Stimmungsschwankungen bei Mädchen in der Pubertät

Wenn das Gehirn zur Baustelle mutiert: Mädchen und ihre Stimmungsschwankungen in der Pubertät

Gerade hat Deine Tochter noch strahlend von der aktuellen Folge ihrer Lieblingsserie erzählt, um kurz darauf türenknallend in ihr Zimmer abzurauschen. Aber nicht ohne Dich vorher darüber zu informieren, wie ätzend ihr Leben ist und dass absolut niemand sie versteht. Die Pubertät hat mal wieder zugeschlagen. Hormone wirbeln, das Gehirn gleicht einer Großbaustelle und die Welt scheint auf einmal unendlich groß und voller Chancen zu sein. Wir erklären Dir, warum sich Deine Tochter so verhält.

Mädchen und ihre Stimmungsschwankungen in der Pubertät
Die wechselnde Laune bei Mädchen von 10 bis 16 Jahren, Copyright: deagreez

Ursachen für Stimmungsschwankungen in der Pubertät

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das menschliche Gehirn in der Pubertät massiven Umbauprozessen ausgesetzt ist. Es bilden sich laufend neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen, während das Gehirn alte ungenutzte Verbindungen löscht. Zu Beginn der Pubertät reift die graue Substanz der Großhirnrinde. Nervenfasern entwickeln sich weiter und ermöglichen einen schnelleren Transfer von Informationen als in der Kindheit. Die Denkleistung nimmt deutlich zu und gleicht sich bei Jugendlichen mehr und mehr der Denkfähigkeit von Erwachsenen an. Die Umbauprozesse im Gehirn laufen in den verschiedenen Regionen zeitversetzt ab. Daher ziehen sich die typischen Pubertätssymptome wie Vergesslichkeit, Entscheidungsschwäche und Stimmungsschwankungen bei Mädchen auch über ein geraume Zeit hin.

Fünf Fakten zum Thema Stimmungsschwankungen bei Mädchen in der Pubertät

  • Nervenzellen im Gehirn werden in der Pubertät neu vernetzt.
  • Hormonelle Veränderungen können zu Stimmungsschwankungen und Gereiztheit führen.
  • Der Abnabelungsprozess von den Eltern führt häufig zu Unsicherheit bei den Jugendlichen.
  • Der Ort der Impulskontrolle reift im pubertären Gehirn erst ganz zum Schluss.
  • Alkohol, Nikotin und andere Drogen können dem sich entwickelnden Gehirn empfindlich schaden und Stimmungsschwankungen verstärken.

Auch die Hormone spielen mit

In der Pubertät verändern sich über Jahre hinweg die Spiegel der verschiedenen Hormone. Das Gehirn stößt zu Beginn die Hirnanhangdrüse an, die wiederum die Eierstöcke zur Produktion von weiblichen Geschlechtshormonen stimuliert. Bei jungen Mädchen muss sich der weibliche Zyklus erst einspielen. Jeder Monat ist unterschiedlich und mit den Leveln der Hormone kann auch die Stimmung schwanken.

Noch ein Kind oder schon erwachsen?

Teenager in der Pubertät befinden sich in einer langen Phase der Verwandlung. Sie müssen ihren Platz in der Familie und in der Gesellschaft neu finden. Auf der einen Seite sehnen sie sich nach Unabhängigkeit und danach, endlich eigene Entscheidungen zu treffen. Auf der anderen Seite ist es auch sehr schön, wenn sich Mama und Papa noch um vieles kümmern und es immer eine Anlaufstelle zum Kuscheln gibt. Streit ist vorprogrammiert und Euch als Eltern fällt es immer wieder schwer, den schnellen Stimmungswechseln Eurer Tochter zu folgen. Keine Sorge, das ist in der Pubertät völlig normal.

Wie Du Deiner Tochter bei Stimmungsschwankungen helfen kannst

Erinnerst Du Dich an Deine eigene Pubertät? Es ist nicht leicht, mit einer Großbaustelle im Kopf zu leben, während sich auch noch der Körper verändert. Verständnis und klare Grenzen sind jetzt wichtige Dinge, die Deine Tochter braucht.

  • Biete immer wieder Deine Unterstützung an, ohne aufdringlich zu sein.
  • Sprich mit Deiner Tochter über die Veränderungen, die ihr in der Pubertät bevorstehen. Wenn sie weiß, dass alle Jugendlichen Stimmungsschwankungen haben und warum das so ist, kann sie mit ihren eigenen Gefühlen besser umgehen.
  • Nimm es nicht persönlich, wenn sich Deine Tochter im Ton vergreift, mach ihr aber klar, dass Du das nicht akzeptierst.
  • Gib Deiner Tochter Sicherheit, auch wenn Du manchmal am liebsten selber die Teller an die Wand werfen würdest. Überlegt Euch zusammen bessere Methoden, Dampf abzulassen. Das verbindet!
  • Feiert zusammen die guten Momente! Erinnert Euch daran, dass auch die Pubertät eines Tages vorbei geht und Euch am anderen Ende eine erwachsene junge Frau erwartet, die gelernt hat, mit ihren Gefühlen umzugehen.

Wann Ihr Euch besser Hilfe sucht

Stimmungsschwankungen in der Pubertät sind für Eure Tochter und für Euch anstrengend. Solange sich die Lage zu Hause zwischendurch auch entspannt und alle Verständnis füreinander aufbringen, werdet Ihr die Phase gemeinsam überstehen. Den Kinderarzt oder den Hausarzt holt Ihr am besten mit ins Boot,

  • wenn Ihr den Eindruck habt, die Situation nicht mehr in den Griff zu bekommen,
  • wenn Alkohol und Drogen im Spiel sind,
  • wenn Eure Tochter nicht mehr essen möchte,
  • wenn sie absichtlich erbricht oder
  • wenn sie sich selbst verletzt.

Quellen:

  • Michael J. Lentze, Jürgen Schaub, Franz-Josef Schulte, Jürgen Spranger; Pädiatrie: Grundlagen und Praxis; Springer Verlag; Heidelberg 2013
  • Manfred Tücke, Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters für (zukünftige) Lehrer, LIT Verlag, Münster 2007
  • Claudia und David Arp, Und plötzlich sind sie 13 oder: Die Kunst, einen Kaktus zu umarmen – So begleiten Sie Ihr Kind durch die Teenagerzeit, Brunnen Verlag, Gießen 2010