Anzeichen einer Alkoholsucht bei Jugendlichen  
 Hilfe  und Behandlung

Jugendliche schlagen beim Thema Alkohol gerne mal über die Stränge. Das gehört zum normalen Entwicklungsprozess eines Teenagers, der sich sozusagen in der Selbstfindungsphase wähnt.

Alkoholsucht bei Jugendlichen
Gruppengespräche bei der Alkoholtherapie mit Jugendlichen Copyright: Kasia Bialasiewicz bigstockphoto

Die jungen Menschen müssen probieren und ihre Grenzen kennenlernen. Doch was passiert, wenn eine junge Person abdriftet und zum Alkoholiker wird? Denn Alkoholsucht bei Jugendlichen ist keinesfalls abwegig. Wie Du die Sucht erkennen kannst und welche Hilfen und Behandlungsmethoden es gibt, kannst Du in diesem Artikel erfahren.

Alarmstufe Rot – Hinweise auf die Alkoholsucht eines Jugendlichen

Junge Leute feiern gerne. Dagegen ist erst einmal nichts einzuwenden. Wenn also Dein Sprössling beschwipst nach Hause kommt, musst Du nicht gleich ausrasten.

Aus Kindern werden Jugendliche, die ihr Limit erst noch kennenlernen müssen. Da kann so ein kleiner Unfall schon einmal passieren. Selbst wenn Dein Sohn oder die Tochter öfter einmal leicht angeheitert von der Party zurückkehrt, ist das noch lange kein Grund zur Beunruhigung. Denke einmal an Deine Zeit als Teenager zurück.

Sicher fällt Dir die eine oder andere Situation ein, in der Du auch ein Glas zuviel hattest. Vielleicht solltest Du jedoch eine kleine Angetrunkenheit zum Anlass nehmen, ein Gespräch über den verantwortungsvollen Umgang mit alkoholischen Getränken zu halten.

Mache dabei klar, dass gelegentliches Feiern nichts ist, wofür es sich zu schämen gilt, dass regelmäßiger Alkoholkonsum jedoch sehr wohl Folgen für die Gesundheit haben kann. Wenn Du jedoch die Vermutung hast, dass es hier nicht um gelegentliche Partys geht, sondern um tagtäglichen Alkoholkonsum, dann ist es Zeit zu handeln.

Mögliche Symptome und Anzeichen für einen regelmäßigen Alkoholmissbrauch können sein:

  1. Wie auch bei Erwachsenen kann sich der Jugendliche schwer konzentrieren oder auch artikulieren, er versucht den Alkoholgeruch durch Mundwasser, Bonbons oder Kaugummi zu verstecken
  2. Jugendliche vernachlässigen ihre Pflichten, sie schwänzen Schule oder Ausbildung, feiern öfter krank und klagen über Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindelgefühle
  3. Ein plötzlicher Gewichtsverlust kann ein Anzeichen von regelmäßigem Alkoholmissbrauch sein, da das Hungergefühl unterdrückt wird und die Nährstoffe eingenommener Nahrung vom Körper nur schlecht verwertet werden kann. Hinzu kommen eine unnatürlich blasse Hautfarbe und gerötete Augen sowie unregelmäßiger Schlaf
  4. Das Verhalten von alkoholabhängigen Jugendlichen ändert sich ebenso rasch, wie das bei Erwachsenen. Depressionen und plötzliche Aggressivität sind dabei nur zwei Hinweise unter Vielen
  5. Kommt Dein Kind nicht mehr mit seinem Taschengeld oder Ausbildungsgehalt aus oder beklaut Dich sogar, ist das sicherlich ein weiteres Alarmzeichen. Denn Alkohol kostet Geld

Aus Alkoholmissbrauch kann Sucht entstehen!

Erkenne die Gefahr und handle!

Gerne verschließt Du als Elternteil die Augen vor den drohenden Damoklesschwert der Alkoholsucht bei Jugendlichen. Nur allzu oft wird das Trinken der jungen Erwachsenen als Feierlaune abgetan, belächelt und verharmlost.

Infos: www.kenn-dein-limit.info

Bitte halte Dir vor Augen, dass Alkoholismus lebensbedrohlich sein kann. Ein ständig angetrunkener Jugendlicher ist Ernst zu nehmen. Es wird natürlich schwer sein, den Betroffenen von seiner Krankheit und der Bedrohung dadurch zu überzeugen. Doch bevor Du voreilige Schlüsse ziehst, beobachte den Jugendlichen genau.

