Die Mutter Sohn Beziehung » Jungs und Mütter, eine besondere Liebe

Muttersöhnchen oder starker Mann: Weichenstellung in der Mutter-Sohn-Beziehung

Gibt es so etwas wie „Muttersöhnchen“? Gerne wird dieser Ausdruck für schüchterne und zarte Jungen verwendet. Angeblich wird ein Muttersöhnchen von seiner Mutter verzärtelt und deshalb nie zu einem starken Mann heranreifen. Doch ist das wirklich so? Sollte man seinen kleinen Jungen am besten gar nicht kuscheln? Warum dem nicht so ist und weitere Besonderheiten der Mutter-Sohn-Beziehung erklären wir dir hier.

Mutter-Sohn-Beziehung

Mutter-Sohn-Beziehung, Copyright: bigstockphoto, alenkasm, Netpapa.de

 

Jungs und Mütter im ersten Lebensjahr

Die wichtigsten Menschen im Leben eines Säuglings sind seine Eltern. Beim Menschen sind Neugeborene besonders abhängig von Erwachsenen, weil sie alleine keine Überlebenschance haben.

So hilflos wie ein kleines Menschenkind ist sonst kein Nachwuchs im Tierreich. Ein Experiment mit den sehr menschenähnlichen Rhesusaffenbabys zeigte, dass diese sich eher zu einer Plüschmutter hingezogen fühlten als zu einem Drahtgestell, das sie mit Milch versorgte. Die kleinen Äffchen gingen zwar zum Trinken an das Drahtgestell, verbrachten die meiste Zeit aber kuschelnd im Arm der Fellmutter.

Dieser Versuch zeigt deutlich die Wichtigkeit von Nähe und Körperkontakt für Säuglinge. „Nicht nur das Füttern, sondern besonders häufiges Kuscheln sind in der Mutter-Sohn-Beziehung unabdingbar.“ Körperkontakt zum Vater ist keineswegs weniger wichtig!

Ab wann weiß das Baby denn, ob Mama oder Papa mit ihm kuschelt? Forscher fanden heraus, dass ein Kind schon mit sechs Monaten männliche und weibliche Stimmen auseinanderhalten kann. Mit 12 Monaten erkennt es auch am Gesicht, wer zu welchem Geschlecht gehört.

5 Fakten der Mutter-Sohn-Beziehung:

  • Bedingungslose Mutterliebe ist das Wichtigste für einen guten Start ins Leben
  • Klischees vom Ödipuskomplex oder dem Muttersöhnchen sind lange überholt
  • Mütter behandeln ihre Söhne intuitiv anders als ihre Töchter
  • Männer bleiben länger zuhause wohnen als Frauen
  • In der Pubertät ist ein männliches Vorbild wichtig

 

Die Mutter-Sohn-Beziehung im Fokus

Die Beziehung einer Mutter zu ihren Kindern ist gerade im ersten Lebensjahr ganz anders als die des Vaters. Alleine, weil Väter weder gebären noch stillen, gestaltet sich ihr Umgang mit dem Säugling verschieden. Doch gibt es auch einen Unterschied zwischen der Mutter-Tochter- und der Mutter-Sohn-Beziehung? Spontan würde man diese Frage wohl verneinen.

Mutterliebe kennt doch keine Unterschiede!
Dennoch haben Wissenschaftler herausgefunden, dass das Verhalten der Mutter gegenüber ihrem Kind abhängig von dessen Geschlecht variiert.

Es wurde festgestellt, dass Mütter ihre Söhne…

  •  beim Stillen fester an sich drücken
  •  bei einer Mahlzeit länger füttern
  •  insgesamt länger stillen
  •  mehr kuscheln

 

Außerdem werden in der Mutter-Sohn-Beziehung die Wünsche und der Biorhythmus des Kindes mehr berücksichtigt als es bei Töchtern der Fall ist.

