Mein Kind schläft nicht ein? Schlaftypen und Schlafbedarf » Das sagt der Kinderarzt:

Kinderschlaf » Wie schläft ein Kindergartenkind (4-5 J)

Jeden Abend spielt sich bei Euch das gleiche Drama ab. Trampolinspringen auf der Matratze statt Schäfchen zählen. Dein Kind findet nicht in den Schlaf. Während Du kaum noch die Augen aufhalten kannst und Dich nur nach Deinem Bett sehnst, fordert Dein Kindergartenkind eine Geschichte nach der anderen, muss plötzlich nochmal aufs Klo und braucht natürlich dringend ein Glas Wasser.

„Du Papa, weißt Du, was Leon heute im Kindergarten gemacht hat?“ So kann es nicht weitergehen! Ihr braucht eine Lösung, mit der abends alle zur Ruhe kommen und am Morgen rechtzeitig wieder aus dem Bett finden.

Dieser Ratgeber soll Eltern ein paar Denkanstöße und Tipps rund ums Thema Schlaf Ihrer Kinder geben.

Mein Kind schläft schlecht ein! Von Schlaftypen und Schlafbedarf!

Wie das Schlafverhalten von Kindern funktioniert

Der menschliche Schlaf hängt von zwei Faktoren ab, dem zirkadianen Prozess (innere Uhr) und dem schlafabhängigen Prozess (Schlafhomöostase). Die innere Uhr ist nicht vom Schlaf abhängig. Sie gibt jedem Menschen einen individuellen Rhythmus vor, wann er wach und aktiv sein sollte und wann es Zeit zum Schlafen ist. Das System wird aus dem Zwischenhirn gesteuert. Die innere Uhr reguliert auch die Atmung, die Körpertemperatur, den Blutdruck, den Herzschlag, die Ausscheidung von Urin, die Produktion von Hormonen sowie die Aufmerksamkeit.

Jeden Tag synchronisiert der Körper seine innere Uhr mit der Umgebung. Es ist Deinem Kind angeboren, welcher Schlaftyp es ist. Schon im Kindesalter ist es entweder ein sogenannter Abendtyp (eine Eule) oder ein Morgentyp (eine Lerche). Das wird sich im Laufe seines Lebens auch nicht ändern.

 

Welche Schlaftypen bei Kindern gibt es?

Mediziner haben schon seit langer Zeit herausgefunden, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen den sogenannten Eulen und Lerchen gibt. Eulen sind verschiedenen Studien zufolge abends um 21 Uhr besonders wach und Lerchen sind morgens um neun Uhr am muntersten. Zusätzlich haben Wissenschaftler Schlaftypen gefunden, die sowohl um neun Uhr morgens als auch um Mitternacht herum voller Energie sind. Eine andere Gruppe ist genau zu diesen Zeiten besonders müde.

Allerdings ist die letzte Gruppe am Mittag besonders fit. Mit der Zeit findest Du heraus, zu welchem Schlaftyp Dein Kind gehört.

Kindergartenkindern haben im Durchschnitt mit vier bis fünf Jahren eine Schlafdauer von 11 bis 12 Stunden pro 24 Stunden.

Viele Kinder machen keinen Mittagsschlaf mehr. In diesem Alter ist es typisch, dass Kinder abends nichts ins Bett gehen möchten, nachts wieder aufwachen und wilde Träume haben. Dein Kind findet nicht in den Schlaf und die ganze Familie leidet.

 

Welchen individuellen Schlafbedarf hat mein Kind?

Dein Kind findet nicht in den Schlaf? Dann hast Du vielleicht seinen persönlichen Schlafbedarf noch nicht herausgefunden. Du kannst weder Geschwister noch Freunde im selben Alter vergleichen, wenn es um die Schlafdauer geht. Sie variiert stark. Du kannst Dein Kind nicht zum Schlafen zwingen.