Denn allein die körperlichen Hinweise geben Aufschluss darüber, wie es um den Teenager steht.

Folgende Anzeichen für Alkoholmißbrauch helfen Dir dabei:

1.) Kommt der Jugendliche ständig angetrunken nach Hause? Lallt er oder zeigt Störungen in seinen Bewegungsabläufen?

2.) Klagt der Jugendliche häufig über Kopfschmerz und Übelkeit oder Schwindelgefühl? Wie steht es mit seiner Lichtverträglichkeit? Hält er sich am liebsten in abgedunkelten Räumen auf?

3.) Zittern die Hände des Jugendlichen ungewöhnlich stark und fast ständig?

4.) Wie ist die Gesichtsfarbe? Sind die Augen blutunterlaufen und weisen große Pupillen auf?

5.) Ist der Jugendliche plötzlich schlaflos und unruhig? Zeigt er außerdem Gleichgültigkeit zu jeder Thematik? Hat er auf nichts mehr Lust?

6.) Das plötzliche Vernachlässigen der Körperhygiene und ein schlampiges Erscheinungsbild kann ebenfalls als Hinweis für die Alkoholsucht bei Jugendlichen gewertet werden

Neben den körperlichen Anzeichen finden sich auch Veränderungen im sozialen Umfeld des Teenagers. Alte Freunde ziehen sich zurück und werden von weniger Vertrauenswürdigen ersetzt.

Die schulischen Leistungen lassen nach und der Jugendliche ist leicht reizbar und fahrig. Treffen mehrere Punkte der vorher genannten zu, ist es an der Zeit, sich Hilfe zu suchen. Denn alleine und ohne Entzug ist das Problem kaum in den Griff zu bekommen.

 

Ohne professionelle Hilfe wird es kaum gehen

Es gibt keinen Grund, das Problem zu verheimlichen oder zu verschweigen. Alkoholsucht bei Jugendlichen ist längst kein Tabuthema mehr. Die Thematik selbst angehen zu wollen, ist nicht nur darum der falsche Grund, sondern vor allem deswegen, weil ein Entzug gewisse Risiken mit sich bringt.

Sprich zunächst offen mit dem Jugendlichen über seine Erkrankung, denn genau das ist Alkoholismus. Versuche den Betroffenen davon zu überzeugen, dass er krank ist, und ärztliche Hilfe braucht. Hier brauchst Du Geduld und solltest auf keinen Fall hysterisch werden.

Höre Dir auch an, was der jugendliche Alkoholiker zu sagen hat und gehe auf seine Ängste und Sorgen ein. Ist dieser Schritt getan, steht der Gang zum Hausarzt an. Gehe auch hier offen mit dem Problem um. Verharmlose die Suchterkrankung nicht.

Der Arzt wird eine Einweisung in die Klinik vornehmen, und nach Möglichkeit darauf achten, dass es ein Krankenhaus ist, das sich auf junge Suchterkrankte spezialisiert hat. Hier wird der klinische Entzug meist stationär durchgeführt. Das heißt, der Jugendliche wird von erfahrenen Ärzten während des Entzuges beobachtet und betreut.

Um die Nebenwirkungen des Entzuges zu erleichtern, erhält der Teenager die passenden Medikamente, während seine Körperfunktion durchgehend überwacht wird, um Komplikationen auszuschließen.

Nach der Entgiftung ist es ratsam, dem Jugendlichen einen Therapieplatz in einer Klinik zu ermöglichen. Selbstverständlich kann eine Therapie auch bei einem spezialisierten Psychologen erfolgen, jedoch sind die Aussichten auf Erfolg ungleich höher, wenn sie in einer Klinik durchgeführt wird.

Alkoholtherapie
Gruppengespräche bei der Alkoholtherapie mit Jugendlichen Copyright: Kasia Bialasiewicz bigstockphoto

Denn neben dem Aufzeigen sinnvoller Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten, erfährt der Teenager außerdem, dass viele Menschen vom Suchtproblem betroffen sind. Eine stationäre Therapie dauert mehrere Wochen, in manchen Fällen sogar Monate. Gerade für schulpflichtige Jugendliche gibt es in speziellen Kliniken auch eine Art von Schulunterricht, um die Jungen und Mädchen wieder ans Alltagsleben zu gewöhnen.

