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Schüchtern, zurückhaltend und ohne persönliche Nähe

Als Krankheitsbild ist es weitgehend unbekannt, trotzdem kommt die ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung in Beziehungen und Partnerschaften oft vor und kann diese schwer belasten. Häufig geht das Paar auseinander, was für den Erkrankten ein weiterer Beweis des Versagens ist. Die Behandlung der Erkrankung ist langwierig und setzt Vertrauen zum Therapeuten voraus. Doch die Fähigkeit, so eine Vertrauensbasis zu begründen, fällt Menschen mit ängstlich vermeidender Persönlichkeitsstörung sehr schwer.

vermeidende Persönlichkeitsstörung
Sprachlosigkeit in der Beziehung. bigstockphoto.com, Copyright: TatyanaGl

Oft werden Betroffene der Störung als schüchtern und zurückhaltend eingestuft. Da viele Menschen zur Schüchternheit neigen, fällt nicht gleich auf, dass diese besondere Zurückhaltung krankhafte Züge aufweist. Die ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung in einer Beziehung kann am schnellsten eingeordnet werden, weil der Partner alltäglich den Rückzug des Anderen mitbekommt, und auch das Ausmaß der Erkrankung schnell erkennt. Anzeichen für das Vorliegen der Störung sind:

  1. Übermäßige Kritik an sich selbst, einhergehend mit der Herabwürdigung der eigenen Person.
  2. Angst vor dem Versagen und der Zurückweisung mischt sich mit Trauer, bis hin zu einer ausgeprägten Depression
  3. Statt einen Versuch zu wagen, lassen Erkrankte lieber die Hände von einem Unterfangen, weil in ihren Augen das Versagen schlimmer ist, als etwas gar nicht erst auszuprobieren.
  4. Betroffene fühlen sich, als stünden sie stets in der Kritik anderer Leute, sie fühlen sich nicht akzeptiert und somit andauernd zurückgewiesen.
  5. Erkrankte vermeiden soziale Kontakte, ihr Verhalten ist ständig zurückgezogen und sie entschuldigen sich unablässig für Dinge, die gar nichts mit ihnen selbst zu tun haben

Hilfe können Betroffene fast ausschließlich in Therapien finden. Die ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung in der Beziehung selbst heilen zu wollen, ist utopisch. Das Problem sitzt tief in der Seele des Erkrankten, und muss erst ergründet werden.

Etwas Fachchinesisch

In Fachkreisen wird die ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung dem Krankheitsbild der Sozialphobie zugeordnet. Betroffene leiden stark unter dem Zustand der Selbstunsicherheit, bis hin zur totalen körperlichen und mentalen Erschöpfung.

Zunächst einmal schätzt eine erkrankte Person den eigenen Selbstwert als so niedrig ein, dass er mit sozialen Kontakten jeglicher Art bricht. Selbst die eigene Familie wird dabei nicht verschont. Besonders hier wird die ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung in der Beziehung zum besonderen Problemfall. Denn auch den Partner lassen Betroffene nicht an sich heran. Sie isolieren sich und ziehen sich in eine eigene Welt aus Mauern und Schutzwällen zurück. Hinter diesen Schutzmauern beginnt die erkrankte Person sich komplett dysfunktionalen Gedanken bis hin zur Selbstaufgabe hinzugeben.

Hier wird Helfen zum Problem

Nicht nur der Partner oder nahe Verwandte werden von Erkrankten als unfähig ihnen zu helfen eingestuft, auch Psychiater, Psychologen und Therapeuten haben immense Schwierigkeiten, einen Zugang zu Personen dieses Krankheitsbilds zu finden. Dabei ist es sehr wichtig, eine Verhaltenstherapie auf Vertrauen zu begründen. Es ist ein langwieriger und anstrengender Prozess, bei dem die ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung die Beziehung auf eine harte Probe stellen wird. Es dauert Monate, wenn nicht gar Jahre, um Betroffene zu heilen oder zumindest auf den Weg der Besserung zu führen.

Was passiert in der Therapie?

Erklärt sich eine erkrankte Person mit einer Therapie einverstanden, so wird der behandelnde Psychologe zunächst einige Zeit darauf verwenden, das Vertrauen des Betroffenen zu erlangen und zu stärken. Erst dann beginnt die Erforschung der Ursache. Die ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung kann in der Beziehung entstanden sein, jedoch liegt der Ursprung in den meisten Fällen weiter zurück. Nicht selten geht es beim Auslöser um traumatische Erlebnisse oder verletzende Erfahrungen in der Kindheit. Ist das Vertrauen einmal erlangt, gibt es folgende Behandlungsansätze:

  • Dysfunktionales Gedankengut muss umformuliert werden
  • Verbesserung der Selbstwahrnehmung des Patienten
  • Stärkung von sozialen Fähigkeiten, meist in einer Gruppentherapie mit Leidensgenossen
  • Aufbau eines Alltags, der das Selbstwertgefühl Stück für Stück durch kleine Erfolge aufbaut

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Die Behandlung der Störung variiert stark und ist davon abhängig, was der Auslöser ist. Auch das Verhalten des Patienten wird analysiert und die Therapie darauf zugeschnitten. Steht eine Person unter Verdacht, an dieser Störung erkrankt zu sein, muss geduldig und durch Zureden auf eine Therapie hingearbeitet werden, um letztlich Hilfe erhoffen zu können.

Quellen

  • Diagnostik und Therapie von Persönlichkeitsstörungen, Priv.-Doz. Dr. med. Manuela Dudeck, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Greifswald, PDF abgerufen
  • Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, Therapien bei Störungen
     

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