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Wie Du mit Bauchschmerzen beim Baby umgehst – Koliken, Blähungen und Schreibabys

Die ganze nach Nacht schreit dein Baby? Du läufst mit Deinem schreienden Baby auf dem Arm durch die Wohnung. Singen hilft nicht, beruhigend sprechen hilft nicht, ins Bettchen legen hilft auch nicht. Du hast das Gefühl, dass Dein Kopf ebenso rot aussieht, wie der Deines aufgelösten Kindes und am liebsten würdest Du einfach mit weinen. Koliken, Blähungen oder Bauchschmerzen – Was hat das Baby nur?

So wie es die Beine beim Schreien anzieht, könnten es Bauchschmerzen sein. Blähungen vielleicht oder Koliken? Aber wo kommen die her und was kannst Du dagegen unternehmen? Dieser Ratgeber stellt die häufigsten Ursachen für Bauchschmerzen beim Baby vor und gibt Dir Tipps, wie Du Deinem Kind helfen kannst.

Bauchschmerzen baby
Ursachen Bauchschmerzen und Schreien nach dem Stillen?

Bauchschmerzen beim Baby sind häufig

Schon Säuglinge verarbeiten viele Erkrankungen und Gefühle über den Bauch. Dein Baby kann Dir noch nicht sagen, wo es ihm wehtut. Zieht es die Beinchen an und schreit ganz jämmerlich, gehst Du meist von Bauchschmerzen aus.

Häufig sind einfach Blähungen, Verstopfung oder eine Darminfektion die Ursache für die Beschwerden. Eine Blinddarmentzündung oder eine Invagination (Einstülpung des Darms) tritt im Vergleich nur selten auf. Schmerzen im Bauch bedeuten nicht immer, dass ein Bauchorgan erkrankt ist.

Auch eine Mittelohrentzündung oder eine Lungenentzündung kann sich so äußern. In erster Linie ist es wichtig, dass Du bei Bauchschmerzen mit Deinem Baby zum Kinderarzt gehst, damit er akut behandlungsbedürftige Diagnosen ausschließen kann.

Bauchschmerzen oder die Symptome eines Schreibabys – Copyright: StockPhotosArt bigstockphoto

Eine Regulationsstörung besteht nicht nur aus Blähungen

Lange Zeit waren die Begriffe Koliken und Blähungen wichtige Schlagwörter in der Babypflege. Wenn ein Baby trotz guter Gesundheit überdurchschnittlich laut und lange schrie, begründeten Ärzte dies mit einem noch unreifen Verdauungssystem.

Info: 3-Monats-Koliken haben ihren Namen bekommen, da sie in den ersten drei Lebensmonaten bei vielen Babys auftreten. Sie zeigen an, dass die Darmflora sich erst noch ausbalancieren muss und vergehen ohne Spätfolgen.

Dreimonatskoliken oder Schreibaby?

Dreimonatskoliken waren eine häufige Diagnose, angeblich verursacht durch Blähungen. Heute sehen Kinderärzte Bauchschmerzen bei Säuglingen anders.

Sie bezeichnen Babys, die

  • über mehr als drei Wochen schreien,
  • an mindestens drei Tagen in der Woche schreien,
  • täglich mehr als drei Stunden massiv schreien und nicht zu beruhigen sind,

mit der Bezeichnung Schreibaby.

Diese Art von Verhalten definieren Mediziner als sogenannte Regulationsstörung. Leidet Dein Kind an dieser Symptomatik, hat es noch nicht gelernt, sich alleine zu beruhigen. Es braucht Deine Hilfe, ist aber gleichzeitig leicht zu irritieren und schnell von äußeren Reizen überfordert. Exzessives Schreien führt zum Verschlucken von Luft, was wiederum Blähungen und Koliken (Darmkrämpfe) auslösen kann. Die Darmbeschwerden sind also ein Resultat der Regulationsstörung und nicht die Ursache.

