Jesper Juul – Beziehung statt Erziehung

Beziehung statt korrigierender Erziehung – ein alternativer Ansatz von Jesper Juul

Beziehung statt korrigierender Erziehung – der bekannte Familien-Therapeut und Bestseller-Autor Jesper Juul aus Dänemark steht für einen Erziehungswandel. Anstelle einer autoritären Erziehung empfiehlt er Dir als Vater, mit Deinem Kind eine von Demokratie geprägte Beziehung zu wagen. Er ermutigt Eltern dazu, sich von der Vorstellung einer auf Belohnung- und Bestrafung basierenden Erziehung zu verabschieden. Im weiteren Verlauf erfährst Du, was Jesper Juul darunter versteht.

Beziehung und Nähe - statt Erziehung

Beziehung und Nähe – statt Erziehung © nadezhda1906 – Fotolia.com

 

Juul plädiert für das Ende der autoritären Erziehung

In Zeiten, in denen Erziehungs-Wissenschaftler kontroverse, widersprüchliche Empfehlungen an die Eltern aussprechen, stehst Du als Vater vor einer Herausforderung. Wessen Einschätzung leistet Du Folge? Einen Ausweg liefert der Däne Jesper Juul.

Seiner Auffassung nach gilt die Erziehung ohnehin als der falsche Ansatz. Dabei bezieht Jesper Juul sich auf das vorherrschende Erziehungsbild, bei dem die Autorität eine wichtige Rolle spielt. Viele Eltern versuchen, gegenüber ihrem Kind die Oberhand zu behalten. Daraus resultiert eine Erziehung, die den Nachwuchs bei richtigem Verhalten belohnt und bei unerwünschten Handlungen bestraft.

Nähe-Beziehung ohne Belohnung und Bestrafung

Was schlägt Jesper Juul Dir als Vater und auch der Mutter Deines Kindes vor? Der dänische Familien-Therapeut empfiehlt eine Nähe-Beziehung. Das funktioniere nicht mit dem klassischen Belohnungs- und Bestrafungs-Prinzip. Schließlich ergebe sich auch in einer Beziehung zwischen Mann und Frau keine Nähe, wenn die Frau ihren Mann bei erwünschten Verhandlungsweisen belohne.

Ausgehend von besagtem Beispiel rät Jesper Juul, mit Kindern ebenfalls eine Beziehung wie mit einem Lebenspartner anzustreben. Die Voraussetzung dafür: Sieh Dein Kind als gleichwertig in der Beziehung an. Das geht mit einer Abkehr von der autoritätsgeprägten Erziehungs-Vorstellung einher.

Juul hebt verschiedene Charakteristiken hervor, die er als Schlüssel für die Qualität der Beziehung zwischen Dir und Deinem Kind ansieht. Dazu zählt er die:

  • Gleichwürdigkeit,
  • Verantwortung,
  • Authentizität,
  • Integrität,
  • Subjekt-Subjekt-Beziehung.

Neben der bereits erläuterten Gleichwürdigkeit identifiziert der Familien-Therapeut die Verantwortung als wichtiges Kriterium. Diesbezüglich differenziert er zwischen sozialer und persönlicher Verantwortung. Unter Letztgenannter versteht Juul die für das eigene Leben, das Wohlergehen, die Entwicklung und die Gesundheit. Wenige der Erwachsenen blicken nach Einschätzung von Juul auf eine Erziehung zurück, welche die persönliche Verantwortung förderte. Er sieht darin allerdings eine wichtige Basis für gesunde Beziehungen. Deswegen empfiehlt der Therapeut den Eltern, einzuschreiten, falls die Kinder zu stark kooperieren.

 

Eine weitere Voraussetzung definiert Jesper Juul mit der Authentizität. Eine authentische und daher vertrauenswürdige sowie verlässliche Person lebe nach ihrer eigenen inneren Führung. Erst Authentizität lasse eine Beziehung entstehen, gespieltes Verhalten führe dagegen zu Distanz. Unter der Integrität bezieht Juul Aspekte wie die Identität, die individuellen Bedürfnisse und auch die Grenzen mit ein. Seiner Einschätzung nach stecken Kinder bei ihren Verlangen zurück, falls sie hierbei mit den Eltern in einen Konflikt kommen. In diesem Fall ziehen Kinder die Kooperation dem Egoismus vor.

