Richtig streiten – Kindern konstruktives Streiten lernen!

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Respektvoll Streiten kann man lernen.

Streiten im Sinne einer konstruktiven Konfliktaustragung ist nicht einfach. Bereits Kinder bekommen vermittelt, dass Konflikte und Streitereien negativ behaftet sind. Anstatt ihnen beizubringen, wie eine ordentliche Streitkultur funktioniert, werden ihnen Auseinandersetzungen meist untersagt. Dabei sind Konflikte an sich nichts Schlechtes. Sie können sogar sehr wertvoll sein und uns voranbringen. Entscheidend ist nur, in welcher Art sie ausgetragen werden. Richtig streiten kann man lernen und sollte es stets trainieren.

Nach einem Streit wird sich vertragen

Selbstverständlich fühlst Du Dich in Deiner persönlichen oder familiären Harmonie gestört, wenn Streit ansteht. Besonders Meinungsverschiedenheiten von Geschwistern können nervtötend sein. Und doch ist es so wichtig, diese kleinen Kämpfe der Rivalität auszuhalten, denn sie erfüllen eine wichtige Funktion. Im Vordergrund von Meinungsverschiedenheiten unter Kindern sollten daher erst einmal Regeln stehen.

Denn richtig Streiten mit Kindern muss gelernt werden. Hier erhältst Du Tipps und auch die Erklärung dafür, warum das Streiten ein wichtiger Bestandteil der kindlichen Entwicklung ist.

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Meine 5 Tipps

  1. Ein unausgetragener Konflikt mündet eher in ein Zerwürfnis, als ein größerer Streit.
  2. Richtig streiten lernen ist ein längerer, wenn nicht lebenslanger Prozess.
  3. An einem Streit sind mindestens zwei Personen beteiligt, also sollten auch beide zu Wort kommen dürfen und jede Meinung gleich wert sein.
  4. Streiten hat nichts mangelndem Erwachsensein oder Unreife zu tun. Unterschiedliche Standpunkte können überall und jederzeit auftreten.
  5. Die besten Erfolgsaussichten einen Konflikt zu lösen, kommen durch Kompromissbereitschaft der beiden Streitparteien zustande.

Bäääähmmm… es geht schon wieder los

Du genießt gerade die Stille im Garten, erholst Dich von einer stressigen Woche oder liest ein gutes Buch, als die Ruhe jäh unterbrochen wird. Aus dem Kinderzimmer ertönen die Stimmen der Kleinen immer lauter und aufgeregter.

Im ersten Moment magst Du vielleicht ein Stoßgebet zu Himmel schicken, gepaart mit den obligatorischen Worten „Nicht schon wieder“. Um die Situation vielleicht ein wenig differenzierter betrachten zu können, solltest Du dabei wissen, dass

  • Streit die Persönlichkeit der Kinder festigt
  • Streit dem Kind eine Rangordnung innerhalb der Freunde offenbart
  • Streit ein generelles Ventil für soziale Interaktion ist. Denn wer keinen Umgang mit anderen Leuten hat, wird auch nicht streiten
  • Streit zeigen kann, wer ein guter Freund ist, und wer nicht
  • Streit unter Kindern nur halb so schlimm ist, wie ein Erwachsener ihn empfindet

Streit zur Bildung der Persönlichkeit?

Ja, ganz genau so ist es. Daher sollten Erwachsene auch tunlichst vermeiden, in die Streitigkeiten von Kindern einbezogen zu werden. Die Youngsters müssen selbst ihren Weg finden.

Zudem kannst Du sie nicht ein Leben lang beschützen, und es ist somit gut, wenn sie bereits früh lernen, dass sie sich wehren und argumentieren müssen. Selbstverständlich braucht auch ein Streit klare Regeln um nicht aus dem Ruder zu laufen.

