Stiefsohn
Mein Stiefsohn und ich: Copyright: Tverdokhlib bigstockphoto
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Stiefsohn und Stiefvater – Familienleben und Erziehungsprobleme mit dem Stiefsohn

Eine Patchwork-Familie ist heute keine Seltenheit mehr. Ehen und langjährige Beziehungen gehen auseinander und sowohl Singles als auch Alleinerziehende suchen eine neue Schulter zum Anlehnen. Lernst Du eine neue Frau kennen, die schon einen Sohn hat, musst Du den Umgang mit diesem Stiefsohn üben. Das kann für einiges Chaos sorgen und die Beziehung auf eine Probe stellen. In diesem Artikel widmen wir uns dem Thema Erziehungsprobleme mit dem Stiefsohn.

  • eine Patchwork-Familie sollte im Idealfall mit einer Kennlernphase und nicht dem sofortigen Zusammenziehen starten
  • alle Stiefkinder benötigen Zeit, um sich an einen neuen Mann in Mamas Leben zu gewöhnen
  • gerade Söhne reagieren oft am Anfang sehr ablehnend auf einen neuen Partner
  • versuche, dich in ihn und auch in den Zwiespalt der Mutter hineinzuversetzen
  • zwinge dem Stiefsohn keine Regeln im Alleingang auf, sondern handle immer in Absprache mit der Mutter

Der wichtigste Faktor ist Zeit

Damit das Zusammenwachsen einer Patchwork-Family funktioniert, braucht es das, was für jedes Wachstum wichtig ist: Zeit.
Diese Zeit müsst ihr euch alle zusammen bestmöglich einräumen. Es ist eine empfindliche Kennenlernphase, die möglichst ungezwungen sein sollte.

Die Erfahrung vieler Patchwork-Familien zeigt, dass es am sinnvollsten ist, wenn Stiefkinder und der neue Stiefvater sich über Monate hinweg kennenlernen können, bevor das Zusammenziehen auf dem Plan steht. Am einfachsten ist es, wenn die ersten Treffen auf „neutralem Boden“ stattfinden, sprich, ihr gemeinsam in den Zoo oder auf einen anderen Ausflug geht.

Noch ein wenig intensiver wird das Kennenlernen, wenn ihr gemeinsam einen Wochenendausflug oder sogar einen längeren Urlaub macht. So lernt Dein neuer Stiefsohn Dich auch im privaten Alltag als Mensch etwas besser kennen.

Natürlich ist das langsame Kennenlernen nicht immer möglich, wenn Umzüge aus verschiedenen Gründen nicht verschoben werden können. Müsst ihr sehr früh zusammenziehen, kann der Umgang mit dem Stiefsohn schwieriger werden. Hier hilft es, verschiedene Blickwinkel einzunehmen, um die Gefühle aller Beteiligten besser zu verstehen. So lassen sich auch viele Erziehungsprobleme mit dem Stiefsohn leichter lösen.

Stiefsohn und Stiefvater – Standpunkt des Kindes verstehen

Erwarte auf keinen Fall, dass Dein Stiefsohn Dich sofort akzeptiert. Es ist im Gegenteil völlig natürlich, dass er sehr reserviert resigniert. Erziehungsprobleme mit dem Stiefsohn erleben viele Männer, Du bist also keineswegs allein damit.

Um die „Normalität“ dieser Probleme zu verstehen, musst Du einmal versuchen, den Standpunkt Deines Stiefsohns einzunehmen. Für ihn ist es sehr verstörend, dass der eigene Papa weg ist und Mama einen neuen Mann hat. Viele Jungen reagieren geradezu instinktiv auf diese „Revierverletzung“.

Deine neue Partnerin hat über den Kopf des Jungen hinweg entschieden, dass Du nun zur Familie gehörst und das muss zunächst verarbeitet werden. Erziehungsprobleme mit dem Stiefsohn sind daher eine Art Ventil für ihn, die innere Verunsicherung zu zeigen. Das ist natürlich keine Entschuldigung für Regelverstöße, doch es hilft Dir, seine Beweggründe zu verstehen.

Es ist entscheidend, dass Du im Umgang mit dem Stiefsohn nicht zu aufdringlich wirst. Gib ihm Raum, Dich langsam kennenzulernen und biete ihm trotz Streitsituationen immer wieder ein offenes Ohr an. Als der Erwachsene von euch ist es Deine Aufgabe, immer wieder zu deeskalieren.

Sicher wirst Du öfter den Wunsch verspüren, Erziehungsprobleme mit dem Stiefsohn sofort angehen zu wollen, also Regeln zu betonen und Konsequenzen anzudrohen. Doch darauf reagieren die meisten Jungen mit Anfeindungen wie „Du bist nicht mein Vater, Du hast mir nichts zu sagen!“. Vermeide vor allem in der ersten Zeit des Zusammenlebens „Alleingänge“ bei Erziehungsfragen.