Subjet-Subjekt-Beziehung anstelle eines Objekt-Objekt-Verhältnisses

Als wichtiger Schwerpunkt in den Arbeiten von Jesper Juul gilt die Subjekt-Subjekt-Beziehung. Er plädiert dafür, Kinder nicht wie ein Objekt zu behandeln. Vielmehr rät er Dir als Vater, Dein Kind als ein Subjekt anzusehen. Das bedeutet: Behandle es wie einen Menschen, nicht wie einen Gegenstand. Dennoch steht Juul nicht für das Ende der Führungsrolle der Eltern in der Familie. Kinder benötigen eine Führung – jedoch im Sinne einer stetigen Begleitung, nicht im Stil einer Militär-Aufsicht.

Unterstützung von weiteren Experten

Mit seiner Richtung „Beziehung statt Erziehung“ steht Jesper Juul nicht alleine da. Er bekommt Unterstützung in seinen Ansichten von anderen Experten. Dazu gehört beispielsweise die bekannte Diplom-Pädagogin Katia Saalfrank. Sie veröffentlichte 2014 ein Werk unter dem Titel „Du bist ok, so wie du bist – Beziehung statt Erziehung“. In der Einleitung fordert Sie Dich und andere Eltern auf: „Vergesst Erziehung!“ (Katia Saalfrank, „Du bist ok, so wie du bist“, S. 11, München 2014)

Jegliche Form der Erziehung fungiere lediglich als Schutzschild, durch das sich Erwachsene vor einer Beziehung zu ihren Kindern zu schützen versuchen. Saalfrank betont, dass Kinder keine Erziehung benötigen. Stattdessen brauchen sie in erster Linie Beziehung. Hierbei beruft sie sich nach eigenen Aussagen auf Erkenntnisse aus der Entwicklungs-Psychologie. Die Auffassung, wonach ein Kind noch kein „richtiger“ Mensch sei, bezeichnet die Pädagogin als widerlegt. Sie halte herkömmliche Erziehung mittlerweile generell für überflüssig beziehungsweise unnötig. (Katia Saalfrank, „Du bist ok, so wie du bist“, S. 13f, München 2014)

 

So gelingt die Subjekt-Subjekt-Beziehung

Du stellst Dir jetzt womöglich die Frage, wie eine gute Beziehung zwischen Dir und Deinem Kind gelingt. Juul weist darauf hin, dass Kinder zwar mit viel Weisheit, aber noch ohne Erfahrung zur Welt kommen. Das setze eine kontinuierliche Begleitung vonseiten der Eltern voraus.

Als wichtig stuft der Therapeut dabei den Austausch mit dem Kind ein. Signalisiere dem Deinigen in guten Gesprächen Dein ehrliches Interesse an seinem Leben. Ein guter Dialog komme dabei nicht ausschließlich durch Fragen in Gang. In Konfliktsituationen rät Juul von Diskussionen darüber ab, wer sich im Recht befindet. Zudem empfiehlt er, nicht alle Wünsche der Kinder zu erfüllen. Zwar besitze in einer guten Beziehung jeder die Chance, seinen Willen zu äußern – jedoch ohne Garantie auf Erfüllung.

 

Fazit: gleichwürdige Subjekt-Subjekt-Beziehung statt korrigierender Erziehung

Zusammengefasst begründet Jesper Juul mit seinem Ansatz „Beziehung statt Erziehung“ eine neue Richtung in der Kindererziehung. Durch die Abkehr von der autoritätsgeprägten Erziehung hin zu einer von Gleichwürdigkeit gezeichneten Subjekt-Subjekt-Beziehung erhältst Du neue Anregungen für den Umgang mit Deinem Kind. Mit seinen Ansichten steht der Däne nicht alleine da. Unterstützung bekommt der Familien-Therapeut von weiteren Experten wie beispielsweise Katia Saalfrank.

 

weiterführend:

http://familylab.de/

 

wer wir sind

Mario, vom Netpapa Team

Als begeisterter Vater und Herausgeber von Netpapa.de eines der größten deutschsprachigen Vätermagazine, freue ich mich, Dir gemeinsam mit anderen Autoren viele hilfreiche Themen vorstellen zu können. Unsere Redaktion besteht aus Journalisten, Erziehern, Pädagogen und Mediziner aber vorallem sind wir Väter.


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