Dabei geht es nicht um eine hoch komplexe wissenschaftliche Abhandlung von Reglementierungen, sondern um ein paar simple Richtlinien zum gemeinsamen Streiten, die Du deinen Kindern vermitteln solltest:

  1. ) Es gibt im Streit keine körperliche Gewalt. Es wird nicht geschlagen, getreten oder mit Dingen geworfen.
  2. ) In einer Gruppe darf nie ein Einzelner von allen Kindern verbal angegriffen werden.
  3. ) Sich auf wesentlich jüngere oder verschüchterte Kinder „einzuschießen“ ist tabu!
  4. ) Ein Streit dient nicht dazu, sich ewig in den Haaren zu liegen, sondern muss zu einer Einigung oder einem Kompromiss führen!
  5. ) Im Streit wird nie auseinandergegangen, spätestens am Ende des Tages muss Ruhe einkehren.

Eine Auseinandersetzung dient nicht nur dazu, die sprichwörtlich dicke Luft zu reinigen, sondern hilft auch, sich selbst und sein Gegenüber besser kennen und einschätzen zu lernen. Dazu sagte bereits Johann Wolfgang von Goethe, dass man sich in Partnerschaften streiten muss, damit man mehr voneinander erfährt.

Der leiseste verliert …. Immer auf die Kleinen?

Auf gar keinen Fall dürfen kindliche Streitigkeiten immer auf den Schwächsten in der Gruppe abzielen. Es verängstigt die angegriffene Kinderseele mitunter so sehr, dass es sich immer mehr von anderen Kindern fernhält, um ja nicht wieder in den Mittelpunkt eines Streits zu geraten.

Das Gleiche gilt für das Vorgehen einer Gruppe Kinder gegen einen Einzelnen. Dieses Geplänkel endet selten gut oder harmonisch und fördert das Ausgrenzen Einzelner. Ziel eines Streits muss immer eine Einigung sein. Natürlich sind Kompromisse unter kleinen Streithähnen auch ok.

Deinem Kind das zu erklären, ist Deine Aufgabe. Versuche begreiflich zu machen, dass es manchmal nicht möglich ist, den ganzen Tag harmonisch und ohne Ärger zu verbringen, und dass eine reinigende Auseinandersetzung durchaus zur Festigung von Freundschaften beitragen kann.

Ganz besonders wenn mehrerer Kinder zusammen sind, und beginnen sich zu zanken, setzt eine Art Lerneffekt ein. Es wird, wie bei Erwachsenen auch, oftmals Partei ergriffen und nicht selten ein schwächeres Kind unterstützt. So lernen die kleinen Streiter, sich für andere einzusetzen. Manchmal ist die Erfahrung aber auch schmerzlich, z.B. wenn ein Kind feststellt, dass ein vermeintlicher Freund eben nicht zu ihm hilft, sondern der Gegenpartei.

Eltern als Vorbild beim richtig Streiten mit Kindern?

Tatsächlich solltest Du Dich bei einer Auseinandersetzung selbst beobachten, denn Du bist das Idol Deines Nachwuchses. So wie Du streitest, tut es auch meist Dein Kind. Doch davon abgesehen muss es für Dich ein Tabu sein, in den Streit von Kindern einzugreifen oder ihn stoppen zu wollen.

Auch Kinder haben ein Recht darauf, sich zu zanken, ohne dass ein Erwachsener diese Reinigung einer aufgeladenen Situation unterbindet. So kann der Streit nämlich nicht aus der Welt geschafft werden, und schwelt unterschwellig weiter. Als Resultat zerbrechen Freundschaften.

Wenn Du jedoch deeskalierend eingreifen musst, weil eine Streitregel verletzt wird, dann stelle sicher, dass Du nicht Partei ergreifst. Versuche eher den Konflikt an sich zu begreifen und lasse die Kids selbst an der Lösung arbeiten.

Erkläre den Kindern, dass Du kein Vermittler in ihrer Streitigkeit bist, sondern nur die Einhaltung der Regeln überwachst. Denn nur so können sie lernen, wie richtig Streiten mit Kindern funktioniert.

Besonders wichtig ist es, den Kindern zu vermitteln, dass kein Mensch im Streit auseinandergehen sollte. Spätestens wenn jemand das Haus verlässt, oder abends ins Bett geht, sollte alles wieder gut sein.

