Das Aufenthaltsbestimmungsrecht für Väter

Wann bekommen Väter nach der Trennung das Aufenthaltsbestimmungsrecht für Ihre Kinder

Wann bekommen Väter das Aufenthaltsbestimmungsrecht? Diese Frage ist für alle Männer wichtig, die nach einer Trennung von der Partnerin das Kind am liebsten zu sich in die Wohnung oder das Haus holen möchten. Du hast wahrscheinlich schon öfter gehört und gelesen, dass Mütter die besseren Chancen haben. Ganz so einfach ist es aber (zum Glück) nicht. Es spielen vielmehr verschiedene Faktoren zusammen.

Aufenthaltsbestimmungsrecht beim Vater -

Aufenthaltsbestimmungsrecht beim Vater – Copyright: O_Lypa, bigstockphoto

 

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht als Vater bekommen

Die Grundlage: Was besagt das Aufenthaltsbestimmungsrecht?

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht kümmert sich um die Frage, wann ein Schutzbefohlener an welchen Ort sein darf. Darunter fallen Dinge wie:

  • Bei welchen Freunden darf dein Kind zum Spielen sein?
  • Welche öffentlichen Räume darf dein Kind besuchen?
  • Wann sollte es am Nachmittag oder Abend wieder daheim sein?

Solange Eltern das gemeinsame Sorgerecht für ein Kind haben, entscheiden sie auch gemeinsam über das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Vor dem Gesetz handeln sie quasi als Einheit im Interesse des Kindes.

Kommt es zur Trennung, kann dennoch unter beidseitigem Einverständnis das gemeinsame Sorgerecht erhalten bleiben. In diesem Fall gehen Mutter und Vater zwar als Erwachsene ihre eigenen Wege, sie bestimmen aber als Eltern weiterhin gemeinsam die Lebensgestaltung des Kindes.

Da allerdings der gemeinsame Hausstand im Normalfall aufgelöst wird, müssen beide sich entscheiden, bei wem das Kind künftig wohnt. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht übt in der Praxis damit das Elternteil, bei dem das Kind wohnt, maßgeblich aus. Können die Eltern sich nicht einigen, bei wem das Kind leben soll, kann ein gerichtlicher Streit über das Aufenthaltsbestimmungsrecht beginnen.

 

Welche Rolle spielt das Umgangsrecht?

Haben beide Elternteile das Sorgerecht weiterhin gemeinsam, wird einer zum Hauptinhaber des Aufenthaltsbestimmungsrechtes und einer bekommt das Umgangsrecht. Letzteres besagt, dass dieses Elternteil zu festen Zeiten das Kind sehen darf. In diesen Zeiten darf auch der Aufenthaltsort des Kindes von ihm bestimmt werden.

Teilt ihr euch also weiterhin das Sorgerecht und du hast ein Umgangsrecht, kannst du ohne Nachfragen bei der Mutter zu den vereinbarten Zeiten mit dem Kind in den Freizeitpark oder das Kino deiner Wahl fahren. Wichtig ist nur, dass zu den fixen Endpunkten dein Nachwuchs wieder bei der Mutter abgeliefert wird. Gleiches gilt natürlich andersherum, wenn das Kind bei dir lebt und die Mutter „nur“ das Umgangsrecht recht.

 

Haben Väter in Sachen Aufenthaltsbestimmungsrecht immer einen Nachteil?

Rein rechtlich haben weder Mütter noch Väter bessere Chancen als der jeweils andere. Das Geschlecht wird nicht als Kriterium gewertet. Im Interesse des Kindes wird genau geprüft, welche Entscheidung für das Kind am besten ist. Daher kann eine Mutter, die viel auf Geschäftsreisen ist, den Rechtsstreit genauso verlieren wie ein häufig abwesender Mann.

Es ist für beide Seiten nicht einfach, das Aufenthaltsbestimmungsrecht per Gericht einzuklagen. Väter bekommen es dann, wenn die Richter überzeugt sind, dass die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes bei ihnen geschützter ablaufen kann als bei der Mutter. Der Richter nennt dies das Förderungsprinzip.

 

Worauf achtet der Richter bei der Entscheidungsfindung?

