Wenn Worte und Sätze zum undurchsichtigen Dschungel werden

LRS – drei Buchstaben, die das Leben einer ganzen Familie vollkommen auf den Kopf stellen. In der Gesellschaft führen Legasthenie und Dyslexie zu kontroversen Diskussionen. Wohl ein Grund mag das individuelle Profil eines Kindes im Zusammenhang mit seinen Dispositionen sein. Ein Zusammenspiel aus den körperlichen Voraussetzungen, den persönlichen Eigenschaften und dem äußeren Einfluss entscheidet über die Faktoren, die auf Legasthenie einwirken. Wir diskutieren im folgenden Ratgeber nicht nur das Phänomen der Legasthenie, sondern wollen betroffenen Eltern einen ersten Wegweiser durch unterschiedliche Studien und Ansätze liefern.

 

Legasthenie was können Eltern tun bei Verdacht auf LRS
Legasthenie LRS Verdacht Urheber: stfotograf / 123RF.com

Was ist Legasthenie?

Grundsätzlich ist es keine Krankheit. Obendrein bildet eine Zuweisung harmloser Schwierigkeiten im Lese-Rechtschreib-Bereich eine Sackgasse, die keinen Schüler ein Stück weiter bringt. Vielmehr handelt es sich um eine ausgeprägte Lese-Rechtschreib-Schwäche, die nichts mit einer Krankheit zu tun hat. Nur mit professioneller Unterstützung ist es Schülern möglich, diese Schwäche zu überwinden und mit Hilfsmitteln zu kompensieren. Viele Kinder, die unter Legasthenie leiden, sind sehr kreativ. Sie lassen sich jede Menge einfallen, um möglichst ohne Schreiben und Lesen durch die Schule kommen.

 

Was sind die Ursachen von Legasthenie?

Erziehungswissenschaftler und Forscher vermuten, dass die Ursachen im genetischen Bereich zu suchen sind. Aus diesem Grund ist in den meisten Fällen von einer „erblichen Wortblindheit“ die Rede. Bereits mit Beginn der Gentechnik im 20. Jahrhundert konstatierte man über Stammbaum-Analysen eine genetische Disposition als Basis für die Vererbung und Aneignung von Legasthenie. Darüber hinaus lassen sich neurobiologische Ursachen in der

  • akustischen,
  • visuellen und
  • phonologischen Wahrnehmung ausmachen.

 

Die äußeren und sozialen Faktoren wirken sich auf den Schweregrad der Legasthenie aus, sodass gerade familiäre Probleme auftretende Symptome weiter verstärken.

 

Checkliste: Hat mein Kind Legasthenie?

Rechtschreibfehler sind vollkommen normal und für Eltern erst einmal kein Grund, um das Schlimmste dahinter zu vermuten. Dein Kind lernt in der Schule, wie es sich an die Rechtschreibregeln hält und fehlerfrei schreibt. Erst wenn dein Kind dauerhaft und im Vergleich zu seinen Klassenkameraden häufiger Fehler macht, solltest du stutzig werden. Besonders achtsam sollten Eltern Anfang der zweiten Klasse werden, wenn man sie immer wieder mit dem Spruch beruhigen möchte: „Das wird er/sie schon noch lernen.“

 

Ähnliche Erkenntnisse gelten im Bereich des Lesens. Legasthenie hat hier nichts mit Schwierigkeiten zu Beginn des Lesen Lernens zu tun, sondern vielmehr mit einer verschobenen Wahrnehmung. Kinder, die unter dieser Lese-Rechtschreib-Schwäche leiden, fassen manchmal vollkommen ohne Sinn verschiedene Buchstaben zusammen.

Überdies sind die Kleinen bereits in der Grundschule sehr sensibel für ihr soziales Umfeld. Das bedeutet: Dein Kind wird sehr schnell herausfinden, dass es eigentlich immer mehr Fehler macht als seine Klassenkameraden. Demnach wird das ungeliebte Lesen und Schreiben gemieden. Die Schüler bewegen sich in einem immerwährenden Strudel, der mit einem Teufelskreis gleichzusetzen ist, aus dem betroffene Schüler nur mithilfe der Eltern und des Umfelds wieder herauskommen.