Der innere Groll würde damit nur größer und das Problem aufgebauscht. Daher muss vor dem Auseinandergehen immer Frieden geschlossen werden.

Abschließend gesagt ist es sicherlich gut, wenn Du Dich mit anderen Eltern aus dem Freundeskreis Deiner Sprösslinge über dieses Thema unterhältst.

Denn das Kapitel richtig streiten mit Kindern ist viel zu wichtig, als dass es vernachlässigt werden könnte. Und wir alle kennen die eine oder andere Mutter, die nur allzu gerne Justizia spielt, um ihr eigenes Kind zu beschützen.

Aus der kindlichen Zankerei wird dann ganz schnell ein ausgewachsener Streit unter Eltern, der oft nicht mehr zu kitten ist. Dabei ging es anfangs vielleicht nur um banale Dinge wie Lieblingsfarben, die dann zu einem Bruch in einer ehemals unbelasteten Freundschaft führen.

Regeln zum richtigen Streiten

Ich-Sätze statt Du-Sätze verwenden

Es lässt sich sehr viel Druck aus einem Streitgespräch nehmen, wenn in Ich-Botschaften kommuniziert wird. Dabei sprichst du von deinen Bedürfnissen und deinem Anliegen ohne den Gesprächspartner anzuklagen. Du-Botschaften rufen in dem Streitpartner meist ein Verteidigungsbedürfnis hervor und er geht (unbewusst) auf Abstand. Das macht es für ihn schwer das Gesagte im Kern wirklich zu verstehen und ein vernünftiges Gespräch kann gar nicht zustande kommen. Der „Angeklagte“ ist eher damit beschäftigt sich aus den Vorwürfen herauszumanövrieren, statt wirklich auf den anderen einzugehen. Sprich in einem Streitgespräch lieber von dir und davon, wie du dich fühlst. Ich-Botschaften sind ein gutes Werkzeug für eine produktive Auseinandersetzung. Redest du von dir und deinem Leidensdruck, ist dein Gesprächspartner automatisch offener und kooperativer.

Pauschalisierungen vermeiden

Pauschale Vorwürfe werden in einer Auseinandersetzung sehr häufig verwendet. Es fallen dann Aussagen, wie „NIE hörst du mir zu“, „IMMER lässt du mich alleine mit allem“. Auch wenn der Kern der Sache stimmen mag, sind die Adverbien in diesem Satz nichts als Übertreibungen, mit denen der andere nicht viel anfangen kann. Nenne lieber konkrete Beispiele (als Ich-Satz formuliert), in denen du dich alleine gelassen fühltest oder wann genau dir nicht zugehört wurde.

Gespräche nicht im Emotionsrausch führen

Dieser Tipp ist nicht immer leicht zu beherzigen, denn ein Streit entsteht meist dann, wenn die Fronten extrem verhärtet sind. Nicht selten kommt es dann vor, dass Dinge im Eifer des Gefechts gesagt werden, die man später wieder bereut. Deshalb ist es nicht ratsam das Streitgespräch dann zu führen, wenn die Emotionsintensivität am höchsten ist. So kann es zu keinem konstruktiven Ergebnis kommen. Sinnvoll ist es, dass sich jeder der Beteiligten erst mal eine Auszeit nimmt und der Streit dann ausgetragen wird, wenn sich die Gemüter etwas beruhigt haben.

Beleidigungen sind tabu

In einer hitzigen Debatte fallen auch Beleidigungen, das ist gang und gäbe. Dennoch sollten diese unbedingt vermieden werden. Sie haben nur ein Ziel, den anderen zu verletzen. Zur Klärung der Sache tragen sie überhaupt nichts bei. Im Gegenteil, der Streit wird so auf eine destruktive Ebene gehoben. Auch wenn es schwer ist, versuche deine Worte mit Bedacht zu wählen. Hast du eine Beleidigung auf der Zunge, sage innerlich „Stopp“ und behalte sie für dich. Formuliere sie stattdessen in eine sachliche Aussage um. Diese Methode kann etwas Übung voraussetzen ist aber sehr effektiv. Im Gegenzug kannst du natürlich auch erwarten, dass dein Gesprächspartner dir mit Respekt und einer ordentlichen Wortwahl gegenübertritt.

