Waldorfschule - Unterstufe und Mittelstufe
Das pädagogische Prinzip der Waldorfschule - Unterstufe und Mittelstufe

Was ist die Waldorfschule: Unterricht, Lehrplan, Ablauf und Besonderheiten

Kaum eine andere Schulform ist mit so vielen Vorurteilen besetzt wie die Waldorfschule. Dabei bietet sie Kindern einen vollkommen anderen Ansatz, sich Wissen anzueignen und gemeinsam zu lernen.

Gerade zwischen den Befürwortern und den Gegnern entbrennt oftmals eine harsche Diskussion, die auf die Grundfesten der Pädagogik zurückgeht. Eine der häufigsten Kritiken zielt auf eine lückenhafte Ausbildung und auf eine unzureichende Vorbereitung auf das spätere Berufsleben oder den Schulabschluss.

Wer ist der Begründer der Waldorfpädagogik?

Verfolgen wir die Waldorfschule an ihre Anfänge zurück, treffen wir auf das Waldorfprinzip von Rudolf Steiner. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt und hat sich seit diesem Zeitpunkt auf der gesamten Welt ausgebreitet. Deutschlandweit gehören die Waldorfschulen zu den staatlich anerkannten Ersatzschulen, die in freier Trägerschaft betrieben werden. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es 225 Waldorfschulen und auf der ganzen Welt 1.101 Einrichtungen. Der überwiegende Anteil kommt auf das deutsche Bundesgebiet.

Das Prinzip der Waldorfschule

Unterricht in der Waldorfschule – Lehrplan besser verstehen

Das Waldorfprinzip setzt im Kindergarten an und möchte die Kinder ohne einen großen Unterschied in die Grundschule überführen, um danach in die Sekundarstufe 1 überzugehen.

Nach 12 Jahren Unterricht endet das Prinzip der Waldorfschule. Danach erhalten die Kinder ein ausführliches Zeugnis. Es steht den Schülern frei, ein zusätzliches 13. Schuljahr in der Waldorfschule zu absolvieren, um es mit einem Abitur abzuschließen. Zu den pädagogischen Grundsätzen der Waldorfschule kommen die Methoden, die wir aus dem Gymnasium kennen, um einen möglichen vergleichbaren Abschluss zu erhalten.

Das Prinzip geht auf drei Elemente zurück.

1. Das Denken und die intellektuellen kognitiven Fähigkeiten,
2. das Wollen und die handwerklich praktischen Fähigkeiten sowie
3. das Fühlen und die künstlerisch kreativen Fähigkeiten.

Hinzu kommen Epochen sowie der Fachunterricht. Für den Fachunterricht gibt es keine rigiden Lehrpläne. Vielmehr gliedert sich der Unterricht in so genannte Epochen und den Fachunterricht.

So starten die Kinder jeden Tag mit mindestens zwei Stunden Epochenunterricht bei ihrem Klassenlehrer. Hierbei behandelt eine Klasse über mehrere Wochen hinweg ein Thema. Bei einem Fachlehrer erhalten die Kinder Fachunterricht zum Beispiel Religion, in den Fremdsprachen, in Sport oder in den handwerklichen Fächern.

Besonderheiten: Lernen ohne Bücher und Hefte, geht das?

Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Schüler. Die Lehrer verzichten größtenteils auf Hefte und Bücher mit rigiden Vorschriften in den ersten Jahren. Ein ebenso großer Abstand besteht zu den neuen Medien. Es geht vielmehr darum, die Schüler-Lehrer-Beziehung zu intensivieren und den Kindern die Möglichkeit zu geben, direkte Erfahrungen zu machen.

Das Waldorfprinzip verlangt von den Pädagogen lebendigen Unterricht, der einen Lehrer zu einer Autoritätsperson macht. Das bedeutet, dass die Schüler vornehmlich in der Praxis durch eine intensive Zusammenarbeit lernen. Ein Hauptaugenmerk liegt auf den sozialen Kompetenzen, mit anderen Kindern zu arbeiten.

Ablauf: Was steckt im Waldorfschulen Lehrplan?

