Tobsuchtsanfall bei Kindern
schreien, toben, wütend sein, auch das darf dein Kind - Copyright: zlikovec bigstockphoto

So gehst Du mit einem Tobsuchtsanfall bei Kleinkindern um

Zwar sagt man gern, dass die Pubertät für Eltern und Kind die schwierigste Phase wird, aber auch die Jüngsten können bereits ordentlich für Stress auf beiden Seiten sorgen. Das Zornalter ist legendär und gefürchtet.

Ein Tobsuchtsanfall bei Kleinkindern endet meist in Schreien samt Tränen und mit Eltern, die ratlos und traurig sind. Wir geben Dir fünf Tipps, wir Du mit den schwierigen Momenten umgehen kannst.

Was du über einen Tobsuchtsanfall wissen musst

  • Tobsuchtsanfälle gehören zur Entwicklung, diese „Zornphase“ ist daher normal
  • Du solltest ruhig aber konsequent bleiben, um für Deeskalation zu sorgen
  • sei Dir Deiner Vorbildfunktion bewusst und vermittle eine gesunde Streitkultur
  • kindgerechte Gespräche über den Auslöser der Wut helfen dem Nachwuchs bei der Entwicklung
  • gemeinsam festgelegte „Wut-Rituale“ können künftige Tobsuchtsanfälle vermeiden oder mildern

Ein gelegentlicher Tobsuchtsanfall bei Kleinkindern ist normal

Ein Tobsuchtsanfall bei Kleinkindern geht oft auf elementare Wünsche zurück, etwa ein Spielzeug, das Dein Kind in diesem Moment unbedingt haben will oder es ärgert sich über Spielkameraden. Da Kinder in der Kleinkindphase mit zwei bis drei Jahren noch nicht sachlich mit Dir diskutieren können, ist ein Tobsuchtsanfall gar nicht ungewöhnlich.

Die Jüngsten drücken ihre akuten Bedürfnisse mit den Mitteln aus, die ihnen zur Verfügung stehen. Während Säuglinge nur schreien, weinen und maximal strampeln, können Kleinkinder mit den ersten Worten aufbegehren, sich auf den Boden werfen und auch schlagen oder treten. „Papa ist doof“, schmerzt daher als Satz, ist aber nur ein Ausdruck der erlebten Wut.

„Wichtig ist, dass Du darauf angemessen reagierst und ruhige Autorität ausstrahlst. Die Situation soll sich nicht hochschaukeln.“

1. Der wichtigste Tipp: Ruhe bewahren

Es klingt natürlich viel leichter gesagt als getan, doch bei einem Tobsuchtsanfall des Kindes tragen Eltern mit ruhigem Verhalten entscheidend zur Deeskalation bei. Wer sich die eigene Unsicherheit oder Wut in der Situation anmerken lässt, wird die emotionale Spannung erhöhen. Es ist daher wichtig, dass Du selbst nicht schreist.

Maximal kannst Du die Stimme etwas heben, um über Schreien oder Weinen Deines Kindes hörbar zu sein. Dabei solltest Du aber langsam und mit deutlichen Worten sprechen. Mit einer festen Stimme, deren Stimmlage weder nach Angst noch Wut klingt, kannst Du meist nach wenigen Augenblicken die Aufmerksamkeit Deines Kindes erlangen und es wird selbst ruhiger.

Auch wir Erwachsenen sind emotional, keine Frage, doch im Umgang mit Kleinkindern ist es unsere elterliche Aufgabe, den ruhigen und selbstsicheren Part zu übernehmen. Am besten hältst Du bei einem sehr aufwühlenden Tobsuchtsanfall Deines Kindes für einen Moment inne, zählst in Gedanken von mindestens fünf rückwärts und sprichst es dann ruhig an.

2. Die Situation einschätzen

Frage Dich zunächst, in welcher Situation der Wutausbruch gerade stattfindet: im Umgang mit Erwachsenen oder mit anderen Kindern? Entsprechend kannst Du dann wie folgt reagieren.

Beispiel A)
Ein Tobsuchtsanfall bei Kleinkindern tritt häufig im Kontext mit anderen Kindern auf. Das kann beim Spiel mit dem Geschwisterchen sein, beim Kaffeetrinken mit Freunden oder auch in der Kita und auf dem Spielplatz.

Im Alter von zwei und drei Jahren lernen Kinder langsam, sich mit anderen Jungen und Mädchen zu verständigen, haben aber noch kein Gefühl dafür, dass andere Menschen auch gänzlich verschiedene Gefühle und Wünsche haben können. Das führt schnell zu Missverständnissen und Streit unter Kindern und nicht selten endet alles in einem Tobsuchtsanfall.

Bei Kleinkindern ist es daher sinnvoll, die Situation rund um den Wutausbruch einzuschätzen und bei Streit mit anderen Kindern als erwachsener Schlichter einzugreifen. Wird geschlagen, gebissen und getreten, sollten die Streithähne natürlich zunächst getrennt werden. Sobald ein Kind zur Seite genommen wurde, beruhigt es sich gegenüber des Erwachsenen meist recht schnell.