Probiere aus, wann Dein Kind müde ist und wann es morgens wieder gut aus dem Bett kommt. Es ist ganz wichtig, dass das Bett ein gemütlicher Ort ist, an dem sich Dein Kind gut entspannen kann und sich nicht eingesperrt oder bestraft fühlt. Verbanne Fernsehen und Computerspiele aus dem Bett. Der Fernseher sollte mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen ausgeschaltet werden. Auch das Gehirn braucht Zeit herunterzufahren. Führt zusammen ein Einschlafritual ein, das jeden Abend gleich abläuft. Es kann zum Beispiel Kuscheln auf der Couch beinhalten, eine Geschichte oder ein Lied.

 

Was sind mögliche Ursachen von Einschlafstörungen?

Ein Kind findet nicht in den Schlaf, wenn die Eltern eine falsche Schlafhygiene eingeführt haben. In den meisten Fällen gehen die Kinder zu unregelmäßigen und falschen Zeiten ins Bett, kommen vorher nicht ausreichend zur Ruhe und haben kein altersangemessenes Schlafritual.

Seltener liegen physische oder psychische Stresssituationen vor. Hier kommen Fieber, Schmerzen, Kreislauferkrankungen oder neurologische Erkrankungen infrage. Liegt vielleicht eine problematische Situation in Eurer Familie vor? Auch ein Umzug, eine Scheidung oder Krankheiten anderer Familienangehöriger können zu Einschlafproblemen führen.

 

Redaktionstipp: Wie wir das als Eltern machen:

(Mario) Als erstes haben wir frühzeitig einen geregelten Abendablauf umgesetzt, das fängt schon beim Abendbrottisch an. Wir treffen uns dort zu viert und besprechen noch einmal den Tag. Nach dem Essen räumen alle gemeinsam ab und dann geht es schon zum Waschen und Zähne putzen. Manchmal dürfen die Kinder dann noch etwas fernsehen, gemeinsam mit uns, der Sandmann eignet sich um einen guten Abschluß zu finden. Jetzt wo die Kinder älter sind können Sie dann auch noch ein wenig länger aufbleiben, manchmal spielen Sie noch was, statt fernsehen kann man auch schon hier eine Geschichte vorlesen. Dabei kann man kuscheln und eine gemütliche Atmosphäre mit gedämpften Licht herstellen.

Dann gehts ins Bett, ruhig und mit Bedacht und spätestens jetzt sollte nochmal eine Vorlesegeschichte vorkommen, das ist eine wunderbare Aufgabe für Papa. Danach lasst man den Kindern noch etwas gedämpftes Licht an. Und hier kommen dann die Schlaftypen ins Spiel – das eine Kind schläft sofort ein, ist todmüde von Schule und Sport – das andere braucht etwas länger, sehr lange um genau zu sein – zwingen kann man aber niemanden zum Schlafen. Unser Jüngster schläft gegen 22 Uhr. Habt Geduld und lasst das Kind dann einfach wach liegen, vielleicht zuerst mit einem Buch zum ansehen.

Was machen wenn euer Kind aufsteht – zu Euch kommt oder laut ist? Beruhigt es, bringt es wieder ins Bett, wir haben das hunderte Male gemacht –  Egal wie gut oder schlecht das alles am Anfang klappt, wenn Ihr durchhaltet wird es so mit der Zeit zu einem festen Ritual auf das sich die Kinder und Ihr verlassen könnt. Die Zeit ist auf eurer Seite 🙂 Natürlich gibt es noch viele viele andere Abendabläufe und Möglichkeiten wie Eltern das machen, findet eueren Weg.

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Als Vater vorlesen, bindet und beruhigt Dein Kind. Copyright: Yastremska bigstockphoto,

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Und, Was macht der Kinderarzt, wenn mein Kind nicht einschlafen kann?

