Coronavirus Krise und was Eltern jetzt tun müssen

Dr. rer. medic. Harald Stephan: So kommt die Familie durch die Corona Zeit:

 

Auch das noch: Papa muss ins Home Office, die Schule hat geschlossen und Mama kommt nach der Arbeit Corona-genervt nach Hause. Stehen Familien jetzt vor einer familiären Krise? Nö, nicht mit uns. Wir sprechen heute mit Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und zeigen Euch was er Familien in der Corona Krise rät.

Wie ihr als Eltern jetzt mit der Corona-Infektion in euerer Familie umgehen könnt und wie ihr euere Kinder in dieser besonderen Situation gut vorbereitet:

Dr. rer. medic. Harald Stephan:

Corona: Wie sage ich es meinem Kind?

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt nur über Corona zu sprechen, wenn ein Kind konkret danach fragt. Dabei sollten Sie ruhig und sachlich bleiben. Würde Papa auf eine solche Frage unsicher oder gar panisch reagieren, würde sich das auf das Kind übertragen.

Denken Sie daran: Sagen Sie Ihrem Kind immer die Wahrheit – aber nicht immer die ganze. Wir wollen keine Alpträume provozieren, oder? Grundsätzlich empfiehlt es sich, bei Kindern bis zu drei Jahren das Thema möglich zu vermeiden. Zwischen dem dritten und zehnten Lebensjahr gilt es vor allem gelassen zu reagieren und ruhig zu bleiben. Ab dem zehnten Lebensjahr kann man über Corona genauso reden wie mit einem Erwachsenen.

In der Coronakrise zusammenhalten Copyright: Standret, bigstockphoto

Kinder werden nur selten ernsthaft krank

Im Internet kursiert das Gerücht, dass sich Kinder überhaupt nicht mit Coronavirus anstecken. Das ist falsch – eine Infektion ist in jeder Altersstufe möglich. Allerdings sind die Beschwerden im Kindesalter fast durchweg sehr mild, und viele bleiben ohne Symptome.

Eine großangelegte Studie der chinesischen Corona-Epidemie hat ergeben, dass nur zwei Prozent der klinisch manifesten Fälle unter 18 Jahren alt war. Und von denen nahmen nur drei Prozent einen kritischen Verlauf. Was man ebenfalls nicht vergessen sollte:

Eine Gefahr für Kinder mit angeborenen und chronischen Atemwegserkrankungen ist nach derzeitigem Stand des Wissens nicht auszuschließen. Bei Mukoviszidose oder Asthma ist es in jedem Falle sinnvoll vorzubeugen und Abstand zu halten.

Infiziert heisst immer ansteckend

Auch infizierte, beschwerdefreie Kinder sind ansteckend. Das größte Risiko tragen gegebenenfalls Opa und Oma. Sind sie bereits älter oder gehören zu einer der Risikogruppen mit Atemwegserkrankungen, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder gar Krebs, ist die Gefahr eines schweren und möglicherweise tödlichen Verlaufes besonders hoch.

Brüderchen unterwegs? Entwarnung!

Nach derzeitigem Stand der Erkenntnis besteht für schwangere Frauen keine erhöhte Gefahr für einen gefährlichen Verlauf. Eine COVID-19-Erkrankung ähnelt der von nicht Schwangeren. Zudem gibt es bisher keine Daten über eine mögliche Gefährdung der Leibesfrucht durch eine SARS-CoV-2-Infektion der Mutter oder eine Übertragung auf den Embryo. Trotzdem sollten sich werdende Mütter wie alle anderen an die Sicherheitsvorkehrungen zur Vermeidung einer Infektion halten.

Kinder und Partnerin umarmen oder küssen ist erlaubt

Wenn nicht gerade eine Infektion bereits bekannt ist. Ansonsten lässt sich eine Infektion auch ohne Umarmen und küssen kaum vermeiden, wenn man viele Stunden am Tag gemeinsam in geschlossenen Räumen verbringt.

Kein Impfstoff – Vorsorge ist umso wichtiger!

Bisher steht kein Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus zur Verfügung, sodass man sich auf die Maßnahmen zur Vermeidung einer Infektion und die Linderung der Beschwerden bei erfolgter Ansteckung beschränken muss. Daher ist es so wichtig, die Infektionszahlen so gering wie möglich zu halten, denn die Anzahl der Intensivbetten und Beatmungsplätze wird darüber entscheiden, wie effektiv unser Gesundheitssystem mit der Corona-Pandemie fertig wird.

Haustiere sind keine Überträger

Zumindest gibt es bisher keine Hinweise. Allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, dass das Virus ursprünglich von Tieren, nämlich Fledermäusen stammt. Hund, Katze und Wellensittich sollten kein Problem darstellen. Streicheln ist also nach wie vor erlaubt.

Ansteckung über Gegenstände wenig wahrscheinlich

Türklinken, Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln oder die Handläufe von Rolltreppen sind in ständigem Gebrauch und eine mögliche Infektionsquelle, wenn kurz zuvor eine infizierte Person sie mit vollgehusteten Fingern angefasst hat.

