Warum Kinder weinen – das sollten Väter wissen

Simon schreit. Wie so oft in den ersten beiden Wochen seines Lebens. Die meisten Kinder weinen in dieser Zeit viel. Sein Papa ist verzweifelt. Was fehlt ihm? Wie hilft er am besten? Er ist sich nicht sicher, ob Hunger, Frust oder Bauchweh das Motiv der lautstarken Äußerung seines Sohnes ist. Da es sich um das erste Baby handelt, haben er und seine Partnerin noch keine Erfahrung in der Unterscheidung des Weinens ihres Kindes. Fakt ist: Weinen macht Eltern nervös. Es schürt Verzweiflung. Ein Vater sehnt sich danach, seinen Nachwuchs zufrieden zu sehen.

Kind weint
Warum Kinder weinen © Ilka Burckhardt – Fotolia.com

Sensible Väter unterstützen die positive Entwicklung der Gefühle ihres Kindes

Wenn Kinder weinen, ist die Reaktion der Eltern darauf wegweisend für ihre emotionale Entwicklung. Vor allem bei Babys fällt es Dir als Vater schwer, das häufige Schreien zu ertragen. Mit der Zeit lernst Du, die Gründe zu unterscheiden. Hunger, Schmerzen oder sonstiges Unwohlsein ist ebenso Gegenstand von Tränen wie Langeweile oder das Bedürfnis nach körperlicher Nähe. Bei älteren Kindern ist es einfacher, den Grund zu erkennen.

 

Verschiedene Ursachen wenn Neugeborene weinen

Neugeborene weinen aus unterschiedlichen Gründen:

  • Hunger,
  • Schmerzen,
  • Langeweile,
  • zu warm/zu kalt,

Ungeübte Eltern schaffen es nicht, die verschiedenen Schrei-Arten zu differenzieren. Auch ungewolltes Alleinsein, ungewohnte Geräusche und eine fremde Umgebung sind Gründe zu weinen. Säuglinge drücken sich nicht verbal aus. Deshalb ist von Deiner Seite her viel Sensibilität gefragt, um die Ursache herauszufinden.

Oftmals gelingt es, das Kind mit einfachen Mitteln zu besänftigen. Sprich mit Deinem Baby und schaue es an. Es spürt, ob Du ihm echte Aufmerksamkeit schenkst oder ob Du nicht bei der Sache bist. Es sucht die Nähe zum Vater. Nimm Deine Tochter ernst und konzentriere Dich in diesen Momenten auf sie. Ärmchen oder Beinchen festhalten oder die Hand auf den Bauch hat eine beruhigende Wirkung auf viele Babys. Ein Schnuller oder den Finger in den Mund bringt ebenfalls Ruhe. Nutzt alles nichts, sorgt ein Besuch beim Kinderarzt für Klarheit.

 

Magen-Darm-Störungen sind bei wenigen Babys für häufiges Weinen verantwortlich

1954 führte der Pädiater Morris Wessel die Dreier-Regel ein. Babys, die über drei Wochen hinweg an drei Tagen pro Woche mehr als drei Stunden lautstarke Äußerungen von sich geben, erhalten die Diagnose „exzessives Schreien im Säuglingsalter“. Die vermutete Ursache sind Verdauungs-Störungen.

Das „Deutsche Institut für medizinische Dokumentation und Information“ (DIMDI) in Köln gab eine Studie zu dem Thema in Auftrag. Sie ergab, dass fünf bis zehn Prozent der schreienden Babys an einer Magen-Darm-Störung leiden. Trotzdem haben viele Kinder Koliken. Es ist nicht geklärt, ob sie die Ursache oder ein Nebeneffekt des exzessiven Schreiens sind. Laut Silvia Schneider, Professorin der Ruhr-Universität in Bochum für klinische Kinder- und Jugend-Psychologie, fühlen sich 20 bis 25 Prozent der Eltern gestresst, wenn ihre Kinder weinen. Dies hat eine negative Wirkung auf das Kind, da die Mutter oder der Vater den Stress überträgt. Dadurch schreit es noch mehr und verursacht bei den Eltern Wut, die gefährliche Ausmaße annimmt. Jährlich sterben 100 bis 200 Babys durch Schütteltraumen. Diplom-Psychologin Frauke Ostmann ist ebenfalls der Meinung, dass Eltern von Schreibabys Hilfe brauchen. Sie haben Mühe, eine positive Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen.

