Wie Du mit Bauchschmerzen beim Baby umgehst – Koliken, Blähungen und Schreibabys

Autorin: Jessica Kilonzo, Fachärztin für Kinderheilkunde

Seit einer halben Stunde läufst Du mit Deinem schreienden Baby auf dem Arm durch die Wohnung. Singen hilft nicht, beruhigend sprechen hilft nicht, ins Bettchen legen hilft auch nicht. Du hast das Gefühl, dass Dein Kopf ebenso rot aussieht, wie der Deines aufgelösten Kindes und am liebsten würdest Du einfach mit weinen. Koliken, Blähungen oder Bauchschmerzen – Was hat das Baby nur?

So wie es die Beine beim Schreien anzieht, könnten es Bauchschmerzen sein. Blähungen vielleicht oder Koliken? Aber wo kommen die her und was kannst Du dagegen unternehmen? Dieser Ratgeber stellt die häufigsten Ursachen für Bauchschmerzen beim Baby vor und gibt Dir Tipps, wie Du Deinem Kind helfen kannst.

Bauchschmerzen baby
Ursachen Bauchschmerzen und Schreien nach dem Stillen?

Bauchschmerzen beim Baby sind häufig

Schon Säuglinge verarbeiten viele Erkrankungen und Gefühle über den Bauch. Dein Baby kann Dir noch nicht sagen, wo es ihm wehtut. Zieht es die Beinchen an und schreit ganz jämmerlich, gehst Du meist von Bauchschmerzen aus.

Häufig sind einfach Blähungen, Verstopfung oder eine Darminfektion die Ursache für die Beschwerden. Eine Blinddarmentzündung oder eine Invagination (Einstülpung des Darms) tritt im Vergleich nur selten auf. Schmerzen im Bauch bedeuten nicht immer, dass ein Bauchorgan erkrankt ist.

Auch eine Mittelohrentzündung oder eine Lungenentzündung kann sich so äußern. In erster Linie ist es wichtig, dass Du bei Bauchschmerzen mit Deinem Baby zum Kinderarzt gehst, damit er akut behandlungsbedürftige Diagnosen ausschließen kann.

 

Eine Regulationsstörung besteht nicht nur aus Blähungen

Lange Zeit waren die Begriffe Koliken und Blähungen wichtige Schlagwörter in der Babypflege. Wenn ein Baby trotz guter Gesundheit überdurchschnittlich laut und lange schrie, begründeten Ärzte dies mit einem noch unreifen Verdauungssystem. Dreimonatskoliken waren eine häufige Diagnose, angeblich verursacht durch Blähungen. Heute sehen Kinderärzte Bauchschmerzen bei Säuglingen anders. Sie bezeichnen Babys, die

  • über mehr als drei Wochen,
  • an mindestens drei Tagen in der Woche,
  • täglich mehr als drei Stunden massiv schreien und nicht zu beruhigen sind,

als Schreibabys. Diese Art von Verhalten definieren Mediziner als sogenannte Regulationsstörung. Leidet Dein Kind an dieser Symptomatik, hat es noch nicht gelernt, sich alleine zu beruhigen. Es braucht Deine Hilfe, ist aber gleichzeitig leicht zu irritieren und schnell von äußeren Reizen überfordert. Exzessives Schreien führt zum Verschlucken von Luft, was wiederum Blähungen und Koliken (Darmkrämpfe) auslösen kann. Die Darmbeschwerden sind also ein Resultat der Regulationsstörung und nicht die Ursache.

Bauchschmerzen und die Symptome eines Schreibabys

Natürlich schreit jedes Baby, da es sich in den ersten Lebensmonaten noch nicht anders ausdrücken kann. Beim ersten Baby bist Du sicherlich noch sehr gestresst, beim zweiten Kind dann schon deutlich entspannter. Wann ist ein Baby also ein Schreibaby? Meist kommt das Weinen ganz plötzlich. Dein Säugling hat einen roten Kopf und sieht sehr aufgebracht aus. Die kleinen Hände sind zu Fäusten geballt und Dein Baby zieht seine Knie ganz eng an den Bauch. Der Bauch selbst ist gebläht von der verschluckten Luft und schmerzt.

Wann ein Schreibaby schreit

Du möchtest sicherlich wissen, wann Du mit einer Besserung Eurer Situation rechnen kannst, wenn Du ein Schreibaby zu Hause hast. Zunächst haben Untersuchungen ergeben, dass schon Neugeborene ab einem Alter von zwei Wochen an Regulationsstörungen leiden können. Statistisch gesehen schreien die meisten betroffenen Babys am späten Nachmittag und in der ersten Nachthälfte. In den ersten zwei Lebensmonaten sind etwa 16 Prozent der Kinder Schreibabys. Bis zum sechsten Monat sind es dann lediglich noch sechs Prozent und später schreien noch zweieinhalb Prozent der Säuglinge mehr und häufiger als normal.