Das Leben nach der stationären Therapie

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch Du Dein Leben umstellen musst, wenn Dein Kind unter Alkoholsucht leidet. Die Zeit nach der Therapie ist weder für die betroffene Person selbst, noch für die Familie einfach.

Es ist sehr wichtig, dass Du offen mit dem Thema umgehst. Es nach der Behandlung von der Tagesordnung zu streichen, ist der falsche Weg. Behalte Dein Kind auch nach der Therapie im Auge.

Denn Alkoholiker sind nie ganz von der Sucht befreit. Überall lauern Gefahren, die es einzudämmen gilt. So solltest Du auf das Verfeinern von Speisen und Kuchen mit Alkohol vollkommen verzichten. Schon der kleinste Schluck kann die Alkoholsucht bei Jugendlichen wieder zum Ausbruch bringen.

Achte außerdem auf einen geregelten aber nicht einengenden Tagesablauf und kontrolliere das auch gemeinsam mit der erkrankten Person. Findet gemeinsam einen Weg, der für Euch alle gut und passend ist. Bereite den Teenager auch auf das Zusammentreffen mit den Schulkameraden oder Arbeitskollegen vor.

Sicherlich ist das keine einfache und zugleich eine äußerst unangenehme Situation. Daher solltest Du Deine Hilfe anbieten. Begleite den Erkrankten die ersten paar Male zur Schule oder zum Arbeitsplatz. Er braucht jetzt Rückhalt, um nicht vor Angst und Verzweiflung wieder zur Flasche zu greifen.

Selbsthilfegruppen und Co

In fast jeder Stadt oder Gemeinde gibt es Selbsthilfegruppen. Die bekannteste ist sicher das „Blaue Kreuz“, das umgangssprachlich als die Gruppe der „Anonymen Alkoholiker“ fast schon zu Berühmtheit gekommen ist.

In jedem Fall ist der regelmäßige Besuch von Selbsthilfegruppen hilfreich und gut. Doch versuche herauszufinden, ob es nicht auch eine Vereinigung junger Alkoholiker gibt, die Dein Jugendlicher besuchen kann. Er wird sich unter fast Gleichaltrigen bestimmt wohler fühlen, als unter Erwachsenen.

Sprich mit dem Erkrankten, ob er Deine Begleitung zu den Treffen wünscht. Generell solltest Du Dich nicht vor Familientherapien und Gruppensitzungen drücken. Sie helfen auch Dir, das Geschehene besser zu verarbeiten und zu verstehen. Dazu ist der Umgang mit anderen Betroffenen und deren Familien eine Erleichterung, denn hier siehst Du: Ihr seid nicht allein mit dem Problem.

Ein paar Basics zum Abschluss

Von Alkoholismus sind laut einer Studie der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. immer mehr Jugendliche und sogar Kinder betroffen. Im Alter zwischen 12 und 17 Jahren hat lediglich ein Drittel aller Kinder noch keinen Alkohol getrunken.

Regelmäßiger Alkoholkonsum, der mindestens einmal wöchentlich stattfindet, ist in der Gruppe der Jugendlichen zwischen 16 und 17 Jahren keine Seltenheit. Dabei spielt das sogenannte „Binge Drinking“ eine große Rolle. Hier wird in kurzer Zeit eine große Menge Alkohol getrunken, was oft zu Alkoholvergiftungen führt, da die jungen Leute die Gefahr noch nicht einschätzen können.

Letztlich spielt das soziale Umfeld und die psychische Stabilität von Teenagern eine große Rolle, wenn es um Alkoholsucht bei Jugendlichen geht. Und auch der Gruppenzwang darf dabei nicht unterschätzt werden.

Es ist also mehr als gluckenhaftes Verhalten, wenn Du Dich dafür interessierst, mit wem Dein Kind seine Freizeit verbringt. Es ist wichtig, um Alarmzeichen früh deuten zu können. Letztlich ist es elementar, dem Kind das Gefühl zu geben, dass sich die Eltern für sein Leben und Tun interessieren. Vertrauen und ein liebevoller Umgang innerhalb der Familie sind die beste Prävention, wenn es um den Alkoholmissbrauch geht.

Trotzdem solltest Du Dir keine Vorwürfe machen, wenn Du dennoch eine Suchterkrankung bei Deinem Sprössling feststellst. Wichtig ist jetzt nur, dass Du dem Jugendlichen hilfst, wieder vom Alkohol wegzukommen.

Seiten & Infos zum Thema Alkohol im Internet

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