Dagegen muss man bei Spielsachen, Bargeld oder den Brötchen beim Bäcker deutlich weniger Bedenken haben. Das Virus trocknet relativ schnell aus und ist dann nur noch in Form seines Erbgutes nachweisbar. Infektiös ist dieses aber nicht. Ähnliches gilt bei Lebensmitteln und anderen Gütern, die aus Risikogebieten wie China stammen. Man muss bedenken, dass für eine Infektion immer eine gewisse Anzahl von Viruspartikeln notwendig ist. Daher ist eine Ansteckung über Lebensmittelpackungen und ähnliches äußerst unwahrscheinlich.

Kinder und Infektionsschutz – ein schwieriges Thema

Die Regeln des Infektionsschutzes sind bei kleinen Kindern schwer einzuhalten: Hautkontakt mit anderen Kindern, das Niesen in die Armbeuge, Abstand halten und das Vermeiden von Berührungen der Hände mit den Schleimhäuten von Mund, Nase und Auge lassen sich kaum vermeiden. Umso wichtiger sind regelmäßiges Händewaschen und die Vermeidung außerfamiliärer sozialer Kontakte, auch wenn das gerade Kindern besonders schwerfällt.

Beim Händewaschen auf Hautschutz achten!

Auch für Kinder gilt, dass das intensive Händewaschen mit flüssiger Seife für mindestens zwanzig Sekunden ausreicht. Alkoholische Desinfektionslösungen sind in der Regel nicht notwendig. Achten Sie darauf, dass die Haut nicht durch das häufige Waschen austrocknet.

Hier ist gegebenenfalls eine Bodylotion oder eine Handcreme sinnvoll. Wenn Sie unbedingt auf Nummer sicher gehen wollen und auf eine alkoholische Desinfektion bestehen, gilt das umso mehr. Zudem müssen Sie daran denken, dass Desinfektion vor Waschen geht: Im Zweifelsfalle lieber nur desinfizieren und auf Händewaschen verzichten. Wasser verdünnt das Desinfektionsmittel und macht es unwirksam. Zudem trocknet der Alkohol die Haut noch schneller aus, wenn sie zuvor mit Wasser und Seife aufgeweicht wurde.

Immunsystem stärken ist wichtig!

Eigentlich ist das eine Binsenweisheit, die ungeachtet von Corona gelten sollte. Viel draußen an der frischen Luft verbringen, viel frisches Obst und Gemüse essen stärken das Immunsystem und helfen dabei, dass das Virus einem Kind wenig anhaben kann. Das gilt natürlich ebenso für Mama und Papa. Wenn man schon wegen der drohenden Ausgangssperre und Social Distancing nicht in die Innenstädte gehen mag, sollte man Möglichkeiten wie den eigenen Garten oder Balkon so gut nutzen wie es geht.

Sollte ich meine Kinder auf Corona testen lassen?

Momentan ist ein Corona-Test nur sinnvoll, wenn das Kind Kontakt mit möglicherweise infizierten Personen (insbesondere nach Auslandsaufenthalten in Risikogebieten wie China oder Italien) hatte oder erhebliche Erkältungssymptome zeigt.

Wenn die Erkrankungszahlen in Deutschland weiter ansteigen, wird früher oder später ohnehin eine möglichst flächendeckende Testung eingeführt. Gegebenenfalls entscheidet der Kinderarzt über einen Corona-Test. Denken Sie daran, dass Sie bei Verdacht auf Coronavirus nicht direkt bei Ihrem Kinderarzt in die Praxis spazieren sollten, sondern vorher mit ihm telefonischen Kontakt aufnehmen. Alternativ können Sie sich beim ärztlichen Bereitsschaftsdienst (116117) oder örtlichen Gesundheitsamt melden (dessen Rufnummer bekommen Sie anhand der Postleitzahl auf https://tools.rki.de/plztool) und die weitere Vorgehensweise abklären. Übrigens: Einen Schnelltest für einen Corona-Test zu Hause gibt es bislang nicht.

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Daheim aktiv bleiben!

Home Office und Schule zu darf nicht zum familiären Super-GAU werden. Soziale Kontakte sind heutzutage auch über Social Media und Whatsapp möglich. Die Kinder sind vermutlich sogar dankbar, wenn Papa ihnen etwas mehr Zeit als sonst für Facetime und Internet zur Verfügung stellt als unter normalen Umständen.

Natürlich sollte man sich nicht auf die digitale Welt beschränken. Spielen und Basteln mit der ganzen Familie macht garantiert ebenso viel Spaß. Oder gemeinsames Kochen und neue Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon aussäen. Machen Sie das Beste aus der Krise und sorgen Sie für neue alte Seiten im Familienleben.

Schule geschlossen: Zum Lernen motivieren!

Schulunterricht kann man nicht einfach nachkochen. Hat man durch die Schließung der Schule viel Zeit zur Verfügung, ist es sinnvoll das Lernen über den Tag zu verteilen.

Trotzdem ist es wichtig für das Familienleben, den Tag sinnvoll zu gliedern mit Aufstehen, Mahlzeiten, Spielen und Lernen. Erstellen Sie ruhig einen Tagesplan und hängen Sie ihn gut sichtbar auf. Schulfrei ist kein Lernfrei – ebenso wie Home Office für Papa nicht bedeutet, dass er Urlaub macht.

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Quellen, Links und weiterführende Literatur