Welche Bedeutung hat Traurigkeit bei Kindern?

Unsere Tochter ist ein munteres, aufgewecktes Kind. Sie spielt gerne, tobt herum und hält uns auf Trab. Seit drei Wochen hat sich das verändert. Nun hockt sie lieber in ihrem Zimmer, ist lustlos, schreit herum und verschließt sich. Traurigkeit bei Kindern verheißt nichts Gutes. Ich mache mir Sorgen um unsere Tochter. Daraufhin entsdtand dieser Themenartikel – Was kann ich tun, damit es ihr besser geht und sie wieder fröhlich ist? Ich mache mir Gedanken, ob sie depressiv ist. Wie verarbeiten Kinder Gefühle?

Traurigkeit bei Kindern
Gefühle der Traurigkeit bei Kindern – altanaka / 123RF Lizenzfreie Bilder

 

Abgrenzung zwischen Traurigkeit bei Kindern und Depressionen

Kinder verspüren dieselben Emotionen wie Erwachsene. Angst, Wut, Aggressionen und Trauer gleichsam wie Freude. Oftmals gelingt es ihnen nicht, damit umzugehen oder sie in Worte zu fassen. Schon die Kleinsten kämpfen stillschweigend mit negativen Gefühlen. Deine Ansprüche an Dein Kind sind groß, sei es darin, Bestätigung von Deinem Nachwuchs darin zu erwarten, dass es überglücklich ist. Eltern übersehen Emotionen leicht und reagieren falsch darauf, tun sie vorschnell ab und untergraben negative Empfindungen. Das Ausleben aller Gefühle ist wichtig für die Entwicklung Deines Kindes. Du kannst ihm beibringen, damit umzugehen und sie beim Namen zu nennen. Nicht immer ist die Traurigkeit bei Kindern harmlos. Bei gravierenden Verhaltens- und Befindens-Änderungen besteht die Gefahr einer Depression.

 

Kinder kämpfen mit negativen Emotionen

Wut, Eifersucht, Trauer und Ängstlichkeit sind normale Emotionen, mit denen neben Erwachsenen auch Kinder kämpfen. Dir als Vater machen negative Gefühle bei Deinem Kind vermutlich Angst. Niemand möchte, dass sein Kind traurig ist. Stattdessen freuen wir uns über ein sorgloses Kinderlachen. Doch den negativen Emotionen gehen Eltern und Kinder nicht einfach aus dem Weg. Wie viele schlechte Gefühle normal sind und wann aus Traurigkeit eine Depression entsteht, erfährst Du in diesem Artikel.

Negative Gefühle im Kinderalltag

Negative Gefühle lauern an jeder Ecke. Da ist der Vierjährige, der sich schüchtern an das Bein seines Vaters klammert, wenn der unbekannte Besuch eine Begrüßung erwartet. Da ist Tom, der Deinen Sohn auf dem Spielplatz schubst oder Lena, die im Kindergarten heute nicht mit Deiner Tochter spielt. Oftmals macht das neue Baby Deinem Kind zu schaffen und kleine Eifersüchteleien zwischen Geschwistern regieren den Alltag.

 

Große Erwartungen an Dein Kind

So leicht, wie wir uns das Kinderleben vorstellen, ist es nicht. Manchmal ist das Leben für Dein Kind schwer. Traurigkeit macht sich breit und mit ihr kommen die Wut, die Angst und die Eifersucht. Du hast große Erwartungen an Deinen Nachwuchs. Du wünschst Dir einem freudestrahlenden Nachwuchs, der kontaktfreudig ist, durchsetzungsfähig und sich über ein neues Geschwisterchen freut – ohne Eifersucht. Negative Gefühle und ein trauriges Kind passen nicht in unser Bild von einem glücklichen Sprössling.

 

Traurigkeit bei Kindern macht Vätern Angst

Negative Gefühle machen Dir Angst, weil Eltern nur die freundliche und helle Seite ihres Schützlings wahrnehmen. Eltern projizieren ihr Selbst auf ihr Kind und das nicht so, wie es ist, sondern wie sie es sich wünschen. Ist Dein Kind traurig, beunruhigt Dich das. Vater und Mutter tun negative Empfindungen ihrer Kinder vorschnell ab. Sätze wie „Sei doch nicht traurig!“ und „Das war doch gar nicht so schlimm!“ untergraben die Emotionen der Kleinen.

Oftmals versteckt sich hinter gut gemeinten Sprüchen wie „Sei nicht so ängstlich, begrüße den Onkel Jürgen“ oder „Nun setz Dich doch mal durch!“ die Botschaft, dass Du Dein Kind anders sehen willst, als es ist. Statt Selbstsicherheit vermittelst Du ihm damit, dass Dir sein Verhalten nicht gefällt. Bei Vätern steckt die Angst dahinter, dass sich der kleine Schützling im späteren Leben nicht behauptet.

