Ängstliche Kinder stärken (6 Jahre)

Du beendest die Gutenachtgeschichte und greifst zum Lichtschalter. Bevor Du das Licht löschst, beginnt Dein Nachwuchs zu weinen. Angst vor der Dunkelheit ist unter Kindern genauso weitverbreitet wie die Angst vor allem was Neu ist. Des Weiteren fürchten sie sich vor, Fremden, vor der Schule und Klassenarbeiten, oder vor Tieren oder dem Monster unter dem Bett.

Vorwiegend bei irrationalen Ängsten Deines Kindes fällt es Dir schwer, Verständnis aufzubringen? Versuchst Du die Furcht Deines Sprösslings kleinzureden, fühlt sich dieser unverstanden. Schlimmstenfalls entsteht eine Vertrauenskluft, welche die Vater-Kind-Beziehung beeinträchtigt.

Ängstlichen Kinder Unterstützung gegen die Furcht bieten

In jungen Jahren fehlt Kindern die Fähigkeit, Situationen objektiv mit dem Verstand zu erfassen. Vorwiegend auf unbekannte Ereignisse reagieren sie ängstlich. Angst stellt eine natürliche und sinnvolle Emotion dar. Sie warnt uns vor Gefahren. Gleichzeitig verhindert die Vorsicht, dass wir uns verletzen oder unser Leben riskieren. Eine gesunde Angst ist lebenswichtig.

Anders verhält es sich mit irrationaler oder übermäßiger Furcht. Artet diese in blanke Panik aus, bietet sie dem Körper keinen Energieschub. Vielmehr führt sie zur Immobilisierung. In dem Fall handelt es sich um die sprichwörtliche „lähmende Angst“.

Leiden Kinder unter Ängsten, die ihren Alltag beeinträchtigen, fühlen sich die Eltern oft machtlos. Sie sehen, wie ihr Nachwuchs leidet, ohne ihm helfen zu können. Damit es Dir gelingt, Deinen ängstlichen Sprössling zu stärken, versuche, seine Furcht nachzuvollziehen. Warum fürchtet es sich vor dem Nachbarshund? Was ist der Grund dafür, dass es auf Fremde unsicher und schüchtern reagiert? Warum beginnt es bei lauten Geräuschen zu weinen?

Unter Umständen resultiert diese Furcht aus einem Schlüsselerlebnis. Sie entwickelte sich beispielsweise aus einem Trauma in der frühen Kindheit. Bellte ein großer Hund Deinen Nachwuchs an und erschreckte ihn, bleibt eine unterbewusste Furcht zurück. Beim Anblick des Nachbarshundes erinnert sich Dein Sprössling an die aus seiner Sicht gefährliche Situation. Aufgrund der Angstreaktion versucht er, den Kontakt mit dem Angstauslöser – in diesem Beispiel dem Hund – zu vermeiden.

Erlaube Deinem Kind negative Gefühle

Ebenso wie Frustration und Wut gehört die Angst zum Leben. Für die Eltern besteht keine Möglichkeit, die Kinder davor zu schützen. Im Gegenteil: Stellt sich der Sprössling seinen Ängsten nicht, verstärken sich diese. Aus der normalen Furcht entwickelt sich Panik. Diese geht mit Stress und körperlichen Reaktionen wie Atembeschwerden und Herzrasen einher. Um die übermäßige Furcht zu verhindern, gilt es, Kinder sanft mit ihren Ängsten zu konfrontieren. Zunächst hilft es ihnen, wenn Du sie nach dem Grund für ihre Reaktion fragst.

Teilweise beruhigen sich die Sprösslinge nach einem klärenden Gespräch. Hilfst Du ihnen, eine Situation rational zu betrachten, fühlen sie sich ihr gewachsen. Teilt Dir Dein Sohn oder Deine Tochter Ängste mit, nimmst Du diese ernst. Für Dein Kind ist die Furcht real. Sie stellt eine psychische Belastung dar. Lachst Du über die Angstsituation, nimmt die Vertrauensbasis zwischen Dir und Deinem Schützling Schaden. Gleichzeitig leidet sein Selbstwertgefühl unter dem mangelnden Verständnis durch die Bezugsperson. Spottnamen wie „Angsthase“ stellen den falschen Ansatz dar, Dein Kind zu stärken.

Der Unterschied zwischen Angst und Angststörung

Phasen der Angst sind im Kindesalter normal. Ab dem vierten Lebensmonat beginnt das „Fremdeln“. In dieser Zeit fürchten sich die Sprösslinge vor allen Personen, die nicht zu ihrem direkten Umfeld gehören. Sie reagieren auf Fremde mit:

  • starkem Misstrauen,
  • Angst und
  • Ablehnung.

Beispielsweise weigert sich Dein Kind hartnäckig, die zu Besuch gekommene Oma zu begrüßen. Im Normalfall endet die Fremdelphase im achten bis zwölften Lebensmonat. Manchmal zieht sich sie sich bis ins Kleinkindalter und länger.

Die Ängste der Kinder resultieren aus der Furcht vor dem Ungewissen. Um ihnen diese zu nehmen, unterstützt Du ihre Sozialisierung. Dazu konfrontierst Du Dein Kind mit ungewohnten Situationen. Erkläre Deinem Sohn oder Deiner Tochter, warum die Oma zu Besuch kommt. Sobald das Kind bemerkt, dass von der vermeintlich Fremden keine Gefahr ausgeht, gewöhnt es sich an das neue Ereignis.

Bemerkst Du, dass Dein Nachwuchs auf bestimmte Situationen überängstlich oder panisch reagiert, liegt unter Umständen eine Angststörung vor. Hierbei treten unspezifische Ängste teilweise spontan auf. Sprich mit dem Kinderarzt über das Problem. Dieser untersucht Deinen Sprössling. Bei Bedarf empfiehlt er einen Kinderpsychologen.

Belastet die massive Angst Dein Kind, stellt professionelle Hilfe eine empfehlenswerte Lösung dar. Gleiches gilt, wenn Du Dich mit der Situation überfordert fühlst. Mit der Bitte um Hilfe entlastest Du die angespannte Familiensituation. Gleichzeitig schützt Du die die Psyche Deines Sohns oder Deiner Tochter.

Ängstlichen Kindern helfen – wie geht das?

Um Deinem Nachwuchs die Angst zu nehmen, gilt es, den Kreislauf der Furcht zu durchbrechen. Nimmst Du an, dass sich Dein Kind in einer Situation ängstigt, spürt es Deine Unsicherheit. Diese verstärkt in der Folge seine Angstreaktion, sodass es zu weinen beginnt. Damit dies nicht geschieht, sprichst Du Deinem Nachwuchs Mut zu. Traust Du ihm zu, sich seinen Ängsten zu stellen, förderst Du auf die Weise sein Selbstbewusstsein. Das gestärkte Selbstbild führt dazu, dass sich der Sprössling mit der neuen Situation auseinandersetzt.

Zusätzlich finden sich einfache Tricks, um unterbewusste Ängste zu vertreiben. Für kleinere Kinder eignen sich Mutmachgeschichten. Diese liest Du ihnen vor der Schlafenszeit vor. In der Regel erzählen die Mini-Geschichten von einer Hauptfigur, die ihre Furcht auf kreative Art bewältigt. Die Schützlinge nehmen sich an ihrem Helden ein Beispiel. Alternativ besteht die Möglichkeit, dem Kind die Beschützerrolle zu übergeben. Erkläre ihm, es müsse sein Lieblingskuscheltier trösten, weil dieses sich fürchtet. Du übergibst Deinem Sohn oder Deiner Tochter Verantwortung und stärkst das Selbstvertrauen.

Einen ähnlichen Effekt besitzen Mutmachsachen. Hierbei handelt es sich um die geliebte Kuscheldecke, eine Mütze oder ein besonderes Spielzeug. Ähnlich wie bei einem Glücksbringer glaubt der Sprössling an den Nutzen seines Mutmachgegenstands. Er überwindet seine Ängste selbstständig. Du solltest Deinem Kind nach der erfolgreichen Angstbewältigung erklären, dass sein Mut aus seinem Inneren kommt. Sonst entsteht eine Abhängigkeit zu dem Mutmachspielzeug.

Des Weiteren empfiehlt die Psychologie-Professorin Silvia Schneider von der Ruhr-Universität Bochum, das Bewältigungsverhalten der Kinder zu stärken. Beispielsweise ermunterst Du Deinen Schützling, eine ängstigende Situation erneut auszuprobieren. Erkläre ihm, dass es schwerfällt, sich der Furcht zu stellen. Hierbei hilft es unter Umständen, wenn Du dem Nachwuchs von eigenen Ängsten und deren Bewältigung berichtest. Dadurch bemerkt er, dass Angst eine normale Reaktion und keinen Grund zur Scham darstellt. Oft erweist sich diese Erkenntnis als ausschlaggebend, damit Kinder sich ihrer Furcht stellen.

Nützliche Links zur Angstbewältigung

Quellen: