Kindererziehung: Wieviel Strenge und Konsequenz brauchen unsere Kinder?

Sohnemann hat nicht wie vereinbart das Kinderzimmer bis zum Abendessen aufgeräumt und die Tochter ist nicht pünktlich von der besten Freundin zurück. Diese und ähnliche Situationen treten in nahezu allen Familien auf. Für Mutter und Vater stellt sich dann die Frage, wie streng sie als Eltern reagieren sollen.

Strenge Eltern
Liebevolle Klarheit statt stupider Strenge – Copyright: Yacobchuk bigstockphoto

Streng sein: Viele Eltern definieren das unterschiedlich

Wer sich die Frage stellt, wie streng Eltern sein müssen, muss das Wort Strenge erst einmal definieren. Geht es um Gehorsam bei allem, was Vater und Mutter sagen? Früher wäre die Antwort darauf meist ein Ja gewesen, doch in der modernen Erziehung geht es nicht mehr darum, ein Kind komplett zu bevormunden.

Vereinbarungen, beziehungsweise Sanktionen beim Verstoß dagegen, sollten immer eingehalten werden. Kinder benötigen diese Klarheit.

Auch Kinder werden von Geburt an als selbstständige Wesen mit einem Grundrecht auf Würde gesehen. Strenge sollte daher im Idealfall bedeuten, dass Eltern ihnen nachvollziehbare Regeln geben. Die Jungen und Mädchen bekommen Grenzen aufgezeigt und erklärt, weshalb diese so wichtig sind. Beispielsweise: Warum stiehlt man im Spielwarengeschäft nicht und warum muss ein Teenager zu einer bestimmten Zeit Zuhause sein?

Diese Regeln und Grenzen würden jedoch nichts bedeuten, wenn Kinder bemerken, dass bei einem Bruch keine Konsequenzen im Raum stehen. Strenge bedeutet, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Dabei darf nicht willkürlich bestraft werden! Im Idealfall erfährt das Kind vorab, welche Konsequenzen ein Überschreiten der Grenze hat und diese angedrohten Sanktionen müssen zwingend folgen, sonst verlieren Eltern ihre Glaubwürdigkeit.

Nicht gewaltsam, sondern streng: Eltern müssen den Unterschied kennen

Bei allen Diskussionen um einen zu lockeren oder zu strengen Erziehungsstil dürfen Eltern nie aus dem Blick verlieren, dass Strenge nichts mit Gewalt zu tun haben darf. Im Paragraphen 1631 II des BGB steht dazu klar:

Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

Damit gibt der deutsche Gesetzgeber klar vor, dass Kinder in keinem Alter von den Eltern mit Gewalt konfrontiert werden sollten. Eine Ohrfeige oder den berühmten Klaps auf den Po, die manche der heutigen Elterngeneration noch selbst erlebt haben, sind gesetzlich tabu.

Kinder sollen keine Angst vor ihren Eltern haben, sondern Respekt erlernen. Beides darf nicht verwechselt werden. Strenge sollte also auf dem Einhalten von Regeln und dem Durchsetzen von Konsequenzen wie TV-Verbot basieren.

Sinnvoll streng sein: Eltern und Kind stellen gemeinsam Regeln auf

Zeitgemäß ist es, dem Nachwuchs kindgerecht zu erklären, warum es in der Familie gewisse Regeln gibt. Eine Aussage wie „Weil ich es will!“ ist für Kinder äußerst unbefriedigend und wird sie nicht dazu animieren, Grenzüberschreitungen nicht auszutesten. Versteht der Nachwuchs hingegen den Sinn dahinter zumindest grob, kann das Zusammenleben viel einfacher sein.

Folgende Punkte können Dir helfen, sinnvolle Regeln aufzustellen:

  • Erkläre, dass Hausarbeit aufgeteilt werden muss, da Mama und Papa auch Zeit für Arbeit und Co. benötigen.
  • Mach verständlich, dass Nachbarn und Freunde traurig sind, wenn das Kind nicht höflich grüßt.
  • Erkläre, das Hausaufgaben und Lernen für den Traumberuf wichtig sind.
  • Verdeutliche, warum spätes Nachhause kommen gefährlich werden kann und dass Eltern sich dann sorgen.
  • Erläutere, wie teuer das Leben sein kann und das es daher nicht mehr Taschengeld gibt.

 

Selbstverständlich nehmen die Eltern auch bei diesen erklärenden Gesprächen die Rolle des Verantwortlichen ein. Die Würde des Kindes zu respektieren, bedeutet nicht, dass Eltern und Nachwuchs in Diskussionen gleichberechtigt sind. Das klingt unfair und sehr streng, Eltern müssen jedoch diese Führung übernehmen, da sie auch die Verantwortung für das Kind tragen.

