Geschwisterstreit – Das halten die stärksten Eltern nicht aus

Geschwister streiten immer?

„Friede, Freude, Eierkuchen“ bleibt unter den meisten Geschwistern höchstens eine Wunschvorstellung der Eltern. Zwar halten Deine Kinder im Ernstfall zusammen, doch genauso häufig eskaliert die Situation. Spätestens laute Geräusche, Schreie, Gepolter und womöglich ein Weinen deuten in der Regel auf eine handfeste Auseinandersetzung im Kinderzimmer hin. Erneut bedarf es Deiner Fähigkeiten als Schlichter.

Ratschläge für den Umgang mit Streithähnen

Als Vater weißt Du, dass ein Geschwisterstreit zur Normalität in einem jeden Familienleben gehört. Sofern es unverhältnismäßig häufig zu einem Streit zwischen Deinen Kindern kommt, stellt das Deine Geduld vor eine Zerreißprobe. Im weiteren Verlauf erwarten Dich wertvolle Tipps, falls bei Dir zu Hause die Geschwister immer streiten.

Mädchen und Junge streiten sich

Geschwisterstreit © maxoidos – Fotolia.com

Streit unter Geschwistern: die „positiven“ Folgen

Eine Auseinandersetzung unter den Kindern gilt nicht grundsätzlich als negativ. Der Streit zwischen den Geschwistern zählt zum festen Bestandteil der Persönlichkeits-Entwicklung in einem Familienleben. Dein Sohn oder Deine Tochter schult in dem Konflikt die kommunikativen Fähigkeiten und lernt die individuellen Grenzen kennen.

Gleichzeitig erfährt Dein Kind, dass ein Streit Kompromisse erfordert. Nicht jede Partei setzt in einer Auseinandersetzung immer den eigenen Willen durch. Am Ende eines Konflikts steht die Versöhnung. Letztere schult die Fähigkeit, Entschuldigungen auszusprechen oder anzunehmen. Allerdings liegt es auf der Hand: Permanente Streitsituationen stellen trotz der „Vorteile“ keine befriedigende Lösung dar. Vermeintlich streitsüchtige Kinder, zwischen denen oft ein Konflikt ausbricht, erfordern das angemessene Einschreiten von Vater oder Mutter. Das gilt insbesondere, wenn die Auseinandersetzungen in Beleidigungen oder sogar Handgreiflichkeiten münden. Zudem wirkt sich die angespannte Lage negativ auf die Harmonie in der Familie aus. Im schlimmsten Fall führt der Geschwisterstreit sogar zu Depressionen, wie Psychologen der University of Missouri in einer Langzeitstudie herausfanden.

Vergiss dennoch nicht, dass ein Geschwisterstreit die sozialen Kompetenzen fördert. Schreite aus diesem Grund nicht bei jeder Auseinandersetzung ein. Es empfiehlt sich, das berühmte Machtwort zu sprechen, wenn die Gefahr einer Verletzung der Kinder droht oder, wenn Gegenstände zu Bruch gehen.

Auch bei älteren Geschwistern ist Einklang ehern selten:

 

Keines der Kinder zum Alleinschuldigen ernennen

Trenne nach derartigen intensiven Streitsituationen die Kinder, sodass sie sich in verschiedenen Räumlichkeiten aufhalten. Achte darauf, keine der beteiligten Parteien zum Alleinschuldigen zu ernennen. Später kommt es im Idealfall zu einer Aussprache, ehe die beiden Streithähne eine eventuell angerichtete Unordnung aufräumen müssen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit fällt im Verlauf des Gespräches die Aussage, wonach der andere Geschwisterteil als Auslöser des Streites fungierte. Verdeutlichen Sie daraufhin, dass trotzdem beide sich an dem intensiven Konflikt beteiligten. Fühle Dich daher als neutraler Vermittler und ergreife keine Partei. Schließlich kannst Du den Streitverlauf im Nachhinein ohnehin nur schwer nachvollziehen.

Streiten die Geschwister immer, liegt es nahe, sich nicht erst während Auseinandersetzungen mit der Thematik zu befassen. Suche stattdessen nach den Gründen, warum es in kurzen Abständen wiederholt zu einem Konflikt unter Deinen Kindern kommt. Zwei Ursachen zählen zu den häufigsten Auslösern:

  • Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit von den Eltern,
  • der Streit um die „Rangordnung“ innerhalb der Familie.

 

Auf direkte Vergleiche verzichten

Bereits unter Deinen Kindern herrscht eine Art Rivalität, bei der sie sich um die Aufmerksamkeit, Zuneigung und auch die Anerkennung vonseiten der Eltern streiten. Das entsprechende Verhalten dämmst Du ein, indem Du auf einen expliziten Vergleich zwischen den Kindern verzichtest.

Lobe jedes Deiner Kinder für seine individuellen Fähigkeiten. Direkte Vergleiche mit der jeweils anderen Person schmälern das Selbstbewusstsein, führen zu einem Konkurrenzkampf und begünstigen weitere Konflikte. Fühlt sich ein Kind im Vergleich zu den anderen vernachlässigt, steigt das Streben nach Aufmerksamkeit weiter an. Es vertritt die Ansicht, Dein Partner oder die Geschwister bekommen mehr Zuneigung.