Risikofaktoren für Regulationsstörungen

Bauchschmerzen beim Baby, die im Rahmen von Regulationsstörungen auftreten, quälen Eltern und Kind. Als Papa fühlst Du Dich hilflos, wenn Du Deinen Säugling nicht beruhigen kannst. Du bist erschöpft, weil Du nicht genug Schlaf bekommst und das Geschrei eines Babys bringt wirklich jeden Menschen aus der Ruhe. Deine Gefühle gibst Du automatisch an Dein Kind weiter, das sehr feine Antennen für die Gemütslage seiner Eltern hat.

Es reagiert unweigerlich mit erneutem Geschrei und es entsteht ein Teufelskreis. Denke bitte immer daran, dass Du nicht die Ursache für das Verhalten Deines Babys bist. Du kannst es im ungünstigen Fall nur verstärken. Ein echter Risikofaktor ist das Passivrauchen.

 

Ein paar Fakten zu Schreibabys

Leider kannst Du Dein Schreibaby mit Herumtragen und Kuscheln nicht beruhigen. Es macht wohl auch keinen Unterschied, ob Du Dein Kind mit der Flasche fütterst oder ob deine Partnerin es stillt. Regulationsstörungen bei Babys treten in allen Ländern auf und haben scheinbar nichts mit der jeweiligen Kultur zu tun.

 

Wie Du Deinem Schreibaby bei Regulationsstörungen helfen kannst

Tief durchatmen und ruhig bleiben ist das Beste, was Du tun kannst. Leg Dir ein Papa-Mantra zu. Denk daran, dass auch diese Phase wieder vorbeigeht. Dein Baby möchte Dich nicht ärgern. Es ist klein, besonders sensibel und braucht Deine Hilfe. Es muss die Selbstregulation erst noch lernen.

Gib Deinem Kind viel Körperkontakt und versuche es mit langsamen gleichmäßigen Bewegungen oder Geräuschen zu beruhigen. Wechsel nicht zu oft die Methode. Halte möglichst täglich die gleiche Routine im Tagesablauf ein. Bade Dein Baby und massiere es anschließend mit warmem Öl. Mute ihm ruhig auch Umgebungsgeräusche zu, übertreibe es mit den Reizen aber nicht.

 

 

Fragen an den Kinderarzt: Bauchschmerzen beim Baby

Wann sollte ich mein Baby mit Bauchschmerzen dem Kinderarzt vorstellen?

Bauchschmerzen beim Baby können viele unterschiedliche Ursachen haben. Erstmal ist es daher wichtig, schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Euer Kinderarzt hat viel Erfahrung mit diesem Thema, da Bauchschmerz einer der häufigsten Vorstellungsgründe in seiner Praxis ist. Bitte geh rasch mit Deinem Kind zu einem Kinderarzt, wenn folgende Symptome vorliegen:

  • plötzlich auftretende, massive Bauchschmerzen
  • ein harter Bauch
  • zusätzlich zu den Schmerzen hohes Fieber, Durchfall oder Erbrechen
  • allgemein ein schlechter Zustand Deines Babys
  • blutiger Stuhlgang
  • Bauchschmerzen, die immer wieder über Tage oder Wochen auftreten

Darf ich meinem Baby bei Bauchschmerzen Medikamente geben?

Da hinter Bauchschmerzen alles von Blähungen bis hin zu einer Lungenentzündung stecken kann, ist es besser erst zum Kinderarzt zu gehen. Er wird Dein Baby untersuchen, die richtige Diagnose stellen und Dich dann zu den notwendigen Medikamenten beraten.

Wo kann ich Hilfe finden, wenn ich ein Schreibaby habe?

Auch wenn Du ein geduldiger und liebevoller Papa bist, kannst Du irgendwann nicht mehr. Euer Kinderarzt ist der erste Ansprechpartner. Er stellt die Diagnose und schließt andere Erkrankungen, die Bauchschmerzen beim Baby verursachen können aus. Der Kinderarzt kann Euch als Familie in eine sogenannte Schreiambulanz überweisen. Dort stehen Euch Profis mit Rat und Tat zur Seite.

 

Quellen und Literatur:
– Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005
– Schönau et.al., Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie, Urban & Fischer München, 2005

 

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