Respektvoll Streiten kann man lernen
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Respektvoll Streiten kann man lernen.

Selbstverständlich fühlst Du Dich in Deiner persönlichen oder familiären Harmonie gestört, wenn Streit ansteht. Besonders Meinungsverschiedenheiten von Geschwistern können nervtötend sein.

Und doch ist es so wichtig, diese kleinen Kämpfe der Rivalität auszuhalten, denn sie erfüllen eine wichtige Funktion. Im Vordergrund von Meinungsverschiedenheiten unter Kindern sollten daher erst einmal Regeln stehen.

Denn richtig Streiten mit Kindern muss gelernt werden. Hier erhältst Du Tipps und auch die Erklärung dafür, warum das Streiten ein wichtiger Bestandteil der kindlichen Entwicklung ist.

Bäääähmmm… es geht schon wieder los

Du genießt gerade die Stille im Garten, erholst Dich von einer stressigen Woche oder liest ein gutes Buch, als die Ruhe jäh unterbrochen wird. Aus dem Kinderzimmer ertönen die Stimmen der Kleinen immer lauter und aufgeregter.

Im ersten Moment magst Du vielleicht ein Stoßgebet zu Himmel schicken, gepaart mit den obligatorischen Worten „Nicht schon wieder“. Um die Situation vielleicht ein wenig differenzierter betrachten zu können, solltest Du dabei wissen, dass

  • Streit die Persönlichkeit der Kinder festigt
  • Streit dem Kind eine Rangordnung innerhalb der Freunde offenbart
  • Streit ein generelles Ventil für soziale Interaktion ist. Denn wer keinen Umgang mit anderen Leuten hat, wird auch nicht streiten
  • Streit zeigen kann, wer ein guter Freund ist, und wer nicht
  • Streit unter Kindern nur halb so schlimm ist, wie ein Erwachsener ihn empfindet

Streit zur Bildung der Persönlichkeit?

Ja, ganz genau so ist es. Daher sollten Erwachsene auch tunlichst vermeiden, in die Streitigkeiten von Kindern einbezogen zu werden. Die Youngsters müssen selbst ihren Weg finden.

Zudem kannst Du sie nicht ein Leben lang beschützen, und es ist somit gut, wenn sie bereits früh lernen, dass sie sich wehren und argumentieren müssen. Selbstverständlich braucht auch ein Streit klare Regeln um nicht aus dem Ruder zu laufen.

Dabei geht es nicht um eine hoch komplexe wissenschaftliche Abhandlung von Reglementierungen, sondern um ein paar simple Richtlinien zum gemeinsamen Streiten, die Du deinen Kindern vermitteln solltest:

  1. ) Es gibt im Streit keine körperliche Gewalt. Es wird nicht geschlagen, getreten oder mit Dingen geworfen.
  2. ) In einer Gruppe darf nie ein Einzelner von allen Kindern verbal angegriffen werden.
  3. ) Sich auf wesentlich jüngere oder verschüchterte Kinder „einzuschießen“ ist tabu!
  4. ) Ein Streit dient nicht dazu, sich ewig in den Haaren zu liegen, sondern muss zu einer Einigung oder einem Kompromiss führen!
  5. ) Im Streit wird nie auseinandergegangen, spätestens am Ende des Tages muss Ruhe einkehren.

Eine Auseinandersetzung dient nicht nur dazu, die sprichwörtlich dicke Luft zu reinigen, sondern hilft auch, sich selbst und sein Gegenüber besser kennen und einschätzen zu lernen. Dazu sagte bereits Johann Wolfgang von Goethe, dass man sich in Partnerschaften streiten muss, damit man mehr voneinander erfährt.

Der leiseste verliert …. Immer auf die Kleinen?

Auf gar keinen Fall dürfen kindliche Streitigkeiten immer auf den Schwächsten in der Gruppe abzielen. Es verängstigt die angegriffene Kinderseele mitunter so sehr, dass es sich immer mehr von anderen Kindern fernhält, um ja nicht wieder in den Mittelpunkt eines Streits zu geraten.

Das Gleiche gilt für das Vorgehen einer Gruppe Kinder gegen einen Einzelnen. Dieses Geplänkel endet selten gut oder harmonisch und fördert das Ausgrenzen Einzelner. Ziel eines Streits muss immer eine Einigung sein. Natürlich sind Kompromisse unter kleinen Streithähnen auch ok.

Deinem Kind das zu erklären, ist Deine Aufgabe. Versuche begreiflich zu machen, dass es manchmal nicht möglich ist, den ganzen Tag harmonisch und ohne Ärger zu verbringen, und dass eine reinigende Auseinandersetzung durchaus zur Festigung von Freundschaften beitragen kann.

Ganz besonders wenn mehrerer Kinder zusammen sind, und beginnen sich zu zanken, setzt eine Art Lerneffekt ein. Es wird, wie bei Erwachsenen auch, oftmals Partei ergriffen und nicht selten ein schwächeres Kind unterstützt. So lernen die kleinen Streiter, sich für andere einzusetzen. Manchmal ist die Erfahrung aber auch schmerzlich, z.B. wenn ein Kind feststellt, dass ein vermeintlicher Freund eben nicht zu ihm hilft, sondern der Gegenpartei.

Eltern als Vorbild beim richtig Streiten mit Kindern?

Tatsächlich solltest Du Dich bei einer Auseinandersetzung selbst beobachten, denn Du bist das Idol Deines Nachwuchses. So wie Du streitest, tut es auch meist Dein Kind. Doch davon abgesehen muss es für Dich ein Tabu sein, in den Streit von Kindern einzugreifen oder ihn stoppen zu wollen.

Auch Kinder haben ein Recht darauf, sich zu zanken, ohne dass ein Erwachsener diese Reinigung einer aufgeladenen Situation unterbindet. So kann der Streit nämlich nicht aus der Welt geschafft werden, und schwelt unterschwellig weiter. Als Resultat zerbrechen Freundschaften.

Wenn Du jedoch deeskalierend eingreifen musst, weil eine Streitregel verletzt wird, dann stelle sicher, dass Du nicht Partei ergreifst. Versuche eher den Konflikt an sich zu begreifen und lasse die Kids selbst an der Lösung arbeiten.

Erkläre den Kindern, dass Du kein Vermittler in ihrer Streitigkeit bist, sondern nur die Einhaltung der Regeln überwachst. Denn nur so können sie lernen, wie richtig Streiten mit Kindern funktioniert.

Besonders wichtig ist es, den Kindern zu vermitteln, dass kein Mensch im Streit auseinandergehen sollte. Spätestens wenn jemand das Haus verlässt, oder abends ins Bett geht, sollte alles wieder gut sein…

Der innere Groll würde damit nur größer und das Problem aufgebauscht. Daher muss vor dem Auseinandergehen immer Frieden geschlossen werden.

Abschließend gesagt ist es sicherlich gut, wenn Du Dich mit anderen Eltern aus dem Freundeskreis Deiner Sprösslinge über dieses Thema unterhältst.

Denn das Kapitel richtig streiten mit Kindern ist viel zu wichtig, als dass es vernachlässigt werden könnte. Und wir alle kennen die eine oder andere Mutter, die nur allzu gerne Justizia spielt, um ihr eigenes Kind zu beschützen.

Aus der kindlichen Zankerei wird dann ganz schnell ein ausgewachsener Streit unter Eltern, der oft nicht mehr zu kitten ist. Dabei ging es anfangs vielleicht nur um banale Dinge wie Lieblingsfarben, die dann zu einem Bruch in einer ehemals unbelasteten Freundschaft führen.

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