Bei Schlafproblemen ist Euer Kinderarzt ein guter Ansprechpartner. Wenn Du gut vorbereitet in die Praxis gehen möchtest, kannst Du über circa zwei Wochen ein Schlafprotokoll anfertigen. Dazu schreibst Du genau auf, wann Dein Kind ins Bett geht, wie lange es zum Einschlafen braucht, eventuelle Probleme und die Schlafdauer in der Nacht. Notiere es auch jedes Mal, wenn Dein Kind in der Nacht aufwacht. So bekommt der Kinderarzt einen guten Überblick über Eure aktuelle Situation.

Falls er noch Fragen hat, händigt er Dir eventuell einen standardisierten Fragebogen zum Thema Schlafen aus. Im Anschluss wird er Deine Tochter oder Deinen Sohn gründlich körperlich untersuchen. Falls die Diagnose weiterhin unklar ist und Ihr erheblich unter der Situation leidet, kann der Kinderarzt eine sogenannte Polysomnographie, eine Untersuchung im Schlaflabor, organisieren.

Was passiert im Schlaflabor?

Gut ausgestattete Kinderkliniken verfügen über ein sogenanntes Schlaflabor. Es handelt sich um einen abgedunkelten Raum, der über verschiedene neurologische Messgeräte verfügt. Hier verbringt Dein Kind eine Nacht mit Dir zusammen, um seinen Schlaf durch eine Polysomnographie überwachen zu lassen.

Der betreuende Schlafmediziner misst die Schlaftiefe, den Schlafverlauf und die Qualität des Schlafes. Zu diesem Zweck schließt er den kleinen Patienten an ein EEG-Gerät (Messung der Hirnströme) und ein EKG-Gerät an. Er zeichnet die Atmung samt Nebengeräuschen und den Herzschlag auf, ebenso die Muskelspannung, die Körpertemperatur, die Augenbewegungen, Bewegungen und Lage des Körpers sowie die Sauerstoffsättigung im Blut. All diese Maschinen werden für Dein Kind zuerst ungewohnt sein, aber da nichts davon wehtut und Du dabei sein kannst, schlafen die meisten Kinder nach einer Weile trotzdem ein. Am nächsten Morgen kann der spezialisierte Kinderarzt das detailliert aufgezeichnete Schlafprofil auswerten und eventuelle Auffälligkeiten bestimmen.

Kann ich meinem Kind Schlafmittel geben?

Medikamente aus der Schulmedizin wird der Kinderarzt bei Schlafstörungen nur sehr selten einsetzen, Eltern sollten solche Mittel auf garkeinen Fall an Ihre Kinder geben. Sie nehmen einen zu starken Einfluss auf den wachsenden Organismus. Dein Kind findet nicht in den Schlaf, weil eine begrenzte Ausnahmesituation vorliegt? Dann probiere es doch mit einer Tasse Kamillentee vor dem Schlafen oder lass Dich von einem Homöopathen beraten.

Woran merke ich, dass mein Kind zu wenig Schlaf bekommt?

Ein Kind findet nicht in den Schlaf und ist dann man nächsten Tag müde, sollte man denken. Das ist aber nicht immer so. Kinder im Kindergartenalter reagieren oft ganz anders auf Schlafmangel. Sie werden völlig überdreht, sind nur noch albern und können sich nicht konzentrieren. Vielleicht hört Dein Kind auch plötzlich schlechter auf Dich oder verhält sich aggressiv gegenüber Geschwistern und Freunden. Manche Kinder holen den Schlaf in der Kita nach und sind dann am Abend wieder nichts ins Bett zu bekommen. Hier helfen nur gute Absprachen zwischen Dir und den Betreuern in der Kita, um den Schlafrhythmus Deines Kindes wieder in die gewohnten Bahnen zu lenken.

Quellen und Literatur:

Thomas Baumann, Atlas der Entwicklungsgeschichte: Vorsorgeuntersuchung von U1 bis U10/J1, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2015

auf Netpapa® schreibt

Jessica Kilonzo, Fachärztin für Kinderheilkunde

Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Sie schreibt als Autorin und Experte über die Gesundheit von Kindern und kann komplexe medizinische Sachverhalte klar und verständlich für unsere Leser darstellen.


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