Der Lehrplan hat sich auf Basis praktischer Erfahrungen aus den letzten Jahren grundlegend verbessert – es ist heute vom Richter-Lehrplan die Rede. In den ersten Schuljahren geht es vornehmlich um den bildhaften Unterricht. Die Kinder können Gesetzmäßigkeiten veranschaulichen und das Wesenhafte der Dinge verstehen auf Grundlage von echten Bildern.

Die Unterrichtsfächer haben einen wissenschaftlichen Charakter, um die Kinder vom 14. Lebensjahr an zu einer eigenständigen Urteilsbildung und Lebensgestaltung zu ermutigen. Die pädagogische Aufgabe ist es, den Unterricht zu vertiefen und im Zusammenhang mit den Lebensproblemen der Schüler zu bringen. So sollen die jungen Menschen eigene Antworten auf ihre Lebensfragen finden.

Interaktiven Lehrplan der Waldorfschulen ansehen

 

Was ist Epochenunterricht?

Eine der zentralen Besonderheiten ist der Epochenunterricht. So werden in Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte und Deutsch geschlossene Sachgebiete behandelt. Geht es um den laufenden Übergang zu anderen Fachgebieten wie den Kunstunterricht, Englisch und Russisch sowie andere Fremdsprachen, finden wir uns in den Fachstunden wieder. Der Hauptunterricht fokussiert sich auf die ersten beiden Schulstunden.

Dabei soll der Mensch als ganzheitliches Wesen angesprochen werden. Über vier Wochen lang geht es um ein großes Kapitel und ein allumfassendes Wissensthema, in das Lehrer und Schüler gemeinsam eintauchen.

Ob Mathematik, Chemie, Geographie oder andere Naturwissenschaften: Alle Unterrichtsthemen ordnen sich diesem Wissensbereich unter und bilden den passenden fachlichen Rahmen. Passend dazu wird mit den entsprechenden Materialien gemalt und gezeichnet.

 

Unterstufe und Mittelstufe an der Waldorfschule

Ablauf und Unterricht

Eine Klasse hat über acht Jahre einen Klassenlehrer. Der Klassenlehrer übernimmt den Hauptunterricht. Gerade in der Unterstufe bildet der Lehrer einen festen Bezugspunkt für die jungen Schüler. Gemeinsam mit den Eltern kann er seine pädagogischen Entscheidungen abstimmen und zielgerichtet für jedes Kind treffen.

Um die Lerninhalte harmonisch zu vermitteln, setzen die Waldorfschulen auf einen rhythmischen Wechsel in Bezug auf das Unterrichtsgeschehen. Als maßgebliche Bestandteile der kindlichen Sinnesentwicklung werden das Gestalten, Singen und Musizieren angesehen.

Das zentrale Hauptaugenmerk liegt also auf der kreativen und künstlerischen Förderung jedes Kindes, das sich jeden Tag an der Waldorfschule frei entfalten kann. Auf Außenstehende mag das befremdlich wirken, zielt aber auf eine der wichtigsten Grundfesten der kindlichen Entwicklung ab.

Welchen Abschluss an der Waldorfschule machen?

Mit der 9. Klasse geht es in die Oberstufe. Hier trifft jeder Schüler pro Epoche auf einen anderen Lehrer. Das Hauptziel ist es, eine persönliche und unabhängige Urteilsbildung zu entwickeln. So absolvieren die Waldorfschüler in Oberfranken zum Beispiel zwei Praktika – zum einen im Bereich der Landwirtschaft und zum anderen im Handwerk. Jedes Praktikum umfasst jeweils drei Wochen.

Darüber hinaus absolvieren die Schüler der 10. Klasse ein Teilpraktikum über zehn Wochen. Im Zuge dieses Praktikums erhalten die Schüler der Abschlussklasse drei Tage lang Ganztagsunterricht.

Die anderen Tage arbeiten sie im Praktikumsbetrieb. Auf diese Weise besteht ein praktischer Bezug zum Leben und keine abgehobenen, theoretischen Wissenskomplexe, die nichts mit dem Leben zu tun haben. Die praktische Oberstufe verläuft über zwei Jahre von der neunten bis zehnten Klasse. Danach erhalten die Schüler den qualifizierten Hauptschulabschluss und können entscheiden, wie es weitergeht.

Quellen:

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