Getrennte Betten – Wenn Paare getrennt schlafen!

Wie nehmen es Kinder wahr wenn Eltern getrennt schlafen .. von der Psychologie getrennter Betten

In Deutschland gehört es für Paare zum Normalbild, dass man sich das gemeinsame Schlafzimmer teilt. Beim Kaffeetrinken mit Freunden und Verwandten oder beim Pausengespräch mit Arbeitskollegen stößt man schnell auf hochgezogene Augenbrauen, wenn Paare von getrennten Betten reden. Auch Kinder können sehr irritiert werden, wenn Mama und Papa getrennt schlafen. Welche Psychologie hinter den eigenen Betten steht und ob sie ein gutes oder schlechtes Beziehungszeichen sind, klären wir hier.

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Die Psychologie getrennter Betten, Copyright: Czanner bigstockphoto

 

Wenn Paare getrennt schlafen: ein Warnsignal oder normal?

So entwickelt sich der Wunsch nach getrennten Betten

In der ersten Phase der Verliebtheit kann ein Paar kaum an etwas anderes als die gemeinsame Zeit denken und man versucht entsprechend, jede freie Minute miteinander zu verbringen. Soweit es die Organisation möglich macht, beinhaltet das natürlich auch die Nächte.

Wächst die Beziehung über die Wochen und Monate weiter, ist ein gemeinsames Schlafzimmer die Norm. In dieser Phase, in der eine „wilde Verliebtheit“ schrittweise in eine stabile Beziehung übergeht, bemerken viele Paare jedoch auch, dass sie unterschiedliche Schlafbedürfnisse haben. Der eine ist abends gern länger wach, während der andere bereits müde ist und auch am Morgen hat man unterschiedliche Vorstellungen davon, wie lange man in den Kissen bleiben kann.

Es ist normal, dass Menschen unterschiedliche Schlafgewohnheiten besitzen und diese sich nicht immer mit Kompromissen zusammenbringen lassen.

Zeigt sich, dass trotz Liebe füreinander und dem Wunsch nach einem gemeinsamen Leben die Schlafgewohnheiten überhaupt nicht übereinkommen, beginnen viele Paare über getrennte Schlafzimmer nachzudenken.

 

Warum Kompromisse (so gut wie) nicht zu finden sind

Nun könntest Du denken, für den geliebten Menschen an Deiner Seite springst Du einfach über Deinen Schatten und entscheidest Dich, die eigenen Schlafgewohnheiten umzustellen. Vielleicht erwartest Du offen oder indirekt auch von der Gegenseite, dass Vorschläge für Kompromisse kommen. Diese Gedanken scheitern jedoch an der Biologie.

Schlafforscher haben bereits vor einigen Jahren herausgefunden, dass nicht nur jeder Menschen einen stabilen 24-Stunden-Rhythmus mit Wach- und Ruhephasen hat, sondern dass sich diese innere Uhr durchaus stark von den Mitmenschen unterscheiden kann. Und das ist weder von den Eltern anerzogen noch durch Lebensgewohnheiten geprägt. Man kann anhand der Aktivität jeder einzelnen Körperzelle sehen, welcher sogenannten Chronotyp zugrunde liegt.

Die Biologie hat Menschen in unterschiedliche Chronotypen unterteilt: Frühaufsteher und Nachteulen sowie einen Zwischentypus.

Gehörst Du zu den Frühaufstehern, wirst Du einfach nicht bis spät in den Vormittag schlummern wollen und bist abends aber vergleichsweise früh müde. Bei Nachteulen ist es genau umgekehrt, denn sie sind in den späten Tagesstunden am aktivsten und kreativsten, kommen dafür aber schlecht beim zeitigen Weckerklingeln aus dem Bett.

Lebst Du für Deinen Partner oder auch für den Beruf bewusst gegen Deine innere Uhr, kann das zu chronischer Müdigkeit ebenso wie zu Burn-out und sogar Depressionen führen.

 

Wann getrennte Betten kein Gefahr für die Liebe sind

Haben sich zwei Menschen mit verschiedenen Chronotypen gefunden, kann die Wahl eines getrennten Schlafzimmers absolut sinnvoll sein. Man stört sich nicht gegenseitig durch die unterschiedlichen Aufsteh- und Schlafenszeiten. Wichtig ist jedoch, dass vorab offen über die Thematik gesprochen wird.