 

Hier die häufigsten Anhaltspunkte für Kinder mit Legasthenie:

 

  • Ähnlich klingende Laute und Kombinationen werden immer wieder verwechselt, wie zum Beispiel Schwein statt Schein.
  • Buchstaben zu Beginn, im Wortinneren oder am Ende werden weggelassen.
  • Optisch ähnliche Zeichen wie b und d, v und w oder p und q werden immer wieder verwechselt.
  • Dein Kind liest stockend und langsam. Teilweise ist dem Gelesenen gar kein Sinn zu entnehmen.
  • Dein Kind nicht in der Lage, das Gelesene vom Sinn her wiederzugeben.
  • Du hast das Gefühl, es reiht nur Buchstaben aneinander.
  • Auch Übungen der Silben-Zerlegung sind nur mit sehr viel Mühe zu bewältigen.
  • Zu weiteren Schwierigkeiten kommt es in der Reihenfolge von Buchstaben: Brat statt Bart.
  • Dazu gesellt sich die zunehmende Unlust beim Lesen und Schreiben. Stellst du fest, dass Hausaufgaben oder Übungsstunden zuhause zu einem echten Kampf ausarten, solltest du dir auf Dauer Gedanken darüber machen.

 

Was können Eltern tun bei Legasthenie?

Dennoch ist es nicht richtig, als Eltern direkt zum Erziehungswissenschaftler oder Schulpsychologen zu mutieren. Holt euch lieber den Rat bei Profis, sprecht mit Erziehern und Lehrern über eure Beobachtungen und lasst euch auf keinen Fall vertrösten.

Anzeige:

 

 

Eine der häufigsten Hinweise für Kinder mit Legasthenie ist eine ausgeprägte Schwäche im Bereich Lesen und Schreiben, die sich jedoch nicht auf den Rest der Schule ausweitet. Zudem stellen sich auch nach häufigem Üben zuhause oder in der Schule keinerlei Verbesserungen der Fähigkeiten ein.

 

Wie Eltern Legasthenie erklären?

Gebt einem Kind genügend Rückhalt und erklärt, warum es nicht so einfach und problemlos wie seine Mitschüler lernt. Dabei solltet ihr auf keinen Fall Legasthenie als Krankheit erklären, sondern vielmehr als Hürde und Hindernis, das überwunden werden muss.

Trotzdem hat dieses Problem nichts mit der Intelligenz eures Kindes zu tun. Das solltet ihr ganz deutlich herausstellen und zugleich positive Perspektiven aufmachen, um den Druck aus der Situation zu nehmen. Insbesondere Kinder, die das Gefühl haben, unter einem enormen Lerndruck und Erfolgsdruck zu stehen, werden große Probleme haben, ihre Legasthenie anzunehmen.

 

Mit gezielten Übungen Legasthenie überwinden

Eltern müssen sich bei Kindern mit Legasthenie auf jeden Fall den Rat von Lerntherapeuten und Fachleuten einholen. Hast du bereits unendliche Übungsstunden zuhause hinter dir und ist die Front beim Lesen und Schreiben verhärtet? Dann sind Therapeuten mit Übungsstunden in einer neutralen Umgebung die geeignete Lösung.

Gebt der ganzen Familie und eurem Kind genügend Zeit, um die Fähigkeiten über einen längeren Zeitraum zu erlernen. In diesem Bereich empfiehlt sich spezifische Legasthenie Lernsoftware, die ausgehend von überschaubaren Übungs-Einheiten nicht zugleich mit der Überforderung droht. Strukturierende Lernübungen nutzen Farben zum Hervorheben und Kennzeichen sowie Laut-Gebärden, um die Buchstaben einzuüben. Schwierige Wörter landen auf Karteikarten, die in den Kästen gesammelt werden – um immer wieder zum Übungseinsatz zu kommen.

 

Erst Lesen – dann Schreiben

Gerade das Zusammenspiel aus Sprechen, Hören und Sehen sowie Schreiben bildet eine grundlegende Basis für den Erfolg deines Kindes. Folglich macht es keinen Sinn, mit einem ganzen Diktat zu starten, sondern nur mit sehr kurzen Sätzen und einfachen Worten, die schnell zu ersten Erfolgserlebnissen führen.

Um dein Kind auch für die Zukunft und für das Lesen und Schreiben zu motivieren. Dabei bildet das Lesen Lernen eine erste Voraussetzung für eine korrekte Rechtschreibung. Diese Reihenfolge lässt sich auch auf Fremdsprachen übertragen. Langsames Sprechen und deutliches Artikulieren hilft, um die grundlegenden Strukturen der Worte zu erfassen und einzuhalten.

 

 

Einige Informationen fehlen noch!Hat mir nicht so gut weitergeholfenHat mir gefallen - aber nicht richtig geholfen!Hat mir geholfen und gut gefallenArtikel hat mir sehr gut gefallen (3 Punkte )
Loading...