 

Fehlende Selbst-Regulation als Ursache für häufiges Weinen

Einige Psychologen sehen die fehlende Selbst-Regulation als Grund des Weinens. Einige Kinder reagieren auf äußere Reize sensibel und sind schneller erregbar. Dieter Wolke, Professor für Entwicklungs-Psychologie an der Warwick University in Coventry setzt sich seit Längerem mit dem Thema auseinander. Kinder mit Problemen mit der Selbstregulation weinen weit über das Alter von vier Monaten hinaus überdurchschnittlich viel. Einige von ihnen leiden unter Schlaf- und Fütterungs-Schwierigkeiten. Fachleute schätzen den Anteil auf fünf Prozent. Sie betonen, dass viele Schreibabys mit einem doppelten Risiko ADHS entwickeln.

Regelmäßige Tagesabläufe und viel Körperkontakt sind für Babys mit Regulations-Problemen lebenswichtig. Mache Dir Zeit frei, um mit Deinem Sohn oder Deiner Tochter bewusst Momente zu verbringen. Kuscheln und Spielen helfen, Vertrauen aufzubauen und die Reize gut zu verarbeiten. Gestehe Deinem Kind genügend Schlaf zu und leiste ihm Gesellschaft, wenn es schreit. Allein sein ist nicht ratsam. Vermeide unnötige Aufregungen wie Restaurant-Besuche, Krabbelkurse oder andere Aktionen. Falls die Situation unerträglich scheint, suchst Du zusammen mit Deiner Partnerin Hilfe bei einer Schrei-Ambulanz. Hier erhältst Du Tipps und wichtige Informationen.

David Haig von der Harvard University fand in seiner Studie „Troubled Sleep“ Erstaunliches heraus. Nächtliches Schreien von Babys hat zum Ziel, die Geburt eines Geschwisterchens zu verhindern. Ungeteilte Aufmerksamkeit und mehr Essen sind entscheidende Vorteile eines Einzelkindes. Deshalb versucht es instinktiv alles, um seine Mutter müde und längere Zeit unfruchtbar zu halten. Nächtliches Stillen verlängert das Ausbleiben der Menstruation nach der Geburt.

Größere Kinder weinen und suchen Trost

Nicht nur Säuglinge weinen. Bei größeren Kindern sorgen folgende Ursachen für Tränen:

  • Schmerz,
  • Traurigkeit,
  • Angst,

Körperlicher Schmerz produziert Tränen. Ebenso seelisches Leiden. Respektlosigkeit, Mobbing, Streit oder Missgunst rufen negative Emotionen hervor. Diese drückt das Kind durch Weinen aus.

Die Reaktion der Eltern ist wegweisend für die Entwicklung des Nachwuchses. Reagieren sie mit Verständnis und Trost ermutigst Du Deinen Sohn oder Deine Tochter, ihre schwierigen Gefühle weiterhin auszudrücken. Stößt ein weinendes Kind auf Unverständnis, beginnt es sich zu verschließen und die Probleme mit sich auszumachen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Kinder, die von ihren Eltern Trost erfahren, sich positiver entwickeln als solche, die einem strengen Erziehungs-Stil unterworfen sind.

 

Yang Yang, Doktorandin am Institut für Humanpsychologie an der amerikanischen Cornell University, führte unter der Schirmherrschaft der Jacobs Foundation eine Längsschnittstudie an weißen Familien durch. Zwei Jahre lang besuchte sie sie im Abstand von einem Jahr. Das Ergebnis zeigt, dass Kinder, die von Vater und Mutter Trost und Verständnis erfahren, ihre Emotionen besser einordnen und fähig sind, sie zu kontrollieren. Sie sind weniger anfällig auf Depressionen und aggressives Verhalten. Die verständnisvolle Reaktion von Eltern auf weinende Kinder beeinflusst ihre Gefühls-Entwicklung positiv.

 

weiterführend:

http://www.fritzundfraenzi.ch/artikel/news/was-tun-wenn-kinder-weinen/?tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[action]=detail&cHash=8900b0d8be446bdaf4ab7f13fb55b125

http://emph.oxfordjournals.org/content/2014/1/32.full

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