Kind sollte nicht den Eindruck bekommen, dass seelische Probleme und Sorgen mit einer Tablette oder ein paar Kügelchen einfach so aus der Welt geschaffen werden können. Sucht gemeinsam eine Lösung. Kinderarzt und Lehrer können Euer Team verstärken. Studien bestätigen, dass ältere Schüler und Studenten immer häufiger zu Medikamenten greifen, um sich besser konzentrieren zu können und Angst abzubauen.

Sogar Schlafmittel erhalten die Jugendlichen teilweise von ihren Eltern. Bleib lieber an Deinem Kind dran! Gib nicht gleich auf, wenn Du Widerstand spürst. Kinder schätzen ihre Situation häufig falsch ein und sehen durch Medikamente einen einfachen Ausweg aus ihrer Belastung.

Mit Bewegung gegen Stress bei Schulkindern

Wissenschaftler bestätigen, dass Sport und Bewegung Stress bei Kindern und Jugendlichen reduzieren kann. Adrenalin und Cortisol, die typischen Stresshormone, werden abgebaut und der Körper mit Sauerstoff versorgt. Zusätzlich lenkt Sport die Gedanken auf positive Erlebnisse und Sport in der Mannschaft fördert den Sinn für Gemeinschaft. Sportarten die Tiere einschließen, wie das Reiten oder der Hundesport, können einen doppelten positiven Effekt auf Kinder haben. Neben der Bewegung schulen sie den Verantwortungssinn. Zusätzlich stellt das Tier einen Vertrauten dar, dem Dein Kind seine Probleme anvertrauen kann.

Worum geht es bei der Schulangst?

Ein verwandtes Thema ist die sogenannte Schulangst. Hier handelt es sich um eine krankhafte Angststörung, die auf die Schule gerichtet ist. Dein Kind kann entweder Angst vor den Lehrern, anderen Schülern oder vor der Gesamtsituation haben. Das eigene Versagen bei schulischen Leistungen kann die Angst ebenso auslösen, wie ein erniedrigtes Selbstwertgefühl. Leider spielt auch das Bullying immer mehr eine Rolle bei der Schulangst. Ein Kind mit Schulangst geht meist nicht mehr in die Schule. Der Kinderarzt wird eine Vorstellung beim Kinder- und Jugendpsychologen empfehlen.

Was ist eine Schulphobie?

Bei der Schulphobie geht es nicht in erster Linie um die Schule, sondern um die Trennung Deines Kindes von Papa und Mama. Eine Schulphobie ist also keine typische Phobie sondern eine Trennungsangst. Sie tritt am häufigsten bei Schulanfängern auf und wird von psychosomatischen Symptomen begleitet.

Typisch sind hier Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Kopfschmerzen. Beobachtest Du diese Symptome immer wieder bei Deinem Kind, wenn es morgens Zeit für die Schule ist, und siehst Du auch nach einem Gespräch mit dem Lehrer oder der Lehrerin keine Besserung, ist es Zeit für einen Besuch beim Kinderarzt. Er wird Euch weiterhelfen und bei Bedarf einen Kinder- und Jugendpsychologen einschalten.

Quellen:

Thomas Baumann, Atlas der Entwicklungsgeschichte: Vorsorgeuntersuchung von U1 bis U10/J1, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2015

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