Bei allen Regeln samt Erklärungen kannst Du Deinem Kind aber sagen, dass nicht alle Vorschriften starr sind, sondern sich mit den Jahren und neuen Rahmenbedingungen auch ändern können. Darf ein jüngeres Kind zum Beispiel nur bis 18 Uhr bei Freunden bleiben, haben ältere Kinder längere Ausgehzeiten.

Die aufgestellten Regeln in der Familie sind keine in Stein gemeißelten Gesetze, denn Kinder werden älter und benötigen angepasste Vorgaben. Sei daher immer dazu bereit, mit Heranwachsenden über ihre Wünsche zu reden und auch ihre Argumente für Regeländerungen anzuhören. Hat ein Jugendlicher beispielsweise bewiesen, dass man sich auf sein Wort verlassen darf, probiert es mit längeren Weggehzeiten aus.

Gesunde Strenge geht mit klaren Konsequenzen einher

Oft hängt der Familiensegen bereits dann viel seltener schief, wenn Regeln nicht kommentarlos über das Kind verhängt werden, sondern sich in einem gemeinsamen Gespräch entwickeln.

Dennoch darfst Du davon keine Wunder erwarten. Es ist normal, dass Heranwachsende sich ausprobieren und dabei vor allem testen, wie weit sie die elterlichen Regeln ausreizen können. Auf gesunde Art streng sind Eltern dann, wenn sie Klarheit vermitteln: Der Müll wurde nicht raus gebracht, also gibt es heute Abend keine PC-Zeit; wie vereinbart.

Damit Konsequenzen klar umgesetzt werden können, müssen sie aber erst einmal im Raum stehen. Daher solltest Du unbedingt beim Aufstellen der Regeln auch erklären, wie Du auf Regelverstöße reagieren wirst. Vergisst Du diesen Schritt, wirken Sanktionen auf Dein Kind schnell willkürlich und damit wieder ungerecht.

Wichtig: Drohe nicht mit Dingen, die Du nicht bereit bist, auch zu tun.

Du bist nicht gewillt, die Spielkonsole wirklich für X Tage aus dem Kinderzimmer zu holen? Dann darfst Du damit nicht drohen. Der gemeinsame Urlaub ist schon gebucht? Dann ist es völlig falsch, dem Kind zu drohen, es dürfe bei einem Verstoß nicht mitfahren.

Der Standpunkt von Mutter und Vater muss klar sein und klar bleiben. Natürlich wird Dein Kind im ersten Moment mit Schreien, Weinen oder Schmollen reagieren, doch auf lange Sicht hilft ihm diese Klarheit bei der Entwicklung. Folge daher auch nicht dem Mitgefühl des Augenblicks, sondern bleibe logisch und konsequent.

Ein häufiger Fehler: Mama sagt Nein, Papa sagt Ja

Natürlich kann es auch genau andersherum sein. Es geht darum, dass Eltern als harmonische Einheit bei der Erziehung auftreten müssen. Ist ein Elternteil eher bereit, einmal nachzugeben, lernen Kinder das sehr schnell. Oft spielen sie dann die Eltern regelrecht gegeneinander aus und dann streitet sich jeder mit jedem.

Eltern dürfen sich nicht auf Machtkämpfe einlassen. Auch wenn Kinder besonders bockig werden und so tun als wären Strafen ihnen egal, müssen Eltern gemeinsam ruhig bleiben. Je nach Alter des Kindes kann es sinnvoll sein, eine kurze Auszeit zum Abkühlen der Emotionen zu vereinbaren und das Gesprächsthema später noch einmal aufzugreifen. In dieser Zeit können Eltern auch im 4-Augen-Gespräch klären, wie genau sie weiter vorgehen wollen.

Liebevoll aber klar und streng: Eltern müssen beides verbinden lernen

In einem Streitgespräch ist man weit davon entfernt, an eine liebevolle Umarmung zu denken. Das ist normal und würde von Sohn oder Tochter in der aufgeheizten Situation ohnehin nicht gewünscht sein. Es ist jedoch sehr wichtig, dass eine Erziehung mit gesunder Strenge nicht zu wenig Platz für Nähe lässt.

Du solltest Deinem Kind abseits von Konfliktmomenten immer vermitteln, dass Du es liebst und Dich sorgst. Biete stets ein offenes Ohr für Sorgen an und sei auch bereit, zuzuhören, wenn Dein Kind Dir erklären möchte, warum es eine Familienregel doof findet. Aus diesem Gespräch kann sich vielleicht eine Veränderung der Vorgabe entwickeln; etwa mehr Zeit an der Spielkonsole, wenn die Hausaufgaben schon fertig sind.

Niemals sollte Dein Kind das Gefühl haben, Mama und Papa ist es egal, wie es ihm geht und was es macht! Selbst inmitten der Pubertät, wo Kinder sich von sich aus deutlich von den Eltern distanzieren wollen, haben sie immer im Hinterkopf das Wissen, in der Familie Schutz zu finden!

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