Weiterhin liegt eine offensichtliche Besonderheit in der Mutter-Sohn-Beziehung darin, dass die Mutter selbst nie ein kleiner Junge gewesen ist. Sie kann also zwischen sich und ihrem Sohn schlechter Vergleiche ziehen. In ihre Tochter kann sie sich viel leichter hineinversetzen.

Die gesamte Kommunikation mit ihr verläuft auf einer anderen Ebene. Denn schon kleine Mädchen drücken sich eher verbal aus und thematisieren ihre Gefühle. „Bei Jungs müssen Mütter erst lernen, dass diese sich weniger mit Worten ausdrücken.“ Sie bringen ihr Innenleben stärker durch Verhalten und Handlungen zum Ausdruck. Um ein gestörtes Mutter-Sohn-Verhältnis zu vermeiden, muss die Mutter dieses Gebaren verstehen lernen.

 

Was macht eine gesunde Mutter-Sohn-Beziehung aus?

Natürlich kuschelt eine Mutter gerne mit ihrem Sohn. Dem stehen gesellschaftliche Annahmen, dass Jungs nicht verzärtelt werden dürften, gegenüber. „Man solle ein gestandenes Mannsbild aufziehen und kein Muttersöhnchen!“ Doch Muttersöhnchen sind sie in gewisser Weise fast alle. Denn auch heute noch werden Kinder durchschnittlich mehr von der Mutter als vom Vater betreut. Es gibt weitaus mehr alleinerziehende Mütter als Väter. Grundsätzlich besteht auch kein Problem darin, dass Jungs und Mütter viel Zeit miteinander verbringen. Im Gegenteil: „Eine innige Beziehung zur Mutter ist extrem wichtig für das ganze Leben.“

In vielen Köpfen steckt leider noch die Idee des Ödipuskomplexes fest. Sie beruht auf einer Theorie des Psychoanalytikers Freud. Es geht darum, dass das erste Liebesobjekt im Leben eines Jungen die eigene Mutter sei.

Es könne zu Fixierungen kommen, die ein Leben lang anhalte. Daher kommt auch die These, dass Männer sich bevorzugt Partnerinnen suchen würden, die ihrer Mutter ähneln.
Heute gilt diese Theorie längst als überholt. Dennoch spukt sie weiterhin in den Köpfen der Leute herum. Solche hartnäckigen Dogmen belasten die natürliche Mutter-Sohn-Beziehung. Aus Angst, ihren Sohn zu „verweichlichen“, gehen Mütter in eine erzwungene Distanz zu ihm. Sie wehren sich gegen das, was sie intuitiv tun möchten, nämlich ihrem Kind nahe zu sein und ihm Geborgenheit zu geben. Dabei wäre genau das richtig! Eine starke, liebende Mutter im Hintergrund zu haben, hilft dem Jungen zu einem selbstbewussten Mann heranzureifen.

 

Beziehungswandel über die Zeit

Das Loslassen hat in der Mutter-Sohn-Beziehung aber gleichermaßen seine Notwendigkeit. So innig die Verbindung zu Beginn des Lebens ist, kann sie nicht für immer aufrechterhalten bleiben. Ein Leben des Kindes jenseits der mütterlichen Obhut muss nach und nach zugelassen werden. Das beginnt schon mit der Krippe oder dem Kindergarten. Oftmals sind es gar nicht die Kinder, denen das Fortgehen der Mutter schwerfällt.

Die Mütter selber sind es, die ihr „Baby“ nicht in fremder Obhut lassen möchten. Doch mit jedem Lebensjahr muss die Mutter mehr loslassen. Es kommt die erste Übernachtung beim Kindergartenfreund oder der Urlaub bei den Großeltern. All das ist ganz normal und keinesfalls Ursache für ein gestörtes Mutter Sohn Verhältnis.

