Testosterontherapie
Testosterontherapie für den Mann- Copyright: Numstocker bigstockphoto

Hormontherapie für mehr Testosteron

Vor allem im letzten Lebensdrittel hat der Mann mit einem fallenden Testosteronspiegel zu kämpfen. Zu den Folgen gehören Libidoverlust, Erektionsstörungen, Gewichtszunahme und Energieverlust. Kommen dann auch die natürlichen Methoden zur Testosteronsteigerung an ihre Grenzen, muss der Testosteronmangel medikamentös angegangen werden.

Doch dieser Schritt will gut überlegt sein und sollte niemals unter Ausschluss eines Facharztes geschehen. Alles zum Ablauf, der Wirkung und den Kosten einer Testosterontherapie gibt es in diesem Artikel.

Testosterontherapie für den Mann – Faktenblock:

  • Testosteron ist ein männliches Sexualhormon. Es wird in den Leydigzellen des Hodens, der Leber und den Nebennierenrinden gebildet. Bei der Frau sind auch die Eierstöcke beteiligt.
  • Die Abnahme des Testosteronwerts ist eine normale Alterserscheinung beim Mann und im Grunde genommen kein Krankheitsbild.
  • Eine Testosteronersatztherapie kommt nur bei einem schweren Testosteronmangel und damit einhergehenden Beschwerden infrage.
  • In jedem Fall muss vor Therapiebeginn ein Prostatakarzinom vom Facharzt ausgeschlossen werden.
  • Eine Testosterontherapie kann bei sachgemäßer Behandlung gute Erfolge erzielen, birgt aber auch die Gefahr einiger nicht zu unterschätzender Nebenwirkungen.

Ablauf der Testosterontherapie

Bevor es überhaupt zu einer Testosterontherapie kommt, muss natürlich dessen Notwendigkeit überprüft werden. Dazu führt der Arzt einen Bluttest durch und erhält so Aufschluss über den Testosteronspiegel des Patienten.

Eine Hormontherapie ist auch nur dann eine Option, wenn gesundheitliche Ursachen ausgeschlossen werden, die anders zu behandeln sind, zum Beispiel ein Prostatakarzinom. Kommen Arzt und Patient gemeinsam zu dem Entschluss, dass eine Testosterontherapie notwendig und sinnvoll ist, gibt es mehrere Methoden. Das Testosteron kann durch Injektionen, Kapseln, Gels oder Pflaster verabreicht werden.

Testosterontherapie durch Injektionen

Die langwirksamen Injektionen können einen bis zu 16 Wochen anhaltenden gleichbleibenden Testosteronspiegel erreichen. Im Volksmund werden diese deshalb auch als 3-Monats-Spritzen bezeichnet. Die Spritzen erhält der Mann vom Facharzt, aber nur in vorheriger Überprüfung der Testosteronwerte.

Testosterontherapie durch Kapseln

Durch die regelmäßige Einnahme der Kapseln gelingt es, einen gleichmäßigen Testosteronspiegel zu erreichen. Allerdings ist zu bedenken, dass die Kapseln den Magen-Darm-Trakt passieren müssen und in der Leber sehr schnell abgebaut werden. So kann es zu Einschränkungen in der Wirkung kommen.

Testosterontherapie durch Gel

Eine ähnlich wirksame Methode ist die Verabreichung von Testosteron in Gelform. Es wird einmal am Tag auf verschiedene Körperpartien (zum Beispiel Schultern, Bauch oder Oberarme) aufgetragen und zieht sehr schnell ein. Über die Haut wird das Testosteron absorbiert. Das Gute hierbei ist, dass die Haut, wie eine Art Reservoir funktioniert: Sie gibt das Testosteron nach und nach in den Blutstrom ab.

Testosterontherapie durch Pflaster

Dieser Methode liegt ein ähnliches Prinzip, wie der Geltherapie zugrunde. Das Pflaster wird auf eine bestimmte Körperstelle geklebt, beispielsweise auf den Rücken, die Oberarme oder den Bauch, und setzt seine Wirkung über die Haut frei. Hier geht die Freisetzung ebenfalls relativ gleichmäßig vonstatten, allerdings sind die Pflaster aufgrund ihrer immensen Nebenwirkungen (vor allem starke Hautirritationen) kaum noch erhältlich.

Wirkungsweise der Testosterontherapie

Wurde ein Testosteronmangel festgestellt, kann es zunächst sinnvoll sein, den Testosteronspiegel auf natürliche Weise zu erhöhen. Das kann durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

  1. Ernährungsumstellung (es gibt eine Liste mit Lebensmitteln, die das Testosteron natürlich steigern können),
  2. Gewichtsabnahme (vor allem Reduzierung des Bauchumfangs),
  3. Sportliche Betätigung,
  4. gesunde Lebensweise (Verminderung des Alkoholkonsums, komplette Vermeidung von Nikotin und Drogen),
  5. Stressreduzierung,
  6. ausreichend Schlafen und
  7. Vitamin D (Sonnenlicht).

In einigen Fällen ist aber eine medikamentöse Therapie sinnvoller, vor allem dann, wenn ein gravierender Testosteronmangel vorliegt. Die meisten Patienten stellen mit dem Verlauf der Therapie eine deutliche Besserung fest.

Gerade wenn der Mann unter Erektionsproblemen aufgrund des Testosteronmangels leidet, lassen sich diese sehr gut in den Griff bekommen. Erste Erfolge in dieser Richtung bewirken auch, dass der Betroffene wieder selbstsicherer beim Geschlechtsverkehr wird und das nimmt einen großen Teil des inneren Drucks und der Versagensangst.

Eine weitere (Neben)-wirkung, die beobachtet wird, ist, dass viele Patienten während der Therapie etwas an Gewicht verlieren und besser Muskeln aufbauen können. Auch hinsichtlich Stimmung, Konzentrationsfähigkeit und kognitiver Fähigkeiten kann eine leichte Besserung eintreten.

Aber natürlich gibt es auch einige mögliche Nebenwirkungen, weshalb die Therapie nur unter regelmäßigen Check-ups beim Arzt stattfinden sollte. Diese Nebenwirkungen können auftreten:

  • Reduzierung der Spermienanzahl (Vorsicht bei bestehendem Kinderwunsch),
  • Schlafapnoe-Syndrom,
  • erhöhte Anfälligkeit für das Prostatakarzinom,
  • Polyglobulie (zu viele rote Blutkörperchen),
  • Hautreaktionen (vor allem bei Pflaster und Gels),
  • Leberschäden (vor allem bei oraler Einnahme),
  • Brustveränderung (Gynäkomastie) und
  • erhöhte Anfälligkeit für die seltene männliche Form des Brustkrebses.

Das gibt es noch zu beachten

Für eine hormonelle Substitutionstherapie mit Testosteron wird in jedem Fall ein Rezept benötigt und demnach eine Untersuchung beim Facharzt vorausgesetzt. Unbedingt Abstand zu nehmen ist von diversen unseriösen Anbietern, die kein Rezept verlangen (einige Internetanbieter).

Oftmals enthalten diese angebotenen „Mittelchen“ gar kein Testosteron, wodurch natürlich keine passende Wirkung erzielt werden kann. In manchen Fällen kann es sogar passieren, dass die angeblichen Hormonmittel dem Körper und der Gesundheit schaden. Die Risiken und Nebenwirkungen können nur verringert und vor allem beobachtet werden, wenn der Facharzt eine gründliche Untersuchung vornimmt und die Therapie auf die speziellen Bedürfnisse des Patienten anpasst.

Einfach blind ein Mittel im Internet zu bestellen, ist absolut keine Option! Vorsicht ist auch hinsichtlich der Medikation mit dem Testosteron-Gel geboten, denn dieses lässt sich leicht auf andere Menschen übertragen. Aus diesem Grund sind nach dem Auftrag des Gels immer gründlich die Hände zu waschen. Auch beim Geschlechtsverkehr sollte der Mann aufpassen.

Kosten der Testosteronersatztherapie (TRT)

Die GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) übernimmt die Kosten der Therapie, insofern sie zwingend notwendig ist. Da aber die Einnahme von Testosteronpräparaten nur selten sinnvoll und unbedingt vonnöten ist, haben viele Männer Probleme mit der Kostenübernahme der GKV.

Ein niedriger Testosteronwert stellt an sich noch kein Krankheitswert dar und ist zum Beispiel eine natürliche Erscheinung im Alter.

Zu bedenken sind auch immer die Risiken hinsichtlich Nebenwirkungen und Kontraindikation. Medizinisch relevant wird eine Testosteronersatztherapie erst dann, wenn der Mann starke Beschwerden hat oder zum wiederholten Mal ein deutlich niedriger Testosteronspiegel nachgewiesen wurde. In diesem Fall stehen die Chancen gut, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt.

Quellenangaben:

  • Kuhl, Herbert (Autor); Mitwirkende: Braendle, Wilhelm; Breckwoldt, Meinert; Riecher-Rössler, Anita; Rohde, Anke: Sexualhormone und Psyche. Grundlagen, Symptomatik, Erkrankungen, Therapie. Stuttgart: Thieme, 2002.
  • Pinel, John P. J.; Barnes, Steven J. & Pauli, Paul: Biopsychologie. 10. Auflage. München: Pearson Studium ein Imprint von Pearson Deutschland, 2018.
  • Vieweg, Martin (wissenschaft.de): Testosteron-Therapie: Gut oder eher kritisch? Verfügbar unter: https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/testosteron-therapie-gut-oder-eher-kritisch/. Stand: 09.12.2018.

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