Habt ihr Kinder, sollten auch diese in einem lockeren und altersgerechten Gespräch über die Schlafsituation der Eltern aufgeklärt werden. Es ist ganz entscheidend, dass den Kindern vermittelt wird, dass Mama und Papa keinen Streit haben und im Alltag weiterhin viel Zeit miteinander verbringen.

Folgende Punkte abseits der Chronotypen kommen ebenfalls häufig vor und werden durch getrennte Schlafzimmer umgangen:

  1.  Mama/Papa muss früher aufstehen
  2.  Das Schnarchen des anderen ist sehr störend
  3.  Der Fernseher im Schlafzimmer ist für einen absolut tabu
  4.  Einer möchte stets bei offenem Fenster schlafen und der andere friert
  5.  Der unruhige Schlaf des anderen behindert beim eigenen Durchschlafen
  6.  Häufige Toilettenbesuche des einen reißen in der Nacht beide aus dem Schlaf

 

Wann getrennte Betten ein Warnsignal sind

Ein gemeinsames Schlafzimmer gilt auch in unserer modernen Zeit als ein Symbol der festen Partnerschaft. Das merkst Du vielleicht daran, dass man meist den Gästen das Schlafzimmer nur kurz durch die Tür zeigt und man danach mit leichter Beschämung die Besichtigung lieber in anderen Räumen fortführt. Das Schlafzimmer gilt in den Köpfen bis heute als das Zentrum der sexuellen Zweisamkeit.

Entsprechend können getrennte Betten auch zum Warnsignal werden, wenn ihr euch ehrlich eingesteht, dass die räumliche Trennung zugleich eine gewisse Flucht vor körperlicher Nähe ist. Fällt die Entscheidung für zwei Schlafzimmer nicht (nur) wegen unterschiedlicher Schlafgewohnheiten, sondern als „Sex-Flucht“, sollte das ein Alarmzeichen sein.

Trotz getrennter Betten sollte sich das Sexleben nicht wesentlich verändern!

Problematisch wird die Entscheidung auch dann, wenn sie maßgeblich von einem Partner getroffen wird. Möchte beispielsweise die Frau ein eigenes Schlafzimmer, da nächtliches Schnarchen sie stört, doch der Mann vermisst die emotionale Nähe beim Einschlafen, kann das zu weiteren Spannungen führen. Anders als bei den Chronotypen lassen sich Probleme wie Schnarchen oder nächtliche WC-Besuche eventuell mit Hilfsmitteln beheben. Hier empfiehlt sich das Gespräch mit dem Hausarzt oder Urologen, um Alternativen zu finden.

 

Getrennt schlafen – Was Ihr mitnehmen könnt..

Sind sich beide Partner einig, dass getrennte Betten sie besser schlafen lassen und damit mehr Zufriedenheit entsteht, kann das Konzept wunderbar funktionieren. Dir kann in diesem Fall auch egal sein, was andere Menschen darüber denken, denn es ist euer Lebensmodell.

Fehlen jedoch gleichzeitig regelmäßiger Sex und ein harmonischer Alltag, kann getrenntes Schlafen ein klares Warnsignal dafür sein, dass die Beziehung an einer oder mehreren Stellen kränkelt. Möchtest Du die Liebe retten, ist ein offenes Gespräch unter vier Augen wichtig.

Findet ihr keine annehmbare Lösung, solltet ihr auch darüber nachdenken, einen Paartherapeuten oder Psychologen zurate zu ziehen. Das fällt vielen Paaren schwer, doch Du solltest es nicht als Zeichen der Schwäche deuten, sondern als mutigen Schritt, die Beziehung retten zu wollen.

auf Netpapa® schreibt

Mario Foerster, Redaktionsleitung

Als begeisterter Vater bin ich Herausgeber von Netpapa.de eines der größten deutschsprachigen Magazine für Männer und Väter. Ich freue mich, Dir gemeinsam mit anderen Autoren viele interessante Themen vorstellen zu können.


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