Danach kann eine Aussprache mit allen Beteiligten und Kompromisse gesucht werden. Das alles muss kindgerecht geschehen, also beispielsweise die Einigung, gemeinsam im Sandkasten zu spielen, solange man die Bauten des anderen nicht kaputt macht.

Beispiel B)
Richtet sich die kindliche Wut gegen Dich, solltest Du kurz klären, ob Du eventuell wirklich unfair warst oder etwas missverstanden hattest. Ist Dein Kind jedoch nur zornig, weil es seinen Willen nicht bekommt, kannst Du einmalig Deinen Standpunkt wiederholen und Deinem Kind dann keine Beachtung mehr schenken.

Selbstverständlich ignorierst Du nicht wirklich, was es tut, doch indem Du Deine Aufmerksamkeit offenkundig auf andere Dinge legst, vermittelst Du dem Kind einen klaren Standpunkt: Für Dich gibt es keinen Diskussionsbedarf mehr. Viele Kleinkinder schreien oder quengeln dann noch einige Momente und vergessen dann ihre Wut.

Es ist wichtig, dass Du Deinen Standpunkt als Elternteil auch dann bewahrst, wenn ein Tobsuchtsanfall in der Öffentlichkeit stattfindet. Viele Eltern neigen dazu, klein beizugeben, damit das Kind bloß nicht mehr die Aufmerksamkeit der Mitmenschen auf sich zieht.

Doch wer als Elternteil in diesen Momenten nachgibt, vermittelt dem Kind:

Ich komme mit diesem Verhalten durch. Dann ist es gut möglich, dass es regelmäßig bei dem Süßigkeiten im Supermarkt anfängt zu schreien.

3. Ein Vorbild sein

Kinder adaptieren sehr schnell Verhaltensweisen von Bezugspersonen und für ein Kleinkind sind die Eltern an erster Stelle, wenn es um Nachahmung geht. Dieser Rolle musst Du Dir immer bewusst sein und Dich bestmöglich als Vorbild verhalten. Streitest Du oft mit lauter Stimme und zeigst sehr offen Deine Wut, wird Dein Kind nicht verstehen, weshalb es selbst keinen Tobsuchtsanfall haben darf. Daher ist es sinnvoll, dass eigene Verhalten im Alltag kritisch zu beobachten und zu hinterfragen.

Das bedeutet nicht, dass Du niemals vor den Augen Deines Kindes streiten darfst. Eine heile Welt zu spielen, kann ebenso schädlich für die kindliche Entwicklung sein und viele Kinder haben sehr früh ein Gefühl dafür, dass Mama und Papa nur fröhlich tun. Sinnvoller ist es, Meinungsverschiedenheiten ruhig zu diskutieren und bei starken Emotionen eine Pause einzulegen – ebenso, wie Du es von Deinem Kind auch erwartest.

4. Körperkontakt anbieten aber nicht erzwingen

Ein Tipp, der selten Erwähnung findet: Probiere immer vorsichtig aus, ob bei einem Tobsuchtsanfall der Versuch einer Umarmung oder das Streicheln über den Kopf wirklich sinnvoll sind. Viele Eltern berühren ihr Kind automatisch, doch der beruhigend gemeinte Körperkontakt kann je nach Charakter des Kindes auch den gegenteiligen Effekt haben. Nicht jeder möchte angefasst werden, während er gerade emotional aufgewühlt ist, während andere die schützende Nähe suchen. Hier hilft nur anbieten, ohne aufzuzwingen.

Eine Ausnahme liegt vor, wenn Dein Kind in der Wut andere verletzen will oder sich beim Toben an Gegenständen wie der Tischplatte stoßen könnte. In diesem Fall ist Körperkontakt sinnvoll, um es festzuhalten, bis es sich etwas beruhigt hat.

5. Über Wut reden und „Wut-Rituale“ ausdenken

Während des Tobsuchtsanfalls selbst nutzt das Reden über Wut zwar wenig, doch mit etwas Abstand ist es sehr sinnvoll, das Gespräch zu suchen. Frage Dein Kind, was es so erzürnt hat und überlegt gemeinsam, ob ihr für die Zukunft einen Kompromiss finden könnt. Es ist an dieser Stelle sehr sinnvoll, dem Kind gegenüber zu sagen, dass Du durchaus Verständnis für Wut als Gefühl hast und auch Erwachsene mal wütend sind. Ergänze dann aber, dass bestimmtes Verhalten nicht akzeptabel ist, beispielsweise Gewalt oder sich in der Öffentlichkeit auf den Boden werfen.

Ideal in Ergänzung zum Gespräch über Wut sind gemeinsame „Wut-Rituale“. Ihr könnt darüber reden, was man selbst tun kann, wenn man beginnt, den Zorn im Bauch zu fühlen. Für Kleinkinder müssen es vergleichsweise einfache Rituale sein. Bewährt ist ein Satz wie „Ich werde wütend und hole mein Stofftier.“. Dann geht das Kind in sein Zimmer und drückt das Stofftier, was für schnelle Distanz von der wutauslösenden Situation sorgt.

 

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