„Ziehe Deine Partnerin hinzu und räume ihr als Mutter das letzte Wort ein.“

Standpunkt der Partnerin verstehen

Treten Erziehungsprobleme mit dem Stiefsohn auf, belastet das nicht nur Dich und das Kind, sondern auch im besonderen Maße die leibliche Mutter. Sie wird sich oft sehr zerrissen zwischen ihrem Sohn und Dir fühlen. Das belastet natürlich eure Beziehung.

Versuche daher im Umgang mit dem Stiefsohn auch immer ihren Blickwinkel im Auge zu behalten: Sie liebt ihren Sohn und hat das größte Interesse daran, dass ihr drei harmoniert. Mache daher im Zweifelsfall öfter Zugeständnisse an sie, selbst wenn Du bei einer Erziehungsfrage gerade nicht ihrer Meinung bist. Es bleibt später genügend Zeit, um unter vier Augen über verschiedene Standpunkte zu sprechen.

Sage ihr auch, dass Du es gut nachvollziehen kannst, wenn Dein Stiefsohn Dir noch nicht mit Herzlichkeit begegnet. Das nimmt ihr den Druck, für alle Harmonie herstellen zu müssen, ein wenig ab. Betone an dieser Stelle im privaten Gespräch aber ebenso, dass Du einen respektvollen Umgang von ihm erwartest. Er sollte lernen, mit Dir so höflich umzugehen, wie man es bei Kindern im Umgang mit Erwachsenen erwarten darf.

Den leiblichen Vater nicht totschweigen

Es liegt den meisten von uns in der Natur, über unangenehme Dinge nicht gern zu sprechen. Daher ist es nur natürlich, wenn Du über den leiblichen Vater Deines Stiefkindes nicht so gern sprichst. Vielleicht hat er Deine neue Partnerin auch sehr schlecht behandelt.

Für ihn wird die Situation jedoch erschwert, wenn sein Vater vehement totgeschwiegen wird. Hat der leibliche Vater das Kind stets gut behandelt, trauert es ihm vermutlich hinterher. Hat es selbst schlechte Erfahrungen gemacht, gibt es Emotionen wie Enttäuschung und Wut, die verarbeitet werden wollen.

„Schweigen kann zu einem Aufstauen von Gefühlen führen, die Verhaltensauffälligkeiten provozieren.“

Kindern hilft es, um den verlorenen Elternteil trauern zu dürfen. Das schafft nicht nur ein emotionales Gleichgewicht, sondern hilft auch, Dich als „den Neuen“ mit der Zeit besser zu akzeptieren.

Spricht Dein Stiefsohn über den eigenen Vater, ist es sehr wichtig, dass Du versuchst, einen neutralen Standpunkt zu bewahren. Du solltest den leiblichen Vater weder verteufeln, noch schlimme Dinge schön reden. In solchen zwar schwierigen aber wichtigen Gesprächen kannst Du sehr gut Vertrauen zu Deinem Stiefsohn aufbauen!

Der rechtliche Blickwinkel

Im Umgang mit einem Stiefsohn spielen natürlich auch rechtliche Aspekte eine Rolle. Hast Du seine Mutter geheiratet oder lebt ihr in eingetragener Lebenspartnerschaft, überträgt sie Dir das sogenannte „kleine Sorgerecht“. Das bedeutet, dass Du über alltägliche Belange mit entscheiden darfst.

Zum kleinen Sorgerecht zählen:

  • Fragen rund um das Taschengeld
  • Terminvereinbarungen beim Arzt
  • Unterzeichnungen von Noten und Entschuldigungen in der Schule
  • Teilnahme an Elternabenden
  • Festlegung von Ausgehzeiten mit Freunden
  • Fragen rund um Fernsehzeiten, Nutzung von Spielekonsolen etc.
  • Erlaubnis, einem (Sport-)Verein beizutreten

Vor dem Gesetz besitzt Du beim Umgang mit einem Stiefsohn allerdings kein Erziehungsrecht. Das bedeutet, dass noch immer der leibliche Vater gemeinsam mit der Mutter über wichtige Entscheidungen informiert werden muss. Sobald Entscheidungen also einen bedeutenden Einfluss auf die Kindesentwicklung hätten, bist Du außen vor.

Allerdings hast Du in Notsituationen, etwa nach einem Unfall, die Erlaubnis vom Staat, zeitkritische Entscheidungen im Krankenhaus zu treffen. Ist zum Beispiel eine Operation ratsam und es bleibt nicht die Zeit, die leiblichen Eltern zu fragen, hast Du die Möglichkeit, für das Kind zu sprechen.

„Das komplette Erziehungs- oder Sorgerecht teilst Du aber nur dann mit der Mutter, wenn Du das Kind offiziell adoptierst.“

 

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