Für die Vorsitzenden im Gerichtsverfahren ist es am wichtigsten, eine Entscheidung im Interesse des Kindes zu treffen. Dessen Wohl und sichere Entwicklung stehen an erster Stelle. Daher wird gedanklich durchgespielt, welche Lebensumstände das Kind bei beiden Elternteilen erwarten würde. Zentrale Fragen sind:

  •  Welche Arbeitszeiten haben die Elternteile und entsprechend wie viel Zeit bleibt für die Kinderbetreuung?
  •  Gibt es Geschwister und können beide gemeinsam bei einem Elternteil wohnen?
  •  Würde ein Umzug den Wechsel des Kindergartens oder der Schule bedeuten?

Viele Überstunden in der Woche, Außentermine für den Job und eine kleine Wohnung sind entsprechend schlechte Argumente, wenn du das Aufenthaltsbestimmungsrecht für dich beantragen willst.

Über all diesen Fragen steht allerdings: Drohen dem Kind körperliche oder seelische Schäden bei einem Elternteil? Wird diese Frage mit einem Ja beantwortet, kann das Aufenthaltsbestimmungsrecht trotz Vollzeitjob und schlechterer Wohnbedingungen (samt eventuellem Umzug) so entschieden werden, dass das Kind zu dir ziehen soll/darf.

 

 Aufenthaltsbestimmungsrecht – Auch die Meinung des Kindes zählt

Zwar prüft ein Gericht so gut es geht die objektiv sichtbaren Fakten rund um die Lebensumstände der Eltern, doch zur Klärung des Aufenthaltsbestimmungsrechts zählt auch, ob das Kind selbst eine Wahl bevorzugt. Daher wird bereits ab einem Alter von drei Jahren kindgerecht nach dessen Wünschen gefragt.

In der Regel ist bei dieser Befragung des Kindes ein Psychologe anwesend, um die Reaktion angemessen zu interpretieren. Während manche sehr deutlich äußern, welches Elternteil ihnen lieber ist, empfinden andere Schuldgefühle und möchten Mama oder Papa mit ihrer Aussage nicht verletzten. Möglich ist auch, dass ein Elternteil (bewusst oder unbewusst) Druck auf das Kind ausübt und damit dessen Meinungsäußerung beeinflusst. Dies soll nach Möglichkeit aufgedeckt werden.

Steht die Meinung des Kindes fest, wiegt diese bei der Entscheidung der Richter besonders. Allerdings kann dennoch gegen den Wunsch des Kindes entschieden werden, wenn es Belege gibt, dass ein Leben beim bevorzugten Elternteil schädlich für die Entwicklung ist.

 

Fazit: Wann bekommen Väter das Aufenthaltsbestimmungsrecht?

Soviel zum theoretischen Rahmen. Kannst du dich mit der Kindsmutter nicht darauf einigen, bei wem euer Kind auf Dauer leben soll, kann vor Gericht das Aufenthaltsbestimmungsrecht von beiden Seiten beantragt werden. Bedenkt dabei bitte, dass ein Rechtsstreit nicht nur für euch belastend ist, sondern auch das Kind in eine emotional schwierige Situation bringt. Meist ist die elterliche Trennung bereits belastend und ein Streit vor Gericht sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

In der Praxis ist jedoch eine richterliche Entscheidung unabdingbar, wenn beispielsweise die Kindesmutter mit dem Nachwuchs in eine weit entfernte Stadt ziehen möchte. In diesem Beispiel hast du sogar ein Argument für das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht: Die Mutter zeigt sich unwillig, den Kontakt zwischen dem Kind und dir zu unterstützen, was jedoch für den Nachwuchs wichtig ist. Das bedeutet, sie zeigt weniger Förderungswillen, was wiederum für die richterliche Entscheidung wichtig ist.

wer wir sind

Mario, vom Netpapa Team

Als begeisterter Vater und Herausgeber von Netpapa.de eines der größten deutschsprachigen Vätermagazine, freue ich mich, Dir gemeinsam mit anderen Autoren viele hilfreiche Themen vorstellen zu können. Unsere Redaktion besteht aus Journalisten, Erziehern, Pädagogen und Mediziner aber vorallem sind wir Väter.


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