 

Mit Gefühlen umgehen lernen

Um später ein glücklicher Erwachsener zu werden, ist es wichtig, dass Dein Kind seine Emotionen kennt und lernt, damit umzugehen. Es sollte bewusst seine Stimmungen erkennen und danach agieren, um ein gesundes Ich zu entfalten. Die Familientherapeutin Alice Miller schreibt 1979 in ihrem Buch „Das Drama des begabten Kindes“ darüber, wie Kinder empfinden und wie sie seelisch gesund bleiben. Nach ihren Worten zu urteilen, ist es wichtig, dass das Kind alle Gefühle von Glück bis Traurigkeit auslebt und es niemanden eine gespielte Heiterkeit schuldet. Sie empfiehlt, dass Kinder Emotionen von Zorn und Wut ohne Konsequenzen erleben, um seelisch lebendig zu bleiben.

 

Unterdrückte Emotionen führen zu Entwicklungs-Störungen

Auf die Bedürfnisse Deines Kindes einzugehen, fällt nicht leicht. Oftmals reden Eltern die Enttäuschung beim Kind weg, nehmen ihre Empfindungen nicht ernst oder lehnen ihr Verhalten ab. Die Erwartungen überfordern Deinen Nachwuchs. Es kommt es zu einem Missverhältnis zwischen den individuellen Bedürfnissen und Eigenheiten Deines Sprösslings und der Anpassung an seine Umwelt. Remo H. Largo nennt das »Misfit«. Dieser führt zu Verhaltens-Auffälligkeiten wie Aggressivität, psychischen Symptomen, Leistungs-Einbußen und Entwicklungs-Störungen. Mehr erfährst Du in dem Buch „Regulationsstörungen der frühen Kindheit. Frühe Risiken und Hilfen im Entwicklungskontext der Eltern-Kind-Beziehungen“ von Mechthild Papoušek et al.

 

Gefühlen einen Namen geben

Negative Gefühle gelassen zu nehmen, ist im nervenaufreibenden Alltag nicht leicht. Um mit unguten seelischen Regungen umzugehen und die Eigenheiten Deines Kindes gelassener zu nehmen, hilft es, die Dinge beim Namen zu nennen. Hilf ihm, seine Empfindungen in Worte zu fassen. Dadurch nimmt es Stimmungen und Gefühle bewusster wahr. Das gilt für negative und positive Emotionen. Spiegle die Gemütszustände Deines Kindes in Worten wieder wie: „Ich verstehe, dass Du traurig bist“. Durch dieses Kennenlernen seiner Gefühle lernt es, etwas Negatives in etwas Positives zu verwandeln.

 

Wie viele schlechte Gefühle sind gesund?

Gesunde Kinder sind überwiegend fröhlich. Ein angemessener Spieltrieb, Interesse und Lebhaftigkeit gehören dazu. Ist Dein Kind oft traurig und aggressiv, weint es öfter und verliert das Interesse an Dingen, die ihm früher Freude bereiteten, stimmt etwas nicht. Kommen körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Magenschmerzen, Antriebs-Losigkeit, Konzentrations-Schwäche und Ess- oder Schlafstörungen hinzu, weist das auf eine Depression hin. Zögere bei Auffälligkeiten nicht, den Kinderarzt oder eine Erziehungs-Beratungsstelle aufzusuchen.

 

Wann ist ein Kind depressiv?

Ist Dein Kind mindestens zwei Wochen traurig, lustlos und müde, besteht Verdacht auf eine Depression. Diese Phasen häufen sich und dauern Monate bis Jahre. Die Erkrankung tritt bereits im Kleinkindalter auf. Bei den sieben- bis 17-Jährigen leiden 5,4 Prozent unter Schwermütigkeit. Dies besagt das Modul „Psychische Gesundheit“ der BELLA-Studie, des deutschen Kinder- und Jugend-Gesundheits-Surveys (KiGGS).

 

Traurige Kinder von depressiven unterscheiden

Umso jünger Dein Kind ist, desto schwieriger ist es, eine Depression zu erkennen. Die Kleinsten weinen und schreien zu Beginn oft, sie sind mager, wachsen zu langsam und weisen andere Entwicklungs-Störungen auf. Größere Kinder sind aggressiver und lustlos. Anzeichen für eine Depression sind laut Michael Schulte-Markwort, Leiter der Kinder- und Jugendpsychosomatik am Hamburger Universitätsklinikum:

  • Selbstzweifel,
  • Launenhaftigkeit,
  • Schlafprobleme,
  • Ess-Störungen,
  • Lustlosigkeit,
  • Leistungsabfall,
  • Abkapslung von der Umwelt,
  • Konzentrations-Probleme,
  • Stimmungs-Schwankungen,
  • Selbstmord-Gedanken.

Hier ist der Besuch eines Kinderpsychologen oder einer Kinderpsychiaterin ratsam. Stehe Deinem Kind bei. Sprich mit ihm und vermeide gute Ratschläge und Aufmunterungs-Versuche. Nimm die Gefühle Deines Schützlings ernst.

 

 

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