Die Vergangenheit ruhen lassen

Um die eigene Argumentation zu bekräftigen, wird häufig die Vergangenheit aufgewärmt. Fehler, die gemacht wurden, sollten da bleiben, wo sie hingehören, und zwar in der Vergangenheit. Sie tragen nichts zur Lösungsfindung bei, sondern verschärfen die Situation nur unnötig. Beziehe dich in einem Streit nur auf aktuelle Geschehnisse, vergangene Vorkommnisse sind nicht mehr zu ändern.

Gehört werden und Zuhören

In einem Gespräch, also auch in einem Streit, hast du das Recht, dass man dir zuhört und dich ausreden lässt. Überfährt dieses Recht jemand, solltest du ihn darauf hinweisen. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass es auch deine Pflicht ist, deinem Gegenüber zuzuhören. Gerade in einer Auseinandersetzung reden wir uns gern in Rage, weil wir das Bedürfnis haben, unseren Standpunkt unbedingt mitzuteilen. Dennoch ist es wichtig, den anderen auch zu Wort kommen zu lassen und ihn nicht zu unterbrechen. Deine Argumente sind es genauso wert vorgetragen zu werden, wie die deines Gesprächspartners.

Konflikte unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen

Ein Streitgespräch sollte niemals an einem öffentlichen Ort ausgetragen werden. Das ist Privatsache und dient nicht zur Unterhaltung anderer Leute. Wenn Kinder anwesend sind, sollte die Konfliktaustragung an einen anderen Ort oder auf eine andere Zeit verlegt werden. Ist ein Kompromiss oder eine Schlichtung aus eigener Kraft nicht möglich, ist das Hinzuziehen einer weiteren Person hingegen sinnvoll. Allerdings sollte das eine neutrale Person sein, die natürlich nicht mitstreitet, sondern als Mediator auftritt. Die außenstehende und objektive Perspektive des Mediators kann einen wertvollen Beitrag zur Lösungsfindung darstellen.

Richtig streiten lernen heißt auch Empathie aufzeigen

Die Kritik des Gesprächspartners kommt nicht von ungefähr. Wenn du sie für ungerechtfertigt hältst, dann versuche dich in ihn hineinzuversetzen, bevor du sie abschmetterst.
„Nur weil du ein Problem nicht sieht, heißt das nicht, dass er für den anderen nicht existent ist!“
Es ist auch sinnvoll, die Aussagen des Gesprächspartners zu bestätigen und ihn deutlich zu machen, dass du ihn verstehen kannst. Das kann zum Beispiel durch

  • zustimmendes Nicken,
  • Körperzuneigung und direkten Blickkontakt,
  • liebevolle Gesten (nur in engeren Beziehungen) oder
  • verbale Verständnisbekundungen passieren.

Mein kleines Fazit

Es ist ganz klar, Streiten funktioniert nicht immer ruhig und vernünftig. Je belastender der Konflikt ist, desto lauter und unsachlicher wird es auch mal. Dennoch gibt es in paar Regeln, die man einhalten sollte. Die gute Nachricht ist: Richtig streiten kann man lernen. Schließlich geht es nicht nur darum, Ballast abzuwerfen. Vielmehr soll für beide Parteien eine zufriedenstellende Lösung ausfindig gemacht werden.

Meine Lese Empfehlung

Streit und Konflikte als Chance: 2x4 Schritte zur erfolgreichen Konfliktlösung
  • Mehlem, Dr. Peter (Autor)
  • 32 Seiten - 22.01.2018 (Veröffentlichungsdatum) - Independently published (Herausgeber)

 

Quellen:

  • Mehlem, Peter: Streit und Konflikte als Chance. 2×4 Schritte zur erfolgreichen Konfliktlösung. Independently published, 2018.
  • Motamedi, Susanne: Richtig streiten. Konflikte lösen. Freiburg: Kreuz-Verlag, 1997.

 

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