„Spätestens in der Pubertät muss die Mutter-Sohn-Beziehung deutlich loser werden.“ Nun ist es an der Zeit, einem männlichen Vorbild – meist dem Vater – den Vortritt zu lassen. Die Jungen entdecken jetzt ihre Männlichkeit und brauchen eine klare Orientierung, um all die neuen Erfahrungen einordnen zu können. Ist kein Vater in Reichweite, können auch Onkel, Nachbar, Lebensgefährte oder eine andere Vertrauensperson die Rolle der männlichen Bezugsperson einnehmen. Die Mutter-Sohn-Beziehung stellt nach wie vor den sicheren Hafen der Liebe dar, in den sich der Junge jederzeit zurückziehen kann. Hier darf er sich fallen lassen und von der neuen Welt der erwachsenen Männer eine Auszeit nehmen.

Dass Jungs und Mütter den Absprung in die Unabhängigkeit häufiger verpassen, als es bei Töchtern der Fall ist, zeigen die Zahlen. Laut Statistischem Bundesamt lebten 2007 noch 14 % der 30-jährigen Männer zuhause. Bei den Frauen waren es im selben Alter nur 5 %.

 

Ursachen für ein gestörtes Mutter Sohn Verhältnis

Im Grunde lassen sich zwei direkt entgegengesetzte Ursachen für ein gestörtes Mutter Sohn Verhältnis ausmachen:

  • zu enge Bindung
  • sehr distanzierte Beziehung

„Bei einer engen Bindung fällt besonders der Mutter das Loslassen schwer.“ Es mag nach außen zwar so erscheinen, als würde das Kind sich an ihr festklammern. Doch ist dies in der Regel nur eine Reaktion des Sohnes auf eine übervorsichtige Gluckenmutter. Ein kleines Kind hat noch keine Vorstellung von der Welt, ob sie gut oder böse ist. Es lernt erst durch Beobachten von anderen, was Angst oder Unbehagen bereiten sollte. So auch, dass es schlimm ist, von Mami getrennt zu werden.

Wenn die Mutter ein großes Drama aus jeder Trennung macht, wird ihr Kind das bald ebenso furchtbar finden.
Im Falle der distanzierten Beziehung sind die Ursachen vielfältig. Denkbar ist eine Mutter, die ungewollt schwanger wurde. Ebenso ist es möglich, dass die Mutter-Sohn-Beziehung durch eine schwere, gar traumatische Geburt beeinträchtigt wurde. Gerade bei einem Kaiserschnitt fällt es einigen Frauen schwer, sofort ein inniges Verhältnis zu ihrem Kind einzugehen. Vielleicht hängt die Mutter sehr an ihrem Sohn, hält ihn aber aus Angst, ein Müttersöhnchen großzuziehen, auf Abstand.

In allen drei Fällen ist es enorm wichtig, dass die Mutter gut in sich hineinhorcht. Wenn sie tief in sich Muttergefühle spüren kann, dann sollte sie ihnen folgen. Grundsätzlich gilt, dass der Mutterinstinkt der beste Leitfaden für eine gelungene Mutter-Sohn-Beziehung ist. Falls tatsächlich ein traumatisches Erlebnis vorliegt, ist Hilfe durch einen Therapeuten unerlässlich.

Buch Empfehlung für Mütter

 

Quellen und Literatur:

Mutterliebe. Warum Söhne starke Mütter brauchen, A. Braconnier, 2006
Haushalte und Lebensformen der Bevölkerung, S. P. Rübenach & J. Weinmann, 2008
Entwicklungspsychologie, R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), 2002

auf Netpapa® schreibt

Mario Foerster, Blogger und Vater von 2 Söhnen

Mario Foerster, Blogger und Vater von 2 Söhnen

Als begeisterter Vater, Blogger und Herausgeber von Netpapa.de möchte ich dich, gemeinsam mit anderen Autoren, für ein neues Vater sein begeistern. Netpapa.de ist eines der größten deutschsprachigen Magazine und Blogs für den Vater und Mann.


Bewerten Sie jetzt den Artikel:
Einige Informationen fehlen noch!Hat mir nicht so gut weitergeholfenHat mir gefallen - aber nicht richtig geholfen!Hat mir geholfen und gut gefallenArtikel hat mir sehr gut gefallen (3 Punkte )
Loading...