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Bauchschmerzen und die Symptome eines Schreibabys

Natürlich schreit jedes Baby, da es sich in den ersten Lebensmonaten noch nicht anders ausdrücken kann. Beim ersten Baby bist Du sicherlich noch sehr gestresst, beim zweiten Kind dann schon deutlich entspannter. Wann ist ein Baby also ein Schreibaby? Meist kommt das Weinen ganz plötzlich. Dein Säugling hat einen roten Kopf und sieht sehr aufgebracht aus. Die kleinen Hände sind zu Fäusten geballt und Dein Baby zieht seine Knie ganz eng an den Bauch. Der Bauch selbst ist gebläht von der verschluckten Luft und schmerzt.

Wann ein Schreibaby schreit

Du möchtest sicherlich wissen, wann Du mit einer Besserung Eurer Situation rechnen kannst, wenn Du ein Schreibaby zu Hause hast. Zunächst haben Untersuchungen ergeben, dass schon Neugeborene ab einem Alter von zwei Wochen an Regulationsstörungen leiden können.

Statistisch gesehen schreien die meisten betroffenen Babys am späten Nachmittag und in der ersten Nachthälfte. In den ersten zwei Lebensmonaten sind etwa 16 Prozent der Kinder Schreibabys. Bis zum sechsten Monat sind es dann lediglich noch sechs Prozent und später schreien noch zweieinhalb Prozent der Säuglinge mehr und häufiger als normal.

Körperkontakt mit dem Vater, Copyright: Milkos bigstockphoto

Risikofaktoren für Regulationsstörungen

Bauchschmerzen beim Baby, die im Rahmen von Regulationsstörungen auftreten, quälen Eltern und Kind. Als Papa fühlst Du Dich hilflos, wenn Du Deinen Säugling nicht beruhigen kannst. Du bist erschöpft, weil Du nicht genug Schlaf bekommst und das Geschrei eines Babys bringt wirklich jeden Menschen aus der Ruhe. Deine Gefühle gibst Du automatisch an Dein Kind weiter, das sehr feine Antennen für die Gemütslage seiner Eltern hat.

Es reagiert unweigerlich mit erneutem Geschrei und es entsteht ein Teufelskreis. Denke bitte immer daran, dass Du nicht die Ursache für das Verhalten Deines Babys bist. Du kannst es im ungünstigen Fall nur verstärken. Ein echter Risikofaktor ist das Passivrauchen.

Ein paar Fakten zu Schreibabys

Leider kannst Du Dein Schreibaby mit Herumtragen und Kuscheln nicht beruhigen. Es macht wohl auch keinen Unterschied, ob Du Dein Kind mit der Flasche fütterst oder ob deine Partnerin es stillt. Regulationsstörungen bei Babys treten in allen Ländern auf und haben scheinbar nichts mit der jeweiligen Kultur zu tun.

Wie Du Deinem Schreibaby bei Regulationsstörungen helfen kannst

Tief durchatmen und ruhig bleiben ist das Beste, was Du tun kannst. Leg Dir ein Papa-Mantra zu. Denk daran, dass auch diese Phase wieder vorbeigeht. Dein Baby möchte Dich nicht ärgern. Es ist klein, besonders sensibel und braucht Deine Hilfe. Es muss die Selbstregulation erst noch lernen.

Gib Deinem Kind viel Körperkontakt und versuche es mit langsamen gleichmäßigen Bewegungen oder Geräuschen zu beruhigen. Wechsel nicht zu oft die Methode. Halte möglichst täglich die gleiche Routine im Tagesablauf ein. Bade Dein Baby und massiere es anschließend mit warmem Öl. Mute ihm ruhig auch Umgebungsgeräusche zu, übertreibe es mit den Reizen aber nicht.

Bauchmassagen gegen Koliken und Schmerzen, Copyright: oksun70 bigstockphoto

Fragen an den Kinderarzt:

Wann sollte ich mein Baby mit Bauchschmerzen dem Kinderarzt vorstellen?

Bauchschmerzen beim Baby können viele unterschiedliche Ursachen haben. Erstmal ist es daher wichtig, schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Euer Kinderarzt hat viel Erfahrung mit diesem Thema, da Bauchschmerz einer der häufigsten Vorstellungsgründe in seiner Praxis ist. Bitte geh rasch mit Deinem Kind zu einem Kinderarzt, wenn folgende Symptome vorliegen:

  • plötzlich auftretende, massive Bauchschmerzen
  • ein harter Bauch
  • zusätzlich zu den Schmerzen hohes Fieber, Durchfall oder Erbrechen
  • allgemein ein schlechter Zustand Deines Babys
  • blutiger Stuhlgang
  • Bauchschmerzen, die immer wieder über Tage oder Wochen auftreten

Darf ich meinem Baby bei Bauchschmerzen Medikamente geben?

Da hinter Bauchschmerzen alles von Blähungen bis hin zu einer Lungenentzündung stecken kann, ist es besser erst zum Kinderarzt zu gehen. Er wird Dein Baby untersuchen, die richtige Diagnose stellen und Dich dann zu den notwendigen Medikamenten beraten.

Wo kann ich Hilfe finden, wenn ich ein Schreibaby habe?

Auch wenn Du ein geduldiger und liebevoller Papa bist, kannst Du irgendwann nicht mehr. Euer Kinderarzt ist der erste Ansprechpartner. Er stellt die Diagnose und schließt andere Erkrankungen, die Bauchschmerzen beim Baby verursachen können aus. Der Kinderarzt kann Euch als Familie in eine sogenannte Schreiambulanz überweisen. Dort stehen Euch Profis mit Rat und Tat zur Seite.

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5 Tipps gegen das Bauchweh

Viele Babys leiden unter der 3-Monats-Kolik und die Eltern wissen bei anhaltendem Weinen und Schreien nicht mehr weiter. Ist auch Dein Baby von Bauchweh betroffen, kannst Du dem kleinen Schützling mit einigen Tipps helfen, die Schmerzen besser zu ertragen, beziehungsweise seltener entstehen zu lassen. Im Zweifel solltest Du allerdings immer den Kinderarzt aufsuchen, um ernste Magen-Darm-Erkrankungen auszuschließen.

Tipp 1: Mütterliche Ernährungsgewohnheiten bei Stillkindern überprüfen

Bekommt das Baby die Brust und leidet nach dem Stillen regelmäßig an Bauchschmerzen, kann die Zusammensetzung der Muttermilch ein möglicher Auslöser der Beschwerden sein. Es gibt eine Reihe blähender Lebensmittel, deren Inhaltsstoffe auch in die mütterliche Milch übergehen. Kann der junge Darm diese noch nicht verarbeiten, hat das Baby Bauchweh nach dem Stillen.

Zu diesen Lebensmitteln zählen:

  • Hülsenfrüchte (also zum Beispiel Erbsen, weiße/rote Bohnen, Sojabohnen)
  • Kohl
  • Zwiebeln
  • Schokolade

Es ist daher für Mütter eine Überlegung wert, versuchsweise auf diese Dinge zu verzichten und zu beobachten, ob sich die Bauchschmerzen des Kindes bessern. Ist dem so, sollte für einige Monate der Konsum der blähenden Lebensmittel eingestellt werden.

Tipp 2: Stillkinder richtig anlegen

Nicht nur die Inhaltsstoffe der Muttermilch können es dem kleinen Verdauungstrakt schwer machen. Aus dem Erwachsenenleben kennst Du es sicher, dass wir bei zu viel geschluckter Luft hörbar aufstoßen müssen. Durch diesen Druckausgleich gelangt die Luft nicht in den Darmtrakt und kann dort nicht zu Schmerzen führen. Ein Baby mit Bauchweh leidet häufig an zu viel Darmluft und dieses Risiko lässt sich mit drei einfachen Dingen schmälern:

  • Das Kind sollte in Ruhe Bauch an Bauch mit der Mutter liegen, wenn es trinkt.
  • Zudem sollte die Mutter darauf achten, dass die Brustwarze komplett vom Mund des Babys umschlossen wird.
  • Das berühmte Tätscheln des Rückens nach dem Stillen sollte durch ein Bäuerchen die doch aufgenommene Luft entlassen.

Tipp 3: Anti-Kolik-Flaschen für abgestillte Kinder

Ein Baby mit Bauchweh leidet häufig auch an der falschen Methode der Flaschenfütterung. Vor allem die Kinder, deren Mütter aus verschiedenen Gründen nicht oder nicht lange die Brust geben können, sind noch sehr jung und schnell von der Handhabung der Flasche überfordert.

Hier ist es ratsam, wenn Du eine sogenannte Anti-Kolik-Flasche kaufst. Sie zeichnet sich durch eine Form aus, bei der die Milch sehr gleichmäßig austritt. Dein Baby muss entsprechend nicht zu stark saugen und schluckt kaum Luft.

Einfache Anti-Kolik-Flaschen arbeiten mit Ventilationslöchern. Die Löcher befinden sich im Flaschenboden und sorgen für den Druckausgleich innerhalb der Flasche. Zu kaufen gibt es auch Flaschen mit speziellem Saugkopf. Der Kopf ist ideal für die Lippen geformt, besitzt eine Einbuchtung für die Zunge und eine Lochung.

Eine weitere Möglichkeit, um Baby-Bauchweh durch falsche Flaschennutzung zu verhindern: Anti-Kolik-Flaschen mit einem integriertem Plastikbeutel. Dieser sitzt im Inneren der Konstruktion und zieht sich wie eine Milchdrüse zusammen. So wird das Trinken aus der Flasche mehr an die Natur angelehnt.

Übrigens: Egal, welche Flasche Du Deinem Baby anbietest, das Schütteln ist tabu. Dabei entstehen kleine Luftbläschen innerhalb der Milch und diese landen im Magen-Darm-Trakt.

Tipp 4: Wärme und Nähe gegen das Baby-Bauchweh

Die bislang genannten Tipps sollen künftigen Bauchschmerzen vorbeugen. Du kannst jedoch auch etwas tun, wenn Dein Baby akutes Bauchweh hat und eine zeitnahe Linderung gefragt ist. Ein bewährtes Mittel: Wärme.

Krämpfe und Blähungen lassen sich beruhigen, wenn Wärme zugeführt wird. Das sollte jedoch nicht zu schnell erfolgen. Am besten nutzt Du ein Kissen mit Kirsch- oder Dinkelkernen. Dieses kann in der Mikrowelle erwärmt und dann vorsichtig an den Bauch gehalten werden.

Hast Du die Möglichkeit, ist natürlich Deine Körperwärme das noch bessere Mittel. Dein Baby kann im Wickeltuch getragen oder beim Sitzen auf den Bauch gelegt die direkte Wärme von Mama oder Papa spüren. Das bringt nicht nur eine angenehme Temperatur, sondern beruhigt zugleich durch Nähe.

Bereits die Jüngsten reagieren stark auf beruhigende Gesten und Worte. Es kann das Bauchweh daher gut lindern, wenn Du Dein Baby leicht wiegst und ruhig mit ihm sprichst.

Tipp 5: Hilfsmittel wie Öl und Wiege

In vielen Apotheken finden Eltern spezielle Öle, die helfen sollen, die Luft im Darm schneller nach außen zu leiten. Sie werden daher auch verniedlichend als „Windöle“ bezeichnet. Sie werden wie Massageöle zwischen den Händen verteilt und gelangen mit sanfter Massage auf die Haut des Babys. Mit wenig Druck sollte im Uhrzeigersinn über den Bauch gestrichen werden.

„Zu anderen Arzneien solltest Du nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt greifen.“

So manches Baby mit Bauchweh möchte allerdings weder gestreichelt werden, noch beruhigt es sich nah am Körper. Hier können eine Hängematte oder Wiege helfen. Die Kinder werden instinktiv einen Körperhaltung einnehmen, die etwas entkrampft und durch das Schaukeln beziehungsweise Wippen schneller einschlafen. Oft sind die Bauchschmerzen nach dem Aufwachen erst einmal überstanden.

Oder lieber doch zum Kinderarzt?

Leidet Dein Baby unter Bauchweh und das Weinen sowie Schreien wollen über Tage nicht mehr enden, ist ein Besuch beim Arzt sinnvoll. Im Zweifel beruhigt er Dich, dass alles im normalen Rahmen einer 3-Monats-Kolik verläuft und nun Geduld gefragt ist.

Sofort zum Kinderarzt solltest Du, wenn zum Baby-Bauchweh auch noch Fieber jenseits der 38,5 Grad Celsius kommt.

 

Quellen und Literatur:

Letzte Aktualisierung am

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