Daneben streiten Geschwister immer, wenn sie um ihre Rangordnung innerhalb der Familie kämpfen. Sie beabsichtigen, in den Konflikten zu klären, wer von ihnen überlegene Fähigkeiten oder mehr Spielsachen besitzt und später zu Bett geht. Derartiges Verhalten verschärfst Du, indem Du womöglich sogar eine Unterordnung verlangst. Nehme Abstand davon, eines der Geschwister zum „Chef“ zu erklären. Womöglich langweilen sich Deine Kinder auch oder sind frustriert, weshalb ein Geschwisterstreit ausbricht.

Weitere Tipps, um den Streit zwischen Geschwistern zu vermeiden

Einige wertvolle Tipps, um zu vermeiden, dass Geschwister immer streiten, kennst Du mittlerweile. Der zweite Abschnitt des Artikels befasst sich ausschließlich mit weiteren Ratschlägen. Lege gemeinsam mit der Mutter der Kinder von Beginn an klare „Streitregeln“ fest. Einigt Euch auf ein einheitliches Vorgehen. Kinder bemerken schnell, wenn sich die Eltern unterschiedlich verhalten und nutzen das aus. Im schlimmsten Fall spielen sie Dich und Deine Partnerin beziehungsweise Ehefrau gegeneinander aus.

 

Den Streit mit einem Signalwort beenden

Als einfachste und zugleich wichtigste Regel gilt das Einschreiten mit einem klaren, eindeutigen Signalwort. Mit einem deutlichen, laut hörbaren „Stopp!“ zeigst Du Deinen Kindern: Sie überschreiten mit ihrem Geschwisterstreit Grenzen. Bei Bedarf ergänzt Du das Signalwort um weitere Erläuterungen. Erkläre beispielsweise nach einem Biss, dass dieser bei Bruder oder Schwester Schmerzen verursacht.

Kommt es wiederholt zum Streit, folgen Konsequenzen. Deine Kinder lernen dadurch, wie ein überharter Konflikt nicht ungestraft bleibt. Es bietet sich an, bereits im Vorfeld geeignete Konsequenzen zu überlegen. Setze die angedachten Maßnahmen konsequent um. Informiere auch Deine Kinder schon vor einem Geschwisterstreit, welche Konsequenzen drohen.

Lobe Deine Kinder, wenn sie sich solidarisch verhalten. Das trifft beispielsweise bei der Bereitschaft zum Teilen zu. Dadurch steigt das Zusammengehörigkeits-Gefühl zwischen den Geschwistern. Darüber hinaus empfiehlt es sich, das Eigentum der Streithähne deutlich zu trennen. Klar definierte Verhältnisse reduzieren das Konfliktpotenzial um ein gleichzeitig erwünschtes Spielzeug.

 

Gerechte Behandlung der Kinder wichtig

Lege Wert auf eine gerechte Behandlung Deiner Kinder. Das verlangt keine gleiche Behandlung. Altersabstände erfordern durchaus Unterschiede bei erlaubten Aktivitäten oder dem Zeitpunkt der Bettruhe. Formuliere derartige Unterschiede aber in eindeutigen Regeln. Wichtig: Erkläre dem jüngeren Kind die Gründe dafür. Andernfalls fühlt es sich ungerecht behandelt, das Konfliktpotenzial nimmt zu und die Geschwister streiten immer wieder.

Achte darauf, ob im Tagesablauf Deiner Kinder „kritische“ Zeitpunkte existieren. In diesen Phasen zeigt sich das Kind als müde, gereizt oder hungrig. Ein solcher Zustand führt unweigerlich bereits bei eigentlich harmlosen Bemerkungen zu einer Auseinandersetzung. Zu den kritischen Zeiten kommt es folglich wiederholt zum Streit.

Der Fall tritt häufig ein, wenn Dein Kind aus dem Kindergarten oder der Schule nach Hause kommt. Nimm Dir deshalb in solchen Situationen Zeit für Dein Kind und räume ihm die Möglichkeit zum Rückzug ein. Hilf Deinem Kind, ungestört von den Geschwistern zur Ruhe zu kommen.

Sofern trotz der genannten Maßnahmen weiterhin die Geschwister immer streiten, liegt es in Deinem Ermessens-Spielraum, professionelle Hilfe aufzusuchen. Ein Fachmann unterstützt Deine Kinder dabei, den Streit zwischen den Geschwistern so weit möglich zu vermeiden.

 

Zusammengefasst stellt ein Geschwisterstreit nicht zwingend einen negativen Sachverhalt dar, sondern gehört zur Persönlichkeits-Entwicklung. Falls die Geschwister immer streiten, bedarf es jedoch des Einschreitens vonseiten der Eltern. Die aufgeführten Tipps und Ratschläge helfen Dir, die Häufigkeit der Konflikte zu reduzieren. Falls Du nicht mehr weiter weißt, bietet sich die professionelle Hilfe eines Fachmanns an.

 

auch interessant:

http://www.psychotherapie-kutz.de/geschwisterstreit.html

http://www.elternfluesterer.de/geschwisterstreit.htm

wer wir sind

Mario, vom Netpapa Team

Als begeisterter Vater und Herausgeber von Netpapa.de eines der größten deutschsprachigen Vätermagazine, freue ich mich, Dir gemeinsam mit anderen Autoren viele hilfreiche Themen vorstellen zu können. Unsere Redaktion besteht aus Journalisten, Erziehern, Pädagogen und Mediziner aber vorallem sind wir Väter.


Bewerten Sie jetzt den Artikel:
Einige Informationen fehlen noch!Hat mir nicht so gut weitergeholfenHat mir gefallen - aber nicht richtig geholfen!Hat mir geholfen und gut gefallenArtikel hat mir sehr gut gefallen ( Bewerte jetzt als erster diese Seite )
Loading...