Nachtphobie, Warum haben Kinder Angst im Dunkeln?

Denkst Du an Deine eigene Kindheit zurück, fällt Dir vielleicht auch eine Phase ein, in der Schlafengehen echter Stress war.

Du wolltest nicht allein im dunklen Kinderzimmer sein und jedes Geräusch hat Dich an Monster denken lassen. Fast alle Kinder gehen durch diese Phase und je lebhafter die Fantasie ist, desto schwieriger kann es werden. Was hilft Kindern gegen Angst im Dunkeln? Dieser Frage widmen wir uns jetzt und geben Dir praktische Tipps.

„Es hilft Kindern bei Angst im Dunkeln, wenn Du Bedenken nicht herunterspielst, sondern entkräftest und mit Routinen Sicherheit schaffst.“
Nacht Angst bei Kindern
Angst bei Kindern im Dunkeln – Copyright: Lisitsaimage bigstockphoto

Die sogenannte Nyktophobie gehört oft zum Reifungsprozess

Der Fachbegriff für die starke Angst im Dunkeln lautet Nyktophobie. Manchmal liest Du auch den Begriff Achluophobie. Bei Kindern tritt die Angst vor allem als Reaktion auf die erste Zeit ohne die Eltern auf. Während sie tagsüber nie allein sind, sollen sie des Nachts plötzlich im Kinderzimmer bleiben und sehen die Eltern nicht.

Gleichzeitig ist es dunkel und schnell wirken Geräusche wie ein Knarren der Tür unheimlich oder Schattenspiele an der Wand erinnern an Geistergeschichten.

Die Angst im Dunkeln ist in gewisser Weise eine menschliche Veranlagung. Es war für die frühen Menschen lebensgefährlich, bei Nacht die Höhlen oder später Hütten zu verlassen, da Raubtiere oft dämmerungs- und nachtaktiv sind.

Heute lauern zwar keine wilden Tiere im Kinderzimmer, doch das Gehirn ist weiterhin auf Ängste aus der Urzeit programmiert.

Kinder reagieren auf das Alleinsein im Dunkeln ganz instinktiv mit dem Verlangen, Mama und Papa wieder zu sehen, damit sie Schutz in der Gruppe finden. Oft hilft es daher bereits, wenn die Zimmertür nachts einen Spalt offen bleiben darf, oder für einige Zeit ein Nachtlicht brennt.

Als Elternteil solltest Du aber auch ganz behutsam versuchen, Dein Kind an das nächtliche Schlafen allein im Kinderzimmer zu gewöhnen, ohne auf Licht und offene Tür setzen zu müssen. Dafür gibt es eine Reihe nützlicher Tricks.

Nachtangst – Routinen geben Sicherheit

Es hilft Kindern bei Angst im Dunkeln sehr, wenn die abendlichen Abläufe immer gleich sind. Solche Routinen bauen ein enormes Sicherheitsgefühl auf, von dem dann auch in der Nacht gezerrt wird. Merken Kinder, dass die Dinger immer gleich sind und nie etwas Schlimmes passiert, geht die Angst mehr und mehr verloren.

Eure Abendroutine könnte beispielsweise so aussehen:

1. Es gibt nach dem Abendessen noch eine festgelegte gemeinsame Zeit, etwa zum Spielen oder Reden.
2. Dann werden die Zähne geputzt.
3. Ihr geht gemeinsam ins Kinderzimmer und nach einem Lied, einer Geschichte oder kurzem Kuscheln wird das Licht ausgemacht und die Schlafenszeit beginnt.

Bei größeren Kindern: Erklärungen liefern

Es hilft Kindern gegen Angst im Dunkeln, wenn sie verstehen können, wo Geräusche und Schatten herkommen. Erkläre ihnen daher, dass der Wind die Gardine bewegt und wie Schatten durch eine Lichtquelle und ein Objekt davor entstehen.

Erklärungen am Tag können dann am Abend noch einmal zusammen besprochen werden.

Es ist wichtig, dass Du nicht die Geduld verlierst, wenn trotz Erklärung noch manche Nächte die Angst siegt. Strahle Ruhe aus, während Du die Erklärungen noch einmal durchgehst und ermutige Dein Kind, selbst aktiv zu werden. Vielleicht könnt ihr abends gemeinsam mit den Händen vor der Tischlampe kleine Schattentiere auf die Wand werfen und sprichwörtlich spielend das Erklärte vertiefen.

Bei kleinen Kindern: Monstern den Kampf ansagen

Die Jüngsten können natürlich noch nichts mit Begriffen aus der Alltagsphysik anfangen und Du würdest sie mit komplizierten Erklärungen eher noch verunsichern. Hier macht es mehr Sinn, den Ängsten auf der kindlichen Ebene zu begegnen und Gespenstern und Co. den Kampf anzusagen.

Gehe zum Beispiel gemeinsam mit Deinem Kind an der Hand abendlich durch das Zimmer und schaut unterm Bett und im Schrank nach, ob Monster da sind. So wird Dein Nachwuchs sehen, dass Du einerseits die Ängste ernst nimmst und andererseits keine akute Gefahr besteht.

Manchen Kindern reicht allerdings ein „Monster-Kontrollgang“ nicht, denn ihre Fantasie ist so lebhaft, dass sie glauben, die Monster kommen im Dunkeln auf besondere Wege ins Zimmer.

Hier kannst Du Dir die kindliche Fantasie einfach zur Verbündeten machen. Fertige ein Anti-Monster-Spray an, indem Du eine einfache Sprühflasche mit Leitungswasser füllst. Dann kannst Du beim Kontrollgang gemeinsam mit Deinem Kind die „Schlupflöcher“ der Monster versiegeln. Auch das Lieblingsstofftier kann zum „Monsterjäger“ ausgebildet werden und gibt nachts Sicherheit, da es über das Bett wacht.

Übrigens: Nachtphobie betrifft nicht nur Kinder

Es ist eine falsche Annahme, dass nur Kinder im Dunkeln eine starke Angst bis hin zur Panik verspüren. Die Nachtphobie kann in jedem Alter auftreten. Sie wird bei Jugendlichen und Erwachsenen meist durch ein erlebtes Trauma ausgelöst.

Wer beispielsweise in einer Nacht überfallen wurde, kann künftig Angst vor Dunkelheit haben. Da hilft es auch nicht, zu wissen, dass im eigenen Schlafzimmer kein Angreifer lauert, denn allein die dunkleren Lichtverhältnisse im Raum erinnern an das Erlebte und lassen die Angst aufleben.

Bei Nachtphobie im Jugend- und Erwachsenenalter sollte gegebenenfalls der Hausarzt befragt und eventuelle eine helfende Therapie begonnen werden.

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