Das Alleinige Sorgerecht der Mutter - diese Rechte hast du als Vater:

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Rechte als Vater ohne Sorgerecht

Trennen sich Eltern, erhält nicht selten die Mutter das alleinige Sorgerecht für das Kind/die Kinder. Manchmal ist dies auch Ergebnis einer Einigung, bei der der Vater auf das geteilte Sorgerecht verzichtet, dafür aber ein umfangreiches Umgangsrecht eingeräumt bekommt.

Doch welche Rechte hat ein Vater gegenüber seinen Kindern, wenn die Mutter das alleinige Sorgerecht inne hat?

Alleiniges Sorgerecht
Welche Rechte hat ein Vater, Copyright: Yastremska bigstockphoto

Rechte des Vaters beim alleinigen Sorgerecht der Mutter - Faktenblock:

  1. Hat die Mutter das alleinige Sorgerecht für ein Kind, besteht weiterhin das Umgangsrecht für den Vater
  2. Bei unverheirateten Paaren kann ein Vater in einem gerichtlichen Schnellverfahren das gemeinsame Sorgerecht beantragen
  3. Persönliche Gründe der Mutter, keinen Kontakt zum Vater haben zu wollen, reichen nicht aus, um das Umgangsrecht des Vaters zu umgehen
  4. Im Fokus steht immer das Kindeswohl, welches unter normalen Umständen den Kontakt zu beiden Elternteilen vorsieht
  5. Gerichtlich erzwungene Einigungen haben meist immer negativen Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden des Kindes

Alleiniges Sorgerecht - Vater bleibt Vater

Eine Trennung der Eltern ist immer belastend, gerade für gemeinsame Kinder. Aber auch, wenn Mutter und Vater vor der Geburt gar kein Paar gewesen sind, ist der biologische Vater eine wichtige Säule im Leben des gemeinsamen Kindes.

Während verheiratete Paare automatisch das gemeinsame Sorgerecht ausüben, wird die elterliche Sorge bei unverheirateten Paaren vorerst der Mutter zugesprochen, es sei denn, das gemeinsame Sorgerecht wird beantragt.

All diese gesetzlichen Regelungen verändern aber nicht die Tatsache der Vaterschaft. Viele Väter wollen, Beziehung hin oder her, ihrer Verantwortung gerecht werden und eine intensive Beziehung zu ihrem Kind aufrecht erhalten und/oder aufbauen.

Seit 2013 haben Väter durch das "Gesetz zur Reform der elterlichen Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern" die Möglichkeit, in einem gerichtlichen Schnellverfahren das gemeinsame Sorgerecht zu beantragen, wenn die Mutter des Kindes einem gemeinsamen Antrag nicht zustimmt.

Die Mutter hat dann die Möglichkeit, binnen 14 Tagen Widerspruch einzulegen. Jedoch ist der eigene Wunsch der Mutter, selbst keinen Kontakt zum Kindsvater haben zu wollen, keine ausreichende Begründung für eine Ablehnung des Anliegen des Vaters. Und das ist auch gut so. Immerhin steht bei Fragen zum Sorge- und Umgangsrecht das Kindeswohl im Vordergrund. Der Kontakt und eine stabile Beziehung zu beiden Elternteilen ist elementarer Bestandteil dieses Kindeswohls.

Wenn die Mutter den Kontakt erschwert

Kommt es zu einer Trennung oder einem Konflikt der leiblichen Eltern, ist es nicht selten, dass die Mutter ihre Sonderstellung mit dem alleinigen Sorgerecht benutzt, um dem Vater den Kontakt zum eigenen Kind zu erschweren oder zu untersagen.

Verhindert die Mutter ohne Absprache den Kontakt des Kindes zum Vater, so gilt dies als widerrechtlich. Denn der Vater hat sowohl ein Umgangsrecht als auch eine Umgangspflicht gegenüber seinem Kind. Nicht selten landen solche Fälle vor dem Familiengericht.

Vereinbarungen zum Umgangsrecht und/oder die Regelung, das Sorgerecht künftig gemeinsam auszuüben, werden dann gerichtlich geprüft und entschieden. Im Fokus des Gerichtsprozesses steht das Kindeswohl. Hier wird geprüft, ob es gute Gründe gibt, dass die Mutter dem Vater den Kontakt zum gemeinsamen Kind erschwert.

Ist dies nicht der Fall und die Mutter handelt aus persönlicher Befindlichkeit, kann das für sie ernste Konsequenzen haben. Denn auch wenn sie das alleinige Sorgerecht ausübt, ist die verpflichtet, zum Wohl des Kindes zu entscheiden. Eine stabile Beziehung und ein guter Kontakt zum Vater gehören dazu.

In vielen Fällen wird der Umgang dann gerichtlich festgelegt. Eine solche gerichtliche Einigung ist nicht selten schädlich für die ohnehin schon angeschlagene Beziehung zwischen Mutter und Vater sondern fast immer auch negativ für das Wohlbefinden des Kindes.

Wenn der Vater das alleinige Sorgerecht beantragen möchte

Möchte der Vater nachträglich das alleinige Sorgerecht beantragen, ist dies in Deutschland immer noch sehr schwer. Lediglich Umstände, die das Kindeswohl gefährden, wie etwa eine Suchterkrankung der Mutter, machen dies möglich.

Dieser Umstand wird in der Politik kritisch diskutiert. Auch Rechtsexperten sehen in diesem Umstand ein Problem. Gerichte seien nicht in der Lage abschließend zu beurteilen, was für betroffene Kinder das beste sei.

Tatsächlich werden bereits kleine Kinder bei einer Trennung im Streitfall gefragt, bei welchem Elternteil sie lieber leben möchten. Sind Kinder 14 Jahre und älter, finden ihre Wünsche besondere Berücksichtigung.

Bereits mit dem vollendeten 12. Lebensjahr können Kinder den Wunsch äußern, keine Umgang mit dem Vater zu wünschen. Können sie dies glaubhaft äußern, haben leibliche Väter keine gute Aussicht, ein gerichtliches Umgangsrecht zu erhalten.

Mütter und Väter sollten sich zu jeder Zeit bewusst machen, dass sie wichtige Identifikationsfiguren im Leben ihrer Kinder sind. Dies gilt auch für die Kompetenz im Umgang mit Konflikten. Eine Trennung muss so nicht automatisch eine einschneidend negative Erfahrung für ein Kind sein, wenn es lernt, dass man trotzdem gute Einigungen miteinander erzielen kann, ohne einen persönlichen "Rosenkrieg" zu führen.

Die Perspektive des Kindes

In Sorgerechtsstreitigkeiten oder Konflikten zum Umgang leiden Mutter und Vater gleichermaßen. Am meisten jedoch, leidet das allgemeine Wohlbefinden des betroffenen Kindes. Kommt es zu gerichtlichen Befragungen, müssen Kinder einen enormen Loyalitätskonflikt aushalten, denn ihr natürliches Bedürfnis ist es, zu beiden Elternteilen Kontakt zu haben und zu halten.

Eltern sind daher gut beraten, im Interesse des Kindes, eine außergerichtliche Einigung herbei zu führen.

Hierbei können zum Beispiel Erziehungsberatungsstellen und psychologische Beratungsstellen helfen, eine Trennung oder reinen Konflikt zu begleiten und darüber hinaus bei einer kindgerechte Aufarbeitung mit dem Erlebten zu unterstützen.
Manchmal kann es sinnvoll sein, wenn der Vater auf das gemeinsame Sorgerecht verzichtet, dafür aber ein umfangreiches Umgangsrecht zugesprochen bekommt.

So kann er trotzdem am Leben des Kindes teilhaben und es